https://www.faz.net/-gv6-9495z

Opec-Treffen : Der Triumph der Ölscheichs

Entgegen den Erwartungen: Opec treibt den Ölpreis nach oben. Bild: dpa

Die Opec treibt erfolgreich den Ölpreis in die Höhe. Das hatten viele Fachleute so nicht erwartet. Wie konnte das passieren? Und wie soll es nun weitergehen?

          2 Min.

          Am Dienstag sind schon die ersten Abgesandten in Wien eingetroffen. Ein Ereignis, das für die künftige Entwicklung des Ölpreises zentral sein könnte, wirft seine Schatten voraus. In der österreichischen Hauptstadt kommt am Donnerstag die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zu ihrem 173. Ministertreffen zusammen. Wichtigster Tagesordnungspunkt aus Sicht der ölabhängigen westlichen Welt:

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Ölförderländer wollen sich darüber verständigen, ob sie das Abkommen zur Kürzung der Ölförderung, das sie vor einem Jahr vereinbart hatten und dem sich mehrere Nicht-Opec-Staaten wie Russland anschlossen, über März 2018 hinaus verlängern wollen. Eine erste Verlängerung hatte es schon gegeben. Die Förderkürzungen waren zunächst nur bis Juni dieses Jahres befristet gewesen. Jetzt, so wird zumindest spekuliert, könnte es um eine Verlängerung bis Ende 2018 gehen.

          Entgegen den Erwartungen der meisten Analysten und anderen Ölfachleute ist die Opec mit ihrem Versuch, durch eine kollektive Kürzung der Fördermengen den Ölpreis hochzutreiben, bislang erfolgreich gewesen. Vor einem Jahr, als die Ölstaaten sich mit viel internationaler Aufmerksamkeit zum ersten Mal seit 2008 auf konkrete Länderquoten zur Förderkürzung geeinigt hatten, gab es zwei Argumente, warum das nie funktionieren werde.

          Zum einen sei der Anreiz für jedes einzelne Opec-Land, sich nicht an die Vereinbarung zu halten und doch einfach zu Lasten der anderen mehr Öl zu fördern, schlicht zu hoch; zumal die Sanktionsmöglichkeiten der Opec für den Fall begrenzt seien. Zum anderen warte Amerika nur darauf, seine Förderung, insbesondere das Fracking, bei einem steigenden Preis hochzufahren – und so die ausfallenden Mengen der Opec umgehend zu ersetzen.

          Kräftiger Anstieg

          Jetzt sind zwei Phasen zu je einem halben Jahr etwa rum – und die „Compliance“, wie die Ölfachleute die Vertragstreue der Opec-Staaten zu ihrer Selbstbeschränkung nennen, war doch ganz ordentlich. Offenbar war das gemeinsame Interesse an einem hohen Preis doch stärker als der Wunsch nach Marktanteilsgewinnen auf Kosten der jeweils anderen.

          Zudem ist auch die Ölnachfrage gestiegen, weil die Weltkonjunktur sich besser entwickelte, als das noch Ende 2016 abzusehen war. „Die Opec hat es der Nachfrage leichter gemacht, den Ölpreis hochzutreiben“, formuliert es Jan Edelmann, Ölanalyst der HSH Nordbank. Und nicht zuletzt hat die Ölförderung in Amerika dieses Jahr bislang nur „moderat“ zugenommen, wie UBS-Ölanalyst Giovanni Staunovo hervorhebt.

          Zuletzt ist der Ölpreis jedenfalls kräftig gestiegen, unterstützt von geopolitischen Unsicherheiten am Golf. Seit dem Tiefpunkt im Juni legte der Preis der Nordseesorte Brent um 43 Prozent auf 63 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) zu. Im Vergleich zum Zeitpunkt der Vereinbarung im vorigen Jahr ist Rohöl damit heute 37 Prozent teurer. Heizölkäufer zahlen 60 statt 51 Euro je 100 Liter. Und Diesel kostet etwa 6 Cent je Liter mehr. Für Super E10 zahlen Autofahrer im Schnitt 5 Cent mehr.

          Die Hauptlast der Förderkürzungen der Opec hat dabei Saudi-Arabien getragen. Dem Land war mit 486.000 Fass je Tag die höchste Kürzung auferlegt worden – und es hat seine Vorgabe übererfüllt. Die Saudis haben allerdings auch das größte Interesse an einem hohen Preis. Sie wollen ihre Ölgesellschaft Aramco 2018 an die Börse bringen und wünschen sich dafür einen Ölpreis zwischen 60 und 70 Dollar. Sie konnten ausgleichen, dass etwa Nigeria und Libyen, für die es Ausnahmen gab, mehr Öl förderten. Auch Iran hatte eine Sonderregelung ausgehandelt – um erst einmal die Folgen der amerikanischen Atom-Sanktionen aufholen zu können.

          Wenn die Opec sich nun, wie erwartet, am Donnerstag auf eine Verlängerung der Kürzungen bis Ende 2018 einigt, könnte der Ölpreis sogar sinken, meinen Ölanalysten wie Eugen Weinberg von der Commerzbank oder Alwin Schenk von Sal. Oppenheim. Auch Damien Courvalin von Goldman Sachs spricht von gewissen „Abwärtsrisiken“ für den Ölpreis in dieser Woche. Ihr Argument: Der hohe Ölpreis reflektiere derzeit schon die Erwartung einer Verlängerung der Kürzung. Bei einer Bestätigung könnten Gewinnmitnahmen der Öl-Investoren bevorstehen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nancy Pelosi am Donnerstag im Capitol in Washington.

          Impeachment-Verfahren : Nancy Pelosi: Donald Trump muss angeklagt werden

          Nancy Pelosi hat als „Sprecherin“ des Repräsentantenhauses angekündigt, dass in der Ukraine-Affäre nun Anklagepunkte gegen Amerikas Präsidenten entworfen werden sollen. Diese sind Voraussetzung für den nächsten Schritt im Impeachment-Verfahren gegen Trump.
          „Man schielt mit begierigem Auge danach, Bürger überwachen zu können", meint Diana Nocker.

          Ist 5G gefährlich? : Bürger, die sich fürchten

          Der neue Funkstandard 5G soll Deutschland in die Zukunft führen. Viele fühlen sich jedoch bedroht und haben Angst. Entsteht eine neue Protestbewegung? Zu Besuch bei besorgten Menschen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.