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Ölkartell-Treffen in Wien : Opec will 600.000 Fass Öl je Tag mehr fördern

Die Ölpreise steigen wieder. Bild: Reuters

Die Sitzung des Ölkartells in Wien stand am Freitag im Zeichen der Weltpolitik: Saudi-Arabien und Iran haben sich auf einen Kompromiss geeinigt.

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          Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich auf eine Ausweitung der Öl-Förderung geeinigt und will so künftig das selbst auferlegte Förderlimit voll ausschöpfen. Angesichts des aktuellen Spielraums würde das eine zusätzliche Produktion von rund 600.000 Barrel (Fass zu 159 Liter) am Tag bedeuten. Welche Länder die zusätzliche Förderung leisten sollen, müsste noch verhandelt werden, sagte der Ölminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail Al-Mazrouei. Die 14 Opec-Mitglieder werden sich am Samstag noch mit den zehn außerhalb des Kartells stehenden Lieferländern beraten, um die gemeinsame Linie offiziell zu beschließen.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Die Allianz von zwei Dutzend wichtigen Ölförderländern hat sich bisher ein Produktionslimit von insgesamt 32,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) am Tag auferlegt. Seit 2017 haben die 24 Staaten ihre Ölproduktion um 1,8 Millionen Barrel am Tag gekürzt, davon entfallen auf die Opec 1,2 Millionen Barrel. Grund war der gefallene Ölpreis, der 2016 zeitweise nur noch bei 27 Dollar (23,32 Euro) lag.

          Amerika bald größte Ölnation der Welt?

          Dadurch produziert das Kartell derzeit nicht mehr als 32,5 Millionen Barrel Öl am Tag. Unter anderem durch Produktionsausfälle im krisengebeutelten Venezuela bleibt die Opec nach Einschätzung von Fachleuten sogar deutlich unter dieser Marke. Das hatte den Ölpreis zeitweise im Mai sogar auf mehr als 80 Dollar hochgetrieben. Auch der Preis für Benzin und Diesel an den Tankstellen in Deutschland hatte im Mai Jahreshöchststände erreicht. Im Vorfeld des Opec-Treffens hatten allerdings sowohl Öl- als auch Kraftstoffpreise deutlich nachgegeben, weil eine Ausweitung der Fördermenge erwartet worden war.

          BRENT

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          Unterschiedliche Standpunkte zwischen Saudi-Arabien und Iran waren prägend für die 174. Konferenz der Opec, die ihren Sitz in Wien hat. Teheran kann aus technischen und politischen Gründen seine Produktion nicht ausweiten und war daher an einer Preispflege durch ein möglichst geringes Aufstocken der Opec-Förderung interessiert. Überdies spielen die Vereinigten Staaten in mehrfacher Hinsicht eine Sonderrolle in der Diskussion.

          Einerseits gibt der amerikanische Präsident Donald Trump der Opec die Schuld für die aus seiner Sicht zu hohen Ölpreise. Er übt somit Druck auf das Ölkartell aus, die Förderung anzuheben. Andererseits trägt Trump nach Ansicht der Opec eine Mitschuld an den hohen Ölpreisen, weil er durch die Aufkündigung des Atomabkommens mit Iran für Angebotsrisiken am Ölmarkt gesorgt habe. Davon unabhängig sind die Vereinigten Staaten auf dem Weg, zur größten Ölnation der Welt aufzusteigen. Grund ist die Fracking-Fördertechnik, die die Ölförderung in Amerika seit langem rasch steigen lässt.

          Weniger Öl aus Iran

          Der Ölpreis, der am Freitag vor der Bekanntgabe des Ergebnisses zunächst kräftig gestiegen war, gab später einen Teil seiner Gewinne wieder ab. Am späten Nachmittag stand der Preis der Nordseesorte Brent noch 2,1 Prozent im Plus auf 74,62 Dollar je Barrel. Die amerikanische Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) verteuerte sich um 1,8 Prozent auf 67,22 Dollar je Barrel.

          Analysten waren skeptisch, ob die Pläne der Opec den Ölpreis dauerhaft senken werden. „Die angekündigte Ausweitung dürfte nicht ausreichen, um erwartete Angebotsverluste in Venezuela und im Iran auszugleichen“, sagte Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank. In Venezuela rechne man mit weiteren Produktionsrückgängen von 60.000 Barrel am Tag jeden Monat bis zum Jahresende.

          Auch aus Iran dürfte in Folge der wiedereingeführten amerikanischen Sanktionen künftig weniger Öl auf dem Weltmarkt angeboten werden. Auch in anderen Ländern, beispielsweise Libyen, Nigeria und Angola, sei stets mit Produktionsausfällen zur rechnen. Zudem sei die Ölnachfrage in aller Welt weiterhin hoch. „An unserem Preisziel von 80 Dollar je Barrel in den Sommermonaten halten wir daher fest“, sagte Edelmann.

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