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Erklärung der Finanzkrise : Die portugiesischen Zombies

Der Aufschwung kam nicht wie erhofft: Einkaufsstraße in Lissabon. Bild: Franz Lerchenmüller

In der Euro-Krise erhöhten Behörden für Banken die Kapitalanforderungen. Eine Ökonomin zeigt, warum das nach hinten losging.

          Ökonomen sehen sich oft dem Vorwurf ausgesetzt, wenig zur Erklärung der Finanzkrise beigetragen zu haben. Das hat in den wissenschaftlichen Zirkeln tiefgreifende Debatten ausgelöst: Volkswirte haben den Anspruch, die realen Phänomene zu verstehen. Und sie haben ihre Aufgabe angenommen. Das zeigt eine Vielzahl von Untersuchungen zur Rolle der Banken für die Volkswirtschaften. Eine junge Generation von Forschern arbeitet sich an sehr aktuellen Fragestellungen ab, die auch das wirtschaftspolitische Instrumentarium prägen. Auch das ist ein Anspruch, den gute Ökonomen seit jeher zu erfüllen versuchen.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Laura Blattner ist Teil dieser jüngeren Generation. Nach einem Abschluss in „Philosophy, Politics and Economics“ in Oxford sitzt sie seit dem Jahr 2013 in Harvard an ihrer Dissertation. Arbeitstitel: „Essays on Financial Economics and Misallocation“. Im Mai soll die Arbeit fertig werden. Danach kann sie sich aussuchen, ob sie als Juniorprofessorin nach Chicago oder ans Massachussetts Institute of Technology, nach Princeton oder Stanford geht. Überzeugt hat sie in jüngerer Vergangenheit mit einer Untersuchung, die Erklärungen dafür gefunden hat, dass die portugiesische Wirtschaft im Jahr 2012 an Produktivität verloren hat, nachdem die Europäische Bankenaufsicht (Eba) im Herbst 2011 neue Eigenkapitalanforderungen an die Institute gestellt hatte. Die Arbeit vom Januar dieses Jahres hat jüngst den Young Innovators Award der Finanzberatung Plansecur gewonnen, der mit 2.500 Euro dotiert ist.

          Ausgangspunkt der Untersuchung war ein Gespräch mit einem Berater des portugiesischen Finanzministers. Darin wies er auf portugiesische Banken hin, die regelmäßig Kredite nicht abschrieben, die von Ausfällen bedroht waren. Nachfragen bei der Bankaufsicht und bei Mitarbeitern der Notenbank in Lissabon folgten. „Der wirtschaftliche Aufschwung funktionierte nicht wie erhofft. Die Frage war: Wie kann man das kausal nachweisen?“, sagt Blattner.

          Eigentlich kurz vor der Insolvenz

          Für ihre Untersuchung, in die sehr viel Datenmaterial der portugiesischen Zentralbank und der dortigen Finanzbehörden einging, hat sie zwei Mitstreiterinnen der portugiesischen Zentralbank gewonnen: Luísa Farinha und Fransisca Rebelo. Die drei Autorinnen ordnen ihre Arbeit in die Debatte über „Zombie“-Unternehmen ein. Diese wurden in den neunziger Jahren in Japan von Banken weiterhin mit Krediten versorgt, obwohl sie kurz vor der Insolvenz standen. Bislang hat die Wissenschaft keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem schlechten Zustand der Banken und der fallenden Produktivität der japanischen Wirtschaft nachweisen können. Die Untersuchung von Blattner und ihren Mitautorinnen zeigt nun für den portugiesischen Fall, dass die Schwäche der Banken, unterstützt durch höhere Kapitalanforderungen, zu einer Schwächung der Produktivität beigetragen hat. Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Wirtschaft gerade die schlimmsten Folgen der Euro-Krise zu verkraften hatte und in der zusätzliches Eigenkapital die Kreditinstitute eigentlich stabilisieren sollte. „Unsere Ergebnisse lassen wichtige Schlussfolgerungen zur Debatte über eine Bank-Rekapitalisierungspolitik zu“, schreiben die Autoren.

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