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Überlegungen zum Börsenrückzug : Will irgendjemand Tesla kaufen?

Elon Musk bei der Vorstellung des Tesla Model 3 Bild: dpa

Tesla-Chef Elon Musk denkt darüber nach, sein Unternehmen von der Börse zu nehmen. Wer soll die Aktien dann kaufen? Ein wichtiger Investor winkt ab, ein anderer ziert sich.

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          Wer soll Tesla kaufen, falls der Elektroauto-Konzern von der Börse geht?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Firmenchef Elon Musk erwägt, Tesla von der Börse nehmen. Am Dienstag twitterte er: „Ich denke darüber nach, Tesla zu[m Kurs von] 420 Dollar von der Börse zu nehmen. Finanzierung gesichert.“ Damit stellte er sich gegen die Spekulanten, die angesichts von Verlusten und Produktionsproblemen seit Wochen auf einen Absturz der Aktie warten. Der Kurs schoss in die Höhe.

          Dass Musk Tesla lieber nicht an der Börse hätte, leuchtet ein: Wenn die Aktien nicht mehr öffentlich gehandelt werden, ist es schwieriger, gegen das Unternehmen zu spekulieren. Im amerikanischen Recht allerdings würde sich Tesla durch den Börsenrückzug möglicherweise nicht viel an Unternehmensberichten sparen. Schon Facebook ging vor allem deshalb an die Börse, weil die Transparenzpflichten auch ohne Börsengang groß waren. Der Vorteil der Börse ist dann, dass sie zusätzliche Investoren bereit hält.

          Bis zu 56 Milliarden Dollar werden nötig

          Wenn das Unternehmen von der Börse gehen soll, steht der umgekehrte Weg an: eine Mehrheit der Aktionäre muss zustimmen. Aber nicht jeder Investor wird das mitmachen. Musk muss also Investoren finden, die den alten Aktionären ihre Anteile abkaufen. Der genannte Kurs wäre ein Aufschlag von fast 23 Prozent zum Schlusskurs vom Montag und würde bedeuten, dass Tesla mehr als 70 Milliarden Dollar kosten würde. Rund ein Fünftel davon gehört Musk schon selbst, 56 Milliarden Dollar bleiben bei anderen Investoren, Aktien im Wert von dann 30 Milliarden Dollar im so genannten „Streubesitz“ bei kleineren Investoren. Ob die im Unternehmen bleiben, ist fraglich. Wer also soll all die Aktien bezahlen? Das Unternehmen selbst schreibt Verluste und braucht eher zusätzliches Geld, als Aktien zurückkaufen zu können.

          Tesla

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          Zwei kapitalkräftige Investoren, mit denen viele gerechnet hatten, werden schon mal fraglich. Der saudi-arabische Staatsfonds PIF beispielsweise hat Milliarden in Tesla-Aktien gesteckt und knapp unter fünf Prozent am Unternehmen gekauft, wie ebenfalls am Dienstag bekannt wurde. Nun gehen die Informationen auseinander: Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters aber zeigt er bislang kein Interesse, den Börsenrückzug zu finanzieren. Bloomberg dagegen meldet, der Fonds sei in Gesprächen über genau so ein Manöver.

          Auch der berühmte „Vision Fund“ des japanischen Technik-Konzerns Softbank wird gehandelt. Auch da allerdings wird geringes Interesse signalisiert. Über die „Financial Times“ lancierten ungenannte Quellen schon am Mittwoch, Softbank halte Tesla für überbewertet.

          Nicht mal der Verwaltungsrat hat Details zur Finanzierung

          Teslas Verwaltungsrat hat offenbar von Musk mehr Details dazu verlangt, wo der das Geld herbekommen möchte. Das Gremium habe sogar mehrmals über den Vorschlag beraten, detaillierte Informationen habe der Verwaltungsrat aber nicht bekommen – so lauten übereinstimmende Informationen der Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters.

          Bloomberg meldet, Musk suche eine breite Investorenschar für die Aktien, damit er hinterher nicht mit wenigen Großinvestoren zu tun habe. Das überrascht nicht, denn große Fonds würden möglicherweise noch mehr Druck auf Musk ausüben als die relativ geduldigen Tesla-Fans unter den Aktionären. Offenbar spricht Musk auch mit einigen Banken.

          Falls Musk tatsächlich die Finanzierung des Rückkaufs noch nicht gesichert hätte, könnte das für ihn zum großen Problem werden. Dann nämlich gälte sein Tweet möglicherweise als Marktmanipulation. Inzwischen prüft die Börsenaufsicht SEC den Wahrheitsgehalt des Tweets, außerdem klagen mehrere Investoren gegen Musk – vor allem diejenigen, die gegen die Aktie spekuliert hatten und im Kursanstieg nach Musks Tweet Geld verloren haben.

          Vielleicht bringen auch die jetzt folgenden Prozesse Klarheit darüber, wie wahr Musks Tweet war.

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