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Devisenmarkt : Peking setzt im Handelsstreit den Yuan als Waffe ein

China setzt dem Druck auf den Yuan-Kurs derzeit nichts mehr entgegen. Bild: dpa

Die chinesische Währung Yuan hat auf den niedrigsten Stand seit 2008 abgewertet. Auch die Talfahrt der türkischen Lira beschleunigt sich.

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          Der Kurs der chinesischen Währung Renminbi ist am Montag auf den niedrigsten Stand seit mehr als elf Jahren gesunken. Die auch Yuan genannte Währung der Volksrepublik wurde am Montag zuletzt mit 7,1524 Yuan für den Dollar gehandelt, das war der schwächste Wert seit Anfang 2008. Der Yuan wird von der Zentralbank des Landes reguliert, die jeden Tag einen neuen Wechselkurs festlegt. Ein schwächerer Yuan begünstigt chinesische Exporte und mildert die Folgen der Strafzölle ab.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dem Vorwurf Donald Trumps, China setze seine Währung im Handelskrieg als Waffe ein, stimmen selbst jene Beobachter zu, die ansonsten eher selten einer Meinung mit dem amerikanischen Präsidenten sind. Schon Anfang August hatte die chinesische Zentralbank ihre vorherigen Interventionen gestoppt und den Renminbi zum ersten Mal seit zehn Jahren unter die Marke von 1 Dollar zu 7 Yuan rutschen lassen. Dies sei „eine klare Antwort“ auf die zuvor erfolgte Ankündigung Trumps gewesen, die bisher nicht von Strafzöllen erfassten restlichen chinesischen Importgüter im Wert von 300 Milliarden Dollar um 10 Prozent zu verteuern, sagt Arthur Kroeber vom Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics.

          Zuvor hatten Ökonomen vorhergesagt, dass China im Handelskrieg gegen Amerika eher nicht seine amerikanischen Staatsanleihen als Waffe einsetzen, sondern seine Währung abwerten lasse, damit chinesische Waren auf dem Weltmarkt günstiger werden. Schon 2018 in Reaktion auf Trumps erste Salve an Strafzöllen ließ die Zentralbank den Yuan um 9 Prozent gegenüber dem Dollar im Wert sinken. Um sich nicht dem Ruf der Währungsmanipulation auszusetzen zu müssen und um keine Kapitalflucht zu riskieren, hatte die Pekinger Notenbank ab August 2018 ein Jahr lang mit Währungskäufen das Verhältnis von Dollar zu Yuan nicht unter eins zu sieben rutschen lassen – auch weil die Führung wusste, dass dies andernfalls in Washington zu heftigen Reaktionen führen und eine Einigung im Handelskonflikt erschweren könnte.

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          Genau dies ist nun eingetreten. Überrascht von der Eskalation Trumps, lässt China seine Währungskanone lautstark feuern. Nichtsdestotrotz werde die Zentralbank den Kursverlust der Währung spätestens bei einem Dollarkurs von 7,30 Yuan stoppen, erwartet Analyst Kroeber. Dies solle die Stabilität des Finanzsystems gewährleisten, die Importe nicht zu teuer werden lassen und verhindern, dass der langfristige Plan, den Yuan zu einer anerkannten internationalen Reservewährung zu machen, gefährdet würde.

          Am Montag beschleunigte sich auch die Talfahrt der türkischen Lira. Der Dollar verteuerte sich um bis zu 1,4 Prozent auf 5,8372 Lira. Der Euro gewann 2 Prozent auf 6,5424 Lira. Die Lira-Verkäufe lösten auch die Ängste vor den Folgen des Zollstreits zwischen Amerika und China für die Weltwirtschaft aus, schrieben Analysten der Bank Société Générale. Kopfschmerzen bereite Investoren zudem die Geldpolitik der türkischen Zentralbank, sagte Timothy Ash, Analyst für Schwellenländer beim Vermögensverwalter Blue Bay. Anleger seien nach den jüngsten Turbulenzen in Argentinien besonders nervös. Ende Juli hatte die türkische Notenbank den Leitzins von 24,00 auf 19,75 Prozent gesenkt. Zuvor hatte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den Zentralbank-Chef ausgetauscht. Erdogan fordert eine weitere Lockerung der Geldpolitik, um die Konjunktur anzukurbeln.

          EUR/CNY

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