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Pro Sieben-Aktie : Der Börsenabsteiger

  • Aktualisiert am

Max Conze, der neue Chef von Pro Sieben soll den Konzern neu und wieder erfolgreicher aufstellen. Bild: dpa

Schon bald verlässt ProsiebenSat.1 wieder den Dax. Das Abenteuer in der ersten Börsenliga hat Aktionäre des Medienkonzerns viel Geld gekostet. Wie geht es nun mit der Aktie weiter?

          Genau zwei Jahre hat das Erlebnis erste Börsenliga gedauert. Jetzt sind für ProsiebenSat.1 die Tage im Dax endich. Am kommenden Montag, den 19. März, müssen die Aktien des Medienkonzerns Deutschlands bekanntestes Börsenbarometer verlassen und eine Reihe darunter, im M-Dax der mittelgroßen Börsenwerte, wieder Platz nehmen.

          Den Platz in der ersten Reihe bekommt Covestro. Der Chemiekonzern hat beim Börsenumsatz und der Marktkapitalisierung nach Streubesitz die Nase inzwischen klar vorn, weshalb dessen Aktien nun die ProSiebenSat.1-Papiere verdrängen. Der Abstieg von ProsiebenSat.1 ist mit den Kursverlusten der vergangenen Monate verbunden.

          Konzernchef Conze ist Neuling in der Medienbranche

          Die Münchener kämpf(t)en mit so einigen Problemen. Vor allem das wichtige Geschäft mit TV-Werbung bot in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Anlass zur Sorge. Konzernchef Thomas Ebeling musste die Prognosen senken und geriet unter Druck - so sehr, dass er nun vorzeitig von Bord geht und das Ruder in der Chefetage Max Conze übergibt. Conze ist als früherer Chef des britischen Staubsauger-Herstellers Dyson ein Neuling in der Medienbranche. Das war Ebeling vor neun Jahren, als er vom Schweizer Pharmahersteller Novartis zu ProSiebenSat.1 kam, allerdings auch.

          Conze muss nun den noch unter der Ägide Ebelings angestoßenen Konzernumbau vorantreiben. Dieser sieht vor, das TV-Geschäft mit den Online-Unterhaltungsplattformen zusammenzulegen. Bis 2019/2020 soll das dem Konzern mehr als 50 Millionen Euro einsparen. Mit dem Investor General Atlantic aus den Vereinigten Staaten holte sich ProSieben einen Partner ins Boot, der am Markt für seine Expertise im Digitalgeschäft gelobt wird. In diesem Jahr soll der Umsatz laut Konzernprognosen weiter steigen und die Marge auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im mittleren 20-Prozentbereich liegen - das wäre in etwa das 2017er-Niveau.

          Analysten trauen dem Unternehmen die Wende zu

          Bei den seit Januar im dpa-AFX Analyser erfassten 17 Analysen zu ProSiebenSat.1 überwiegen die Kaufempfehlungen mit 9 an der Zahl. Es sieht somit danach aus, als trauten die Experten dem Konzern die Wende zum Besseren zu.

          Mit einem Kursziel von zuletzt 45 Euro ist die amerikanische Bank JPMorgan besonders optimistisch. Mit Kurszielen von 39 Euro beziehungsweise 37 Euro liegen auch die Deutsche Bank und die Commerzbank weit vorn. Commerzbank-Analystin Sonia Rabussier hält die Aktien für attraktiv bewertet und sieht Kursschwächen als Kaufchance. Sie geht davon aus, dass der Umsatz mit Fernsehwerbung im ersten Quartal wieder solide zulegen dürfte.

          Negativ eingestellt ist dagegen die UBS, die vor wenigen Tagen die Aktie auf „Sell“ abgestuft und das Kursziel von 26 auf 24 Euro gesenkt hatte. Die strukturellen Probleme von ProSiebenSat.1 beschleunigten sich, warnte Analyst Richard Eary. Zudem bringe der schwache Barmittelzufluss deutliche Kursrisiken mit sich.

          Die Attacke eines selbsternannten Research-Hauses names Viceroy hatte den Kurs Anfang März stark belastet. Bei diesen Short-Attacken versuchen die Urheber Anleger zu verunsichern. Die oftmals nur vorübergehenden Kurseinbrüche wollen sie mit Wetten auf Kursverluste für sich nutzen und einen schnellen Gewinn machen.

          Short-Attacken am Markt haben belastet

          Viceroy hatte dem Konzern unlautere Bilanzierungspraktiken vorgeworfen. ProSiebenSat.1 wies die Anschuldigungen zurück und sagte, sie entbehrten jeglicher Grundlage. Analysten sprangen dem Unternehmen bei: Die Vorwürfe seien unsachlich, überholt und irreführend, so der Tenor. Zuletzt äußerte sich auch noch die Finanzaufsicht Bafin zu dem Fall: Viceroy sei nicht registriert, was für Anlageempfehlungen aber Voraussetzung sei. Die Behörde kenne nicht einmal den Sitz der Firma, weil es kein Impressum auf der Website gebe.

          PROSIEBENSAT.1

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          Die ProSiebenSat.1-Papiere stehen aber schon seit Sommer 2017 immer wieder gehörig unter Druck. Damals hatten die Aussagen zum schwach laufenden Werbegeschäft die Aktien abstürzen lassen. Im November war es dann bis auf 24,50 Euro abwärts gegangen. Danach hatten sich die Anteile wieder berappelt bis auf rund 33 Euro Ende Februar, auch weil es zum Geschäft mit TV-Werbung wieder etwas hoffnungsvollere Signale gab.

          Im Jahr 2017 war ProSiebenSat.1 die schwächste Aktie im Dax mit einem Wertverlust von rund 22 Prozent. In diesem Jahr steht bislang ein Minus von knapp 6 Prozent zu Buche - das ist etwas mehr als der Dax verloren hat. Die Short-Attacke und der angekündigte Abstieg aus dem Leitindex Dax sorgten zwischenzeitlich wieder für deutliche Kursverluste. Für Langfrist-Anleger ist die - gemessen am einem Indikator wie der 200-Tage-Linie - Aktie derzeit nur eine Position für die Watchlist, denn der GD200 wurde Anfang März sehr deutlich nach unten durchkreuzt.

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