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Probleme für Start-ups : Weniger Risikokapital in der Corona-Krise

Das indonesische Start-up Gojek warb im ersten Quartal 2020 mit 3 Milliarden Dollar die höchste Risikokapital-Finanzierungssumme ein. Bild: Reuters

Das meiste Venture-Capital fließt in die Vereinigten Staaten. Aber es ist weniger als im vergangenen Jahr - und der Ausblick düster.

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          Entrepreneur zu sein, das sei keine Berufsbezeichnung, sondern eine Einstellung von Menschen, die die Zukunft verändern wollen, sagte der bekannte amerikanische Risikokapitalgeber Guy Kawasaki. Doch um die Vorstellungen vieler junger Unternehmer voranzutreiben, braucht es Finanzierungen – und die trocknen derzeit zunehmend aus. In dem aktuellen „Venture Pulse“-Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wurden die Venture-Capital-Investitionen des ersten Quartals 2020 analysiert.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          In die jungen Unternehmen wurden seit Beginn der Corona-Krise 61 Milliarden Dollar investiert, was mehr als 4260 Deals entspricht. Im Vergleich zum vergangenen Jahr stellt das jedoch einen Rückgang von 4,5 Prozent dar. An der Spitze der Investitionen steht Amerika, auf das mit 34,3 Milliarden Dollar mehr als die Hälfte der Investments und Deals entfällt. Der Uber-Konkurrent Waymo sammelte in den Vereinigten Staaten mit 2,25 Milliarden Dollar die höchste Summe ein.

          Größte Investitionen in Asien

          Asien folgt dahinter weit abgeschlagen mit Investitionen in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar. Allein in China sank die Investitionssumme im Vergleich zum Vorjahresquartal mit 12,6 Milliarden Dollar um 30 Prozent.

          Dafür verbuchte der Kontinent die zwei höchsten Finanzierungsrunden des Quartals von jeweils 3 Milliarden Dollar für sich mit Investitionen für das indonesische Start-up Gojek und den chinesischen Streaming-Dienst Kuaishou.

          Europas Start-ups sammelten in mehr als 900 Deals insgesamt 8,8 Milliarden Dollar ein, wovon 1,37 Milliarden Dollar auf Deutschland entfielen. Dort warben vor allem das Lufttaxi-Unternehmen Lilium und der Gebrauchtwagen-Onlinemarktplatz Car Group jeweils 250 und 168 Millionen Dollar ein.

          In Europa war dagegen das britische Fintech Revolut Spitzenreiter. Das Finanz-Start-up nahm im ersten Quartal eine Summe von 500 Millionen Dollar ein, was es an die Spitze der wertvollsten Fintechs Europas katapultierte.

          Das Virus habe sich auf das erste Quartal wegen der „gut gefüllten“ Deal-Pipeline noch nicht besonders niedergeschlagen, sagt Ashkan Kalantary, KPMG-Partner. Dies sei jedoch nur die Ruhe vor dem Sturm, warnt er. Schon für das zweite Quartal sei mit spürbaren Auswirkungen zu rechnen. Je nach Wachstumsphase eines Startups, dürften diese sehr unterschiedlich ausfallen.

          „Unternehmen im Frühphasenstadium werden möglicherweise besser über die Runden kommen, da sie noch nicht auf Einnahmen angewiesen sind. Start-ups in der Wachstumsphase und solche, die auf wiederkehrende Einnahmen angewiesen sind, wie etwa B2B-Dienstleister, könnten die Auswirkungen allerdings stärker zu spüren bekommen“, sagt Kalantary.

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