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Erklärung der Finanzkrise : Die portugiesischen Zombies

Um diesen kausalen Zusammenhang nachzuweisen, mussten sie sich Daten verschaffen, die eine Aussage darüber erlaubten, in welchem Ausmaß portugiesische Banken die eigene Kreditqualität verschleierten. Denn die Annahme hatte sich als plausibel herausgestellt, dass Banken ihre höheren Kapitalanforderungen erreichten, indem sie Kredite an produktive Unternehmen zurückfuhren – es somit also zu einer partiellen Kreditklemme kam. Die unproduktiven Unternehmen aber, denen die Banken ausfallgefährdete Kredite ausgegeben hatten, wurden weiterhin versorgt.

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Der Grund: Die Institute wollten gegenüber der Aufsicht vertuschen, dass die Unternehmen vor der Insolvenz standen. So kamen die unproduktiven Unternehmen weiterhin an Kredite, die mehrversprechenden Investitionen dagegen konnten nicht getätigt werden. „Wenn das Unternehmen in einer finanziellen Notlage war und nicht richtig zurückzahlen konnte, meldeten die Banken seine Verluste oft nicht richtig. Das zeigt sich in den Daten“, sagt Blattner. Statt aber einen Kredit komplett abzuschreiben, vertuschten die Institute lieber ihre Falschmeldung und gaben den Unternehmen weiterhin Geld. „Die Verluste reduzierten das Eigenkapital der Banken – genau das, was die Aufsicht vermeiden wollte“, sagt sie.

Die Amerikaner haben es besser gemacht

Die drei Autorinnen haben sich aber nicht damit zufriedengegeben, diesen Mechanismus nachzuweisen, sondern sie haben sich auch noch vorgenommen zu quantifizieren, in welchem Umfang die Produktivität schrumpfte und wie die Beschäftigung darunter litt. „Wir zeigen, dass die Eba-Intervention mehr als 50 Prozent des Produktivitäts-Rückgangs 2012 bewirkt hat. 40 Prozent dieses Effekts wurden durch die Reallokation von Krediten an geplagte, gegen Berichtspflichten verstoßende Unternehmen begründet“, heißt es in der Studie.

Mit der Untersuchung können die drei Autorinnen zeigen, dass die europäischen Behörden in der Euro-Krise nicht so erfolgreich waren wie die der Vereinigten Staaten in der dortigen Finanzkrise. „Die Ergebnisse legen nahe, dass die europäischen Volkswirtschaften, zumindest in der Peripherie, von einem raschen Rekapitalisierungsprogramm wie Tarp in den Vereinigten Staaten profitiert hätten“, schreiben sie. Erhöhe man nur die Kapitalanforderungen, könne das zu unerwünschten Anreizen beim Verleihen führen. „Wenn Banken zu einem bestimmten Betrag gezwungen werden, haben sie keine Wahl mehr zwischen der Risikoreduzierung und neuem Kapital“, sagt Blattner. Noch besser sei es natürlich, vor einer Krise dafür zu sorgen, dass genug Kapital vorhanden ist.

Die Laudatio bei der Preisvergabe hielt der Frankfurter Makroökonom Michael Binder. Dabei betonte er vor allem die Reife im methodischen Vorgehen und die Relevanz dieser Ergebnisse für die Politikberatung. „Es ist wesentlich, welche Vorgaben Banken bei der Erhöhung von Eigenkapitalanforderungen gemacht werden“, sagte Binder. Der gesamtwirtschaftliche Produktivitätsverlust von mehr als 4 Prozent in Portugal in einer schwierigen Phase wäre vermeidbar gewesen. Bei der Erhöhung von Kapitalanforderungen müsse die Aufsicht dafür sorgen, dass die Banken tatsächlich Eigenkapital erhöhten.

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