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Britische Währung : Pfund hat sich nach Brexit-Absturz stabilisiert

Die Canary Wharf ist das Londoner Finanzzentrum Bild: AFP

Seit dem Referendum zum Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union stürzte der Kurs zunächst ab. Nun hat das Pfund sich wieder stabilisiert, aber wohl nicht für lange.

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          Das britische Pfund ist in den vergangenen vier Jahren der Brexit-Unsicherheit abenteuerlich durchgeschüttelt worden. Nun erwarten viele Volkswirte vorerst eine Stabilisierung. Anfang 2016 lag der Pfundkurs noch bei 1,35 Euro, er sank jedoch schon vor dem Referendum im Juni. Nach dem überraschenden Ja zum EU-Austritt stürzte das Pfund ab. Es ging hinunter bis auf 1,10 Euro. Drei Jahre lang pendelte der Kurs dann meist im Korridor 1,12 bis 1,16 Euro. Als das Risiko eines wirtschaftlich sehr schädlichen No-Deal-Brexits im Sommer 2019 zu eskalieren schien, wertete das Pfund bis zum Tiefpunkt unter 1,064 Euro ab. Das war einer der niedrigsten Werte seit der Finanzkrise.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Seit Premierminister Boris Johnson jedoch im Oktober ein neues Austrittsabkommen mit der EU verhandelte, ging es wieder bergauf. Am Freitag, dem Brexit-Tag, stieg das Pfund leicht um 0,2 Prozent auf 1,185 Euro. Jetzt liegt das Pfund etwa 10 Prozent unter dem Stand vor dem Brexit-Votum. Zur jüngsten Aufwärtsbewegung hat die Notenbank beigetragen. Entgegen den Erwartungen einiger Marktbeobachter hat die Bank von England (BoE) den Leitzins von 0,75 Prozent nicht gesenkt. Einige Analysten waren enttäuscht, etwa die Unicredit-Ökonomen. „Die Vorwärtskurve preist nun nicht länger eine Lockerung der BoE-Politik für den Rest des Jahres ein, das erscheint gewagt“, schreibt Unicredit und verweist auf die mit den Post-Brexit-Verhandlungen verbundenen Risiken. „Die Erholung des britischen Pfundes könnte daher nicht dauerhaft sein.“

          Fabrice Montagne von Barclays erwartet nun, dass die Zentralbank die Zinsen 2020 unverändert lassen wird. „Aber Ende 2020 wird wahrscheinlich neues Gerede über eine Senkung beginnen, wenn das Vereinigte Königreich den Binnenmarkt verlässt und die Kosten sichtbarer werden.“ Das heißt, dass der Pfundkurs nachgeben könnte. Peter Dixon von der Commerzbank erwartet eine Seitwärtsbewegung im ersten Halbjahr. In der zweiten Jahreshälfte, wenn die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Brüssel dem Ende der Übergangsfrist zugehen, werde die Volatilität steigen. Das Pfund werde im Korridor zwischen 1,12 und 1,20 Euro schwanken. Ein begrenztes Freihandelsabkommen schade der Wirtschaft und dem Pfund. Fundamental hält er das Pfund indes für unterbewertet.

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