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Sportwagenhersteller : Porsche hat Lust auf mehr Börse

  • -Aktualisiert am

So sieht der erste vollelektrische Porsche aus, der „Taycan“ Bild: Picture-Alliance

Porsche richtet sich komplett auf Elektromobilität aus – und bleibt trotzdem bei einem Rendite-Ziel von 15 Prozent. Das weckt Phantasien.

          5 Min.

          Ferrari ist seit drei Jahren an der Börse, Aston Martin seit ein paar Tagen und jetzt wird klar: Auch bei Porsche liebäugelt man mit einem Börsengang. „Eine Bewertung von 60 bis 70 Milliarden Euro wäre nicht aus der Welt“, sagt Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke am Rande eines Workshops für Journalisten – und macht damit deutlich, dass die Gedankenspiele schon sehr konkret sind. Auch für den  Volkswagen-Konzern, zu dem der Sportwagenbauer Porsche gehört, wäre das eine vorteilhafte Sache, signalisiert Meschke unter Verweis auf das Beispiel von Ferrari. „Das hat auch Fiat selbst einen Wertzuwachs gebracht, weil dem Kapitalmarkt signalisiert wurde: Jetzt wird aufgeräumt, man muss selbst die Kosten im Griff haben und kann die Probleme nicht mit guten Renditen aus der Sportwagensparte überdecken.“

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Tatsächlich hat sich der Börsengang von Ferrari für den Großaktionär Exor, die Holding der Familien Agnelli und Elkann, bestens gelohnt. Der Ferrari-Kurs hat sich seit der Erstnotiz vor drei Jahren verdoppelt. Der Wert von Fiat zusammen mit seinen Abspaltungen (neben den Sportwagen wurden auch noch Nutzfahrzeuge und Baumaschinen an die Börse gebracht) hat sich seither verzehnfacht.

          Mit solchen Fakten könnten auch die Familien Porsche und Piëch überzeugt werden, dass ihr Sportwagen-Hersteller wieder an die Börse soll. Sie haben ihr Vermögen in der Porsche SE gebündelt, die gut die Hälfte der Volkswagen-Aktien hält und damit quasi die Großmutter des Sportwagenherstellers Porsche AG ist. Ob die Familieneigner schon zugestimmt haben? Zu einem klaren „Ja“ lässt sich Finanzvorstand Meschke nicht hinreißen, aber zu einem vielsagenden „vielleicht“ und einer nachgeschobenen Erklärung mit Blick auf den Mutterkonzern Volkswagen: „Ich kenne ja nicht alle Themen, die auf Konzernebene diskutiert werden. Ich weiß nicht, was auf der Prioritäten-Liste ganz oben steht.“ Jedenfalls, so schiebt Porsche in einer offiziellen Mitteilung am Montag nach, seien für solche Fragen wie einen Börsengang die Gremien von Volkswagen zuständig. Ein Börsengang der Nutzfahrzeug-Sparte von Volkswagen ist für die nächsten Monate geplant.

          Doppelt so viel wert wie Volkswagen?

          Aktuell wird Volkswagen an der Börse mit 28,9 Milliarden Euro bewertet. Hätte Finanzvorstand Meschke recht mit seiner Einschätzung, dass Porsche mit 60 bis 70 Milliarden Euro bewertet werden könnte, wäre also der weltgrößte Autobauer mit einem Dutzend Marken nur halb so viel wert wie die Sportwagen bauende Tochtergesellschaft. Porsche wäre übrigens auch höher bewertet als BMW (mit zuletzt knapp 45 Milliarden Euro) und Daimler (56,6 Milliarden Euro). Abwegig ist das gleichwohl nicht: Der Sportwagenbauer Ferrari wird an der Börse mit 19,5 Milliarden Euro bewertet, obwohl er mit einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro ein echter Nischenanbieter ist verglichen mit der Porsche AG, die das Siebenfache umsetzt.

          Relevant für den Wert ist freilich nicht die Größe, sondern unter anderem die aktuelle Rendite. Hier liegt Porsche mit einer Umsatzrendite von stolzen 17,6 Prozent (2017) doch deutlich hinter den fast 22 Prozent von Ferrari zurück, aber weit über den Werten der anderen deutschen Premium-Anbieter, die nur in sehr guten Zeiten die 10 Prozent-Marke übersteigen.

          Die großen Bewertungsunterschiede erklären sich allerdings vor allem durch die Erwartungen des Marktes. „Gegenüber herkömmlichen Autoherstellern pflegt der Kapitalmarkt eine gewisse Zurückhaltung“, erklärt Meschke. Von den Milliardenrisiken, die der Diesel-Skandal in die Bücher der Konzerne gebracht hat, spricht er nicht ausdrücklich, berichtet aber, dass die Investoren kritisch beobachten, wie konsequent der Wandel vorangetrieben wird: „Ist der Mindchange wirklich so stark, ist das Unternehmen in fünf Jahren wirklich ein Mobilitätsanbieter?“

          Super-schnell und super-teuer: Ein Porsche 911 GT1

          Für Porsche lässt Meschke keinen Zweifel aufkommen, dass die Weichen richtig gestellt sind. „Mittelfristig will ich ein Drittel des Umsatzes aus digitalen Services erzielen“, kündigt er an. Daher müsse das IT-Budget auch etwa ein Drittel so hoch sein wie das für Forschung und Entwicklung, das sich auf 2,5 Milliarden Euro beläuft: „Von aktuell 500 Millionen Euro wird das IT-Budget hochlaufen auf 700 Millionen bis eine Milliarde Euro.“

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