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Starinvestor : Hat Warren Buffett Interesse an Southwest Airlines?

  • -Aktualisiert am

Warren Buffet im Mai 2018 in Nebraska Bild: Reuters

Berkshire Hathaway hat die Beteiligungen an zwei Fluggesellschaften aufgestockt. Analysten rechnen mit einer kompletten Übernahme.

          An der Wall Street gibt es anhaltende Spekulationen über eine Übernahme der texanischen Billigfluglinie Southwest Airlines durch Berkshire Hathaway, die Anlagegesellschaft des Starinvestors Warren Buffett. Geschürt wurden die Gerüchte in dieser Woche, weil Buffett im zweiten Quartal Berkshires Beteiligung an Southwest um knapp 20 Prozent aufgestockt hatte. Berkshire hält jetzt Southwest-Aktien im Wert von 2,9 Milliarden Dollar.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wie aus einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht hervorging, hatte Buffett auch die Anteile an Delta Air Lines, der größten amerikanischen Fluggesellschaft, um knapp 20 Prozent erhöht. Diese Position ist derzeit 3,2 Milliarden Dollar wert. Das bestehende Engagement an den Fluglinien American Airlines und United Continental fuhr Buffett dagegen leicht zurück, um die Beteiligung unter der Schwelle von 10 Prozent zu halten.

          Unfall setzte Aktienkurs unter Druck

          In der vergangenen Woche hatte ein Analyst der Investmentbank Morgan Stanley Southwest als potentiellen Kandidaten für Buffett identifiziert. „Berkshire legt bei Akquisitionen auf die Qualität des Unternehmens und der Geschäftsführung Wert, was offensichtlich zu einer guten Paarung führen könnte“, schrieb Morgan-Stanley-Analyst Kai Pan. Buffett verwaltet für Berkshire ein Aktienportfolio im Wert von rund 180 Milliarden Dollar, zu dem unter anderem Beteiligungen am Elektronikkonzern Apple, an den Finanzdienstleistern American Express und Wells Fargo und am Getränkekonzern Coca-Cola gehören.

          Gleichzeitig fungiert Berkshire als Holding für ein Sammelsurium von mehr als 60 Tochtergesellschaften, darunter die Frachteisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe und Precision Castparts, ein großer Zulieferer für die Luftfahrtbranche. Berkshire, gemessen am Börsenwert die sechstgrößte amerikanische Aktiengesellschaft, verfügt über mehr als 100 Milliarden Dollar Barmittel, und Buffett ist nach eigenen Angaben an weiteren Akquisitionen ganzer Unternehmen interessiert. Spekulationen um mögliche Übernahmekandidaten für Berkshire sind ein entsprechend beliebter Zeitvertreib an der Wall Street. Buffett hatte die Gerüchte im Februar selbst angeheizt, weil er in einem Fernsehinterview die komplette Übernahme einer Fluglinie nicht ausgeschlossen hatte.

          Der Aktienkurs von Southwest hatte sich zuletzt wieder etwas erholt, nachdem er im zweiten Quartal wegen eines Unfalls deutlich unter Druck geraten war. Im April war das Triebwerk einer Southwest-Maschine auf dem Weg von New York nach Dallas in 9000 Meter Höhe explodiert. Die Pilotin konnte die Maschine zwar sicher notlanden, aber eine Passagierin kam bei dem Vorfall ums Leben. Investoren befürchteten, dass die Nachfrage nach Southwest-Tickets wegen des spektakulären Vorfalls nachlassen und die Gesellschaft zu Preissenkungen zwingen könnte.

          Papiere galten jahrelang als Geldvernichter

          In der Tat ging im zweiten Quartal der Auslastungsfaktor der Maschinen leicht zurück. Der durchschnittliche Preis für einen Flugschein fiel um 4 Prozent auf knapp 152 Dollar, und der Umsatz stagnierte. Der Aktienkurs des Unternehmens, das auf einen Börsenwert von 34 Milliarden Dollar kommt, liegt in diesem Jahr trotz der jüngsten Erholung mit 9 Prozent im Minus. Buffett ist für Anlagen in unterbewertete Aktien bekannt. Der Aktienkurs von Delta befindet sich auf dem nahezu gleichen Niveau wie zum Jahresanfang. Zum Vergleich: Der breitgefasste Aktienindex S&P 500 hat im gleichen Zeitraum um mehr als 6 Prozent zugelegt.

          Berkshire Hathaway gehört seit 2016 zu den größten Einzelaktionären der vier führenden amerikanischen Fluglinien. Buffetts Wette auf Fluggesellschaften hatte Kenner an der Wall Street damals allerdings überrascht, weil der Investor in der Vergangenheit immer von dieser Branche abgeraten hatte. Die Papiere galten jahrelang als Geldvernichter.

          Nach der starken Konsolidierung der Luftfahrtbranche kam es bei Buffett und seinem Geschäftspartner Charlie Munger aber offenbar zum Sinneswandel. Munger hatte im vergangenen Jahr eine Parallele zur Konsolidierung bei den amerikanischen Frachteisenbahnen gezogen. „Es war etwa 80 Jahre lang ein schreckliches Geschäft“, sagte er. „Aber schließlich gab es nur noch vier große Bahnlinien, und es wurde ein besseres Geschäft. Und etwas Ähnliches geschieht gerade bei Fluglinien.“

          Berkshire hatte Burlington Northern Santa Fe vor acht Jahren für 26 Milliarden Dollar übernommen. Vor dieser Übernahme hatte Buffetts Gesellschaft schon Minderheitsbeteiligungen an BNSF und deren Konkurrenten Union Pacific und Norfolk Southern erworben. Nach der Übernahme veräußerte Berkshire die Papiere der Konkurrenten dann wieder. Buffett selbst hatte Vergleiche zwischen Flug- und Bahngesellschaften aber wiederholt relativiert.

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