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Geldanlage : Kakanische Spieler auf der Suche nach schwarzem Gold

Der Ölpreis legt seit dem vergangenen Sommer zu, und damit einhergehend profitiert die Öl- und Gasindustrie. Bild: Reuters

Die Erdöl- und Erdgasanbieter OMV und MOL erkennen die goldenen Perspektiven der Petrochemie. Ist das österreichisch-ungarische Gespann etwas für Aktien-Anleger?

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          Viele Verbraucher verfolgen euphorisch erneuerbare Energien. Trotzdem sind traditionelle Energieträger wie Erdöl und Erdgas kein Auslaufmodell. Schließlich wird der globale Energieverbrauch bis 2030 um fast ein Fünftel steigen, erwartet die Internationale Energieagentur. Zwar wachsen die Erneuerbaren am schnellsten, Öl und Gas werden aber weiterhin die Hälfte der Nachfrage ausmachen.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Der Ölpreis legt seit dem vergangenen Sommer zu, und damit einhergehend profitiert die Öl- und Gasindustrie. Nutznießer dabei sind nicht nur die Multis, sondern auch ihre kleineren Konkurrenten. Dazu gehören die mitteleuropäischen Spieler OMV und MOL. Beide mischen auf dem Markt für Erdöl- und Erdgas in dieser Region erfolgreich mit. Beide teilstaatlichen Akteure versuchen auf dem zukunftsträchtigen Feld der Petrochemie stärker Fuß zu fassen. Beide sind Schwergewichte in den jeweiligen nationalen Börsenbarometern ATX und BUX.

          Österreichs führender Erdöl- und Erdgaskonzern OMV will Erdöl stärker zu Flugbenzin und petrochemischen Produkten verarbeiten, was letztlich höhere Erträge bringen soll. Die Zusammenarbeit mit der Beteiligung Borealis – einem der großen europäischen Anbieter in der Petrochemie – soll verstärkt werden. Dem Konzern ist es gelungen, sich vom Erdölpreis unabhängiger zu machen als in der Vergangenheit, wie auch Credit Suisse lobt. Dazu beigetragen hat die Kostendisziplin in den zurückliegenden drei Jahren, seit Rainer Seele als Vorstandsvorsitzender tätig ist.

          Möglichkeiten für Investitionen

          Durch Investitionen in Russland und anderen Ländern mit niedrigen Förderkosten sei es gelungen, die Kosten je Barrel (Fass zu 159 Liter) gefördertes Öläquivalent Öl oder Gas auf 8,80 Dollar zu senken. Ziel sind acht Dollar. Dadurch kann OMV Ölpreise von 25 Dollar verkraften, ohne verlustreich zu arbeiten. Mittelfristig erwartet das Management 70 bis 80 Dollar je Barrel. Dies eröffnet Möglichkeiten für Investitionen.

          Bis 2025 sollen rund 15 Milliarden Euro in den Erhalt und die Erweiterung der eigenen Kapazitäten und zehn Milliarden Euro in Zukäufe gesteckt werden, sagte Seele Mitte März in London. Bis dahin will OMV den operativen Ertrag von derzeit drei auf fünf Milliarden Euro gesteigert haben, heißt es in der Strategie. Die Investitionen kann sich der Konzern leisten: Mit einem Verschuldungsgrad von elf Prozent ist OMV konservativer aufgestellt als die Vergleichsgruppe, schreibt Credit Suisse in einer Analyse. Dass OMV die Schwerpunkte auf Öl und Gas setzt, verteidigt Seele selbstbewusst. „Wenn Kohle und Öl in Europa unter Druck kommen, gewinnt Gas an Bedeutung.

          Die Hauptstoßrichtung bei Zukäufen soll dabei aber nicht mehr Russland sein, sondern der Nahe Osten. Dort will OMV stärker tätig sein und vor allem entlang der Wertschöpfungskette im Raffinerie-Segment ausweiten. Danach werde man sich auch auf den asiatisch-pazifischen Raum konzentrieren. Geographisch soll zu den vier bestehenden Kernregionen CEE (Österreich und Rumänien), Nordsee, Russland und Mittlerer (Naher) Osten & Afrika noch „Australasien“ als weitere Kernregion entwickelt werden. Erst vorige Woche hat OMV einen Zukauf in Neuseeland getätigt.

          Analysten raten zum Kauf

          Erste Group hat beide Titel auf der Kaufliste, wobei Ungarns führender Erdöl- und Erdgaskonzern MOL als attraktiv bei einem Kurs unter 3000 Forint (9,59 Euro) gesehen wird. MOL ist aus Sicht der Erste Group mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7 so günstig bewertet wie der Durchschnitt der Vergleichsunternehmen – zu denen Lotos, PKN Orlen, Tupras gehören. OMV ist mit dem Zehnfachen des Gewinnes für dieses Jahr teurer. Der österreichische Konzern kommt mit fast 19 Milliarden Euro auf mehr als den doppelten Börsenwert des ungarischen Konkurrenten. Beide Titel habe ihr Allzeithoch vor elf Jahren gesehen: MOL bei 3562,5 Forint (11,38 Euro) und OMV bei 55,3 Euro.

          OMV AG

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          Für die Analysten der Bank of Amerika ist MOL wegen seiner breit aufgestellten Geschäftsstrategie interessant. Gewürdigt werden zudem die solide Bilanz und ein stetiger Mittelzufluss. MOL sei weiterhin der am meisten diversifizierte Öl- und Gaskonzern in Zentraleuropa und als solcher sollte er profitieren von dem anziehenden Ölpreis, heißt es in der Bank of Amerika. UBS und Raiffeisen Centrobank werten die kräftige Anhebung der Dividenden als positiv. Oleg Galbur, Analyst in der Raiffeisen Centrobank, schätzt die neuen Projekte in der Petrochemie.

          Tatsächlich erweist sich die Ausrichtung auf das Geschäft mit dem Raffinieren und Vertreiben des Rohstoffs als strategisch erfolgreich. Ein wichtiger Meilenstein darin ist die Zusammenarbeit mit dem Spezialchemieunternehmen Evonik und dem Industriekonzern Thyssen-Krupp. Ein mit Evonik und Thyssen-Krupp im vorigen Sommer unterzeichnetes Lizenzabkommen ermöglicht, Propylenoxid herzustellen, eine Kernkomponente für die Herstellung von Polyether-Polyolen. MOL plant damit, ein bedeutender Produzent von diesem hochwertigen Halbfabrikat zu werden, das für Produkte in der Automobil-, Verpackungs- und Möbelindustrie eingesetzt wird.

          Die innovative Technik ermöglicht MOL nicht nur, der einzige integrierte Polyol-Hersteller in der Region zu werden, sondern gibt dem Unternehmen auch Zugang zu anderen, ertragreichen Geschäftsfeldern der Chemieindustrie. Von diesen neuen Projekten in Raffinerie und Marketing sieht Galbur schon in diesem Jahr positive Effekte.

          Daran lässt sich erkennen, dass solche Rohstoff-Titel noch lange vital bleiben. Zwar werde sich der Öl-Markt durch eine höhere Energievielfalt in den nächsten Jahren so stark ändern wie noch nie zuvor. Doch die flexibelsten Anbieter werden sich noch viele Jahre in einem Umfeld befinden, in dem man genug Geld verdienen kann. Dazu gehört das österreichisch-ungarische Gespann, dessen frühere Verflechtung an die Zeiten der Donaumonarchie erinnert.

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