https://www.faz.net/-gv6-92vrj

Edelmetalle : Warum der Dieselskandal Palladium glänzen lässt

Mehr wert als Gold und Platin: Edelmetall Palladium Bild: Reuters

Der Preis für das Edelmetall Palladium steigt kräftig. Der Grund dafür liegt im Dieselskandal.

          Mehr als 1000 Dollar je Feinunze: Solche Preise kennt man normalerweise von Gold oder Platin. Zu Beginn dieser Woche wurde am Rohstoffmarkt so viel für Palladium gezahlt, ein Edelmetall, das normalerweise nur Experten ein Begriff ist. Doch in diesem Jahr könnte es zu den Spitzenreitern am Rohstoffmarkt gehören. Seit Beginn des Jahres kletterte der Preis um fast 50 Prozent, das ist dreimal so viel wie beim Gold- und zehnmal so viel wie beim Platinpreis.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Der Kursauftrieb ist auch eine Folge des Dieselskandals. Palladium wird wie Platin in Abgaskatalysatoren benötigt, doch Palladium ist ausschließlich in Benzinern im Einsatz, Platin vorrangig in dieselbetriebenen Fahrzeugen, wobei es sich auch für Benziner eignet. Das erklärt auch die enorme Diskrepanz in der Preisentwicklung zwischen den Schwestermetallen: Während Palladium gerade den höchsten Wert seit 16 Jahren erreicht hat, ist der Platinpreis nach einer langen Durstrecke seit Jahresbeginn nur um 2 Prozent gestiegen. Im vergangenen Monat kostete Palladium sogar erstmals seit 2001 mehr als Platin. Der aktuelle Platinpreis liegt nur noch bei knapp 930 Dollar je Feinunze.

          Branche befindet sich in der Krise

          Die Fundamentaldaten seien eigentlich für Platin und Palladium positiv, sagt Hanré Rossouw, Fondsmanager von Investec Asset Management. Der Platinpreis jedoch werde klar durch das Diesel-Stigma zurückgehalten, während Palladium davonpresche. Wie der Verband der chinesischen Automobilproduzenten mitteilte, stiegen die Autoabsätze in China im September um 3,3 Prozent im Jahresvergleich auf 2,3 Millionen. Das ist der beste Wert in diesem Jahr. Im September hatten auch einige Hersteller in den Vereinigten Staaten bessere Verkäufe gemeldet.

          Palladium

          -- -- (--)
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Gleichzeitig ist von den wichtigsten Palladiumlieferanten – Russlands Nickel- und Südafrikas Platinkonzernen – kein höheres Angebot zu erwarten. Der Marktführer Norilsk Nickel gab kürzlich einen Produktionsrückgang um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bekannt und kündigte Lieferengpässe an. In der Vergangenheit verfügte Russland über beträchtliche Palladium-Lagerbestände, die noch in der Sowjetzeit aufgebaut worden waren. Über die Höhe dieser Bestände wurde viel spekuliert. Doch es mehren sich die Anzeichen, dass sie weitgehend abgebaut wurden. Auch Südafrikas Platinförderer drosseln eher die Produktion und schließen Schächte. Die Branche befindet sich seit Jahren wegen des niedrigen Platinpreises und hoher Förderkosten in der Krise. Zusätzlich bestehen große Unsicherheiten über die künftige Gesetzgebung für den Bergbau, das Verhältnis der Minenbetreiber zur Regierung ist schwer zerrüttet. Das hemmt die Investitionsbereitschaft.

          Der Preisaufschlag wird längere Zeit bestehen bleiben

          Kräftige Nachfrage bei knappem Angebot: Ein Palladiumpreis von 1000 Dollar je Feinunze dürfte kein einmaliger Ausreißer gewesen sein, sagt Rossouw. Auch der ungewöhnliche Preisaufschlag gegenüber Platin wird wohl längere Zeit bestehen bleiben. Zwar können die Hersteller von Katalysatoren für Benziner von Palladium auf das nun billigere Platin umsatteln. Doch solche Umstellungsprozesse sind teuer und dauern viele Monate. Derweil schrumpft der Anteil der Dieselfahrzeuge am Automarkt weiter. Gemäß einer Untersuchung der Citigroup könnte sich der Anteil bis 2025 halbieren und den Platinbedarf in den kommenden zehn Jahren beträchtlich dämpfen. Lange vergangen scheinen die Rekorde aus dem Jahr 2008 zu sein. Damals wurden kurzzeitig mehr als 2200 Dollar je Feinunze für Platin gezahlt, Palladium war für weniger als 500 Dollar zu haben.

          Weitere Themen

          Eine Fabrik im Weltraum

          Made in Space : Eine Fabrik im Weltraum

          Die Vereinigten Staaten wollen zurück zum Mond. Dabei sollen private Unternehmen helfen. Ein Partner der Raumfahrtbehörde Nasa ist auf 3D-Druck im All spezialisiert.

          Topmeldungen

          Kritik an AKK : „Eine Zumutung für die Truppe“

          Aus der Opposition gibt es heftige Kritik an der Ernennung von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Verteidigungsministerin. Kanzlerin und Union würden die „gebeutelte Bundeswehr“ für Personalspielchen missbrauchen, beklagt die FDP.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.