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Finanzmärkte : Lohnen sich jetzt griechische Aktien?

Aufgehellte Stimmung: Die Großbanken Griechenlands scheinen sich zu erholen und die Finanzmärkte entwickeln sich positiv. Bild: dpa

Die Kurse auf Griechenlands Finanzmärkten entwickeln sich momentan sehr gut. Die Erholung der vier Großbanken und die Aussicht auf eine Versteigerung von Sicherheiten hellen die Stimmung auf.

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          Die Kurse auf Griechenlands Finanzmärkten haben sich zuletzt prächtig entwickelt: Der Index für die Aktien an der griechischen Börse „Hellenic Stock Exchange“ hat im vergangenen Jahr fast 25 Prozent an Wert hinzugewonnen, seit Jahresbeginn noch einmal 8 Prozent. Allerdings ist der „FTSE Athens Market Index“ mit Werten knapp unter 560 Punkten noch weit entfernt vom Ausgangswert zum Jaheresanfang 2002, als mit einem Wert von 2000 gestartet wurde.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Die Staatstitel zeigen sich ebenfalls im Aufwind. Denn die effektiven Zinsen sinken, getrieben von der Aussicht auf ein Ende der griechischen Krise. Vor einem Jahr lag die Rendite für zehnjährige Titel noch bei 7,63 Prozent, inzwischen wurde sie mehr als halbiert auf 3,66 Prozent. Der Risikozuschlag („Spread“) für griechische Staatstitel hat sich inzwischen ebenfalls auf einen Bruchteil reduziert und pendelt um die Marke von 300 Basispunkten.

          Meinungen gehen auseinander

          Die Meinungen darüber, ob griechische Titel aussichtsreiche Investitionsobjekte darstellen können, gehen allerdings weit auseinander. „Eine Blase“, sagt ein erfahrener Grieche, der außerhalb des Landes Fonds in Anlagefragen berät. „Wenn die griechische Regierung Schritt für Schritt realisiert, was sie versprochen hat, kann die Lage noch besser werden und Investoren, etwa in Staatstiteln, können satte Gewinne einstreichen“, hält ein griechischer Ökonom dagegen.

          Keine Diskussion gibt es darüber, dass die Märkte, in denen fremde Anleger investieren können, ziemlich klein und nicht immer besonders liquide sind. Die Athener Börse zählt insgesamt 199 Aktien, von denen – wegen der Nachwirkungen der Krise – immer noch ein Drittel suspendiert sind und nur 132 gehandelt werden. Die gesamte Kapitalisierung des Marktes liegt bei 59 Milliarden Euro.

          Von den griechischen Staatsschulden mit einem Volumen von 326 Milliarden Euro ist der Großteil durch Darlehen der europäischen Geldgeber finanziert. Kaum mehr als ein Fünftel kann überhaupt gehandelt werden. Dieses Volumen verteilte sich bis vor kurzem auch noch auf mehr als 20 verschiedene Fälligkeitstermine. Damit der Handel liquider und übersichtlicher wird, sind die Titel nun in nur noch fünf Fälligkeitstermine zusammengelegt worden.

          Die schrumpfenden Risikozuschläge hatten schon bei der Aufnahme Griechenlands in die Währungsunion 2001 viele Spekulanten angelockt. Mit dem Eintritt des Landes in den Euroraum verschwand das Risiko von Abwertungen, die Furcht vor großen Inflationsdifferenzen im Vergleich zu Mitteleuropa. Geblieben war nur das Risiko der Staatspleite, was zu Beginn der Erfahrungen mit dem Euro vernachlässigt wurde. Die Spekulation mit griechischen Staatstiteln war am Ende nur eine Wiederholung einer größeren Spekulationswelle mit italienischen Staatsschulden, als die Hochzinspapiere von 1994 oder 1995 drei Jahre später Kurswerte von 130 Prozent erreichten.

          Aktien von Großbanken gesucht

          Während die Spekulation mit italienischen Titeln bisher immer gutging, mussten dagegen die Käufer griechischer Titel 2012 einen Kapitalschnitt von mehr als der Hälfte hinnehmen und verloren an die 57 Milliarden Euro. Nun wird wieder eine griechische Erfolgsgeschichte präsentiert: Ende des Hilfsprogramms, Schuldenschnitt, verbessertes Rating, schnelleres Wirtschaftswachstum. Einen Strich durch diese Rechnung machen könnte eine politisch gegen Reformen eingestellte Regierung, eine populistisch motivierte Rückabwicklung von Reformen vor der kommenden Parlamentswahl oder Turbulenzen nach den nächsten Wahlen.

          Bei den Aktien sorgte zuletzt die Erholung der vier Großbanken und die Aussicht auf eine Versteigerung von Sicherheiten für nicht zurückbezahlte Hypotheken für positive Stimmung. Mittlerweile hätten die griechischen Banken nach ihren zwei Rekapitalisierungen gegen neue Krisen vorgebaut, ist in Athen zu hören. Was allerdings der nächste Stresstest für die Banken bringen wird, erwarten auch die positiv gestimmten Ökonomen mit Spannung. Gestört wurde das rosige Bild vor einigen Wochen, als Bank of America/Merrill Lynch in einem Bericht über Griechenland die Bewertungen mancher Aktien teilweise auf die Hälfte reduzierte.

          „Manche Aktien sind im Moment schon überbewertet“, sagt der griechische Anlageberater im Ausland. Dennoch gebe es immer noch die Möglichkeit, Titel zu finden, die mit Investitionen in Infrastruktur zu tun hätten, etwa auch griechische Bauunternehmen. Steigende Hoffnungen und Aktienkurse verzeichnete zuletzt etwa auch der Immobilieninvestor Lamda, der auf dem Gelände des ehemaligen Athener Flughafens Ellinikon ein Milliardenprojekt plant und nun womöglich nach dreijähriger Verzögerung das Plazet der Linksregierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras bekommt.

          Nur ein Teil der griechischen Unternehmen an der Börse sei für ausländische Investoren satisfaktionsfähig, warnt der Experte. Zudem ist die am besten wachsende Branche, der Tourismus, an der Börse nur schwach vertreten. Dort investieren immer noch hauptsächlich Familienunternehmen, die ihrerseits wegen der Griechenland-Krise wenig Appetit auf die Börse haben. Eine Verlängerung des Börsenzettels können vorerst nur Privatisierungen bringen, doch davor scheute die Regierung seit Jahren zurück.

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