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Konferenz der Opec+-Länder : Saudi-Arabiens Förderkürzung lässt Ölpreis steigen

Videokonferenz der Opec+-Länder: Saudi-Arabiens Ölminister Abd al-Aziz Bin Salman Al Saud verkündet die Kürzung der Fördermenge. Bild: Reuters

Höchster Stand das Ölpreises seit fast einem Jahr: Die Opec+-Länder rechnen wegen Corona-Krise mit einer weiter schwankenden Treibstoffnachfrage. Dem wollen die ölfördernden Staaten entgegentreten.

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          Nach der Ankündigung Saudi-Arabiens, im Februar und März seine Ölförderung um eine Million Barrel am Tag zu kürzen, ist der Ölpreis auf den höchsten Stand seit dem vergangenen Februar gestiegen. Im Gegenzug erwartet das Königreich, dass die anderen Mitgliedstaaten des Kartells Opec+ ihre Fördermengen konstant halten, abgesehen von kleinen Produktionssteigerungen in Russland und Kasachstan.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Förderkürzung unterstreiche die Führerschaft Saudi-Arabiens in der Ölindustrie, sagte der Ölminister des Königreichs Abd al-Aziz Bin Salman Al Saud. Er hatte die unilaterale Maßnahme am Dienstagabend nach einer zweitägigen Videokonferenz der Ölminister der Opec+ bekanntgegeben, zu der 13 Opec-Staaten unter Führung Saudi-Arabiens sowie zehn weitere Ölproduzenten unter russischer Ägide gehören.

          Saudi-Arabien hatte schon vor Beginn der Videokonferenz Hoffnungen einiger Ölproduzenten auf höhere Fördermengen gedämpft. Das Kartell Opec+ hatte sich im vergangenen April auf eine historisch beispiellose Kürzung der Ölförderung um 9,7 Millionen Barrel am Tag verständigt und eine Erhöhung um 2 Millionen Barrel von Januar an in Aussicht gestellt. Da sich der Ölpreis in den vergangenen Monaten stabilisiert hatte, war eine Anhebung nicht ausgeschlossen worden.

          Ölminister beraten monatlich

          Die Treibstoffnachfrage, insbesondere in der Luftfahrt, sei jedoch fragil, hatte der saudische Ölminister gewarnt. Die Unsicherheit bleibe groß, man dürfe die erreichte Stabilisierung nicht aufs Spiel setzen. Die Ölminister der 23 Staaten wollen nun jeden Monatsanfang über das weitere Vorgehen beraten. Der Generalsekretär der Opec, Mohammad Barkino, sagte, die Aussichten zur Entwicklung der Ölnachfrage seien „sehr gemischt“, mit Risiken für eine Verschlechterung. Gründe seien die neuen Beschränkungen in vielen Ländern und die Ungewissheiten zu den Mutationen von Covid-19.

          BRENT

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          Dennoch wird Russland und Kasachstan erlaubt, von Februar an zusammen 75.000 Barrel am Tag mehr zu fördern. Damit weicht Saudi-Arabien von seiner bisherigen Forderung ab, dass alle Mitglieder einen fairen Anteil an den Förderkürzungen übernehmen sollten. In der Vergangenheit waren Ersuchen der Vereinigten Arabischen Emirate, von Irak und Nigeria abgelehnt worden, von Förderkürzungen ausgenommen zu werden.

          Ein Widerspruch besteht weiter zwischen den beiden größten Produzenten Saudi-Arabien und Russland. Während Riad einen höheren Preis durchsetzen will, wünscht Moskau eine Ausweitung der Ölproduktion, um zu verhindern, dass amerikanische Ölschieferproduzenten Marktanteile zurückgewinnen. Russland hatte daher vorgeschlagen, die Fördermenge des Kartells um 500.000 Barrel am Tag anzuheben. Analysten von Goldman Sachs schreiben, das Ölangebot werde im März, wenn es wärmer werde und sich die Wirkung der Impfungen einstellten, für die dann steigende Nachfrage zu niedrig sein. Sie rechnen mit einem Preis der Referenzmarke Brent von 65 Dollar je Barrel. Am Mittwoch betrug er mehr als 54 Dollar.

          Der pandemiebedingte Rückgang der Ölnachfrage setzt den saudischen Staatshaushalt unter Druck. Analysten von Capital Intelligence schätzen, dass der Fehlbetrag im Budget von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2019 auf 12,5 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen ist. Der Ölexport deckt 64 Prozent der saudischen Staatsausgaben. Die Einnahmen seien in den ersten neun Monaten 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 33 Prozent zurückgegangen. Saudi-Arabien braucht einen Ölpreis von 81,5 Dollar je Barrel, um den Haushalt ohne Schulden zu finanzieren. Die Staatsverschuldung werde 2021 von 37,2 Prozent auf 42,1 Prozent am Bruttoinlandsprodukt zunehmen.

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