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Private Equity für alle : Anlegen wie ein Finanzinvestor

Silberne Löffel: Der Finanzinvestor KKR verdreifachte seinen Einsatz durch den Verkauf des Besteckherstellers WMF Bild: dpa

Lange waren professionelle Firmenkäufer als Heuschrecken verschrien, doch selbst in Nullzinszeiten verdienen sie zweistellige Renditen. Auch Privatanleger können profitieren.

          Es ist nun schon ein paar Jahre her, dass der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering mit einem einzigen Wort eine ganze Branche charakterisierte. Finanzinvestoren, so sagte er 2005, fielen wie „Heuschreckenschwärme“ über die Unternehmen her, grasten sie ab und zögen weiter. Obwohl Müntefering niemals Namen nannte, war doch ziemlich klar, wen er meinte – die Private-Equity-Branche, die fortan in Deutschland mit dem Beinamen „Heuschrecke“ leben musste. Das negative Image, ob gerechtfertigt oder nicht, war in der Welt.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          14 Jahre später aber hat sich etwas geändert. Natürlich gibt es noch immer einige Menschen, die Finanzinvestoren jeder Art für die Ausgeburt des Bösen halten. Aber bei vielen anderen hat ein Umdenken eingesetzt. Wenn amerikanische Investoren wie KKR sich in deutsche Firmen einkaufen, geht kein Aufschrei mehr durchs Land. Stattdessen gibt es mittlerweile sogar gestandene Mittelständler, denen der Einstieg eines Private-Equity-Investors wenig ausmachen würde.

          Nach Jahren erhitzter Debatten scheint sich ein nüchterneres Verständnis zu entwickeln, das viel mit dem ursprünglichen Wortsinn von Private Equity zu tun hat. Der englische Begriff bedeutet sinngemäß „private Beteiligung“ und ist in Abgrenzung zu „public equity“ entstanden. Letzteres meint in der Sprache der Finanzmärkte die Beteiligung an börsennotierten Gesellschaften, sprich: den Kauf von Aktien an der Börse. Private Equity dagegen bedeutet, dass ein Investor, in der Regel ein Fonds, meist die Mehrheit an einem Unternehmen erwirbt, das nicht an der Börse notiert ist. Im Idealfall gelingt es dem Investor, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen und es nach ein paar Jahren zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen.

          Lukrative Alternative in den Nullzinszeiten

          Dass das Ganze nicht immer in kuscheliger Atmosphäre abläuft und Manager und Mitarbeiter mitunter ihren Arbeitsplatz verlieren, ist ein Grund für den jahrelang schlechten Leumund der Branche. Gelingt der Umbau, ist dies aber nicht nur für viele Firmen die Rettung, sondern auch für Investoren lukrativ: Ihre Mühen werden im Erfolgsfall mit hohen Renditen belohnt. Gut zehn Prozent im Jahr waren in der Vergangenheit nicht unüblich. Das lässt aufhorchen in einer Zeit, in der sich mit klassischer Geldanlage nichts mehr verdienen lässt.

          Die Nullzinszeiten sind bittere Realität, eine Änderung ist nicht in Sicht. Auch infolgedessen hat sich die Einstellung zu Private Equity verändert. Die hohen Renditechancen locken selbst konservative Investoren wie Versorgungswerke an, bei vielen Superreichen ist Private Equity ohnehin längst fester Bestandteil der Anlagestrategie. Nicht einmal ganz normale Anleger müssen sich ausgeschlossen fühlen. Denn es gibt nun auch für sie Mittel und Wege, am Private-Equity-Erfolg teilzuhaben, mit ein paar Einschränkungen allerdings. Wie immer gilt jedoch: Man sollte sich der Risiken bewusst sein.

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