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Anleihen : Österreich zahlt für 100-jährige Anleihe so wenig wie noch nie

Österreichs Finanzminister für den Übergang: Eduard Müller Bild: dpa

Trotz Regierungskrise vertrauen die Investoren Österreich fast blind. Eine erst im September 2117 fällig werdende Anleihe stößt auf eine hohe Nachfrage.

          Österreich setzt am Anleihemarkt Maßstäbe: Die Aufstockung einer vor zwei Jahren aufgelegten Anleihe mit der außergewöhnlichen Laufzeit von 100 Jahren stieß nun auf eine sehr hohe Nachfrage. Die Emissionsrendite stellte sich auf 1,17 Prozent – ein Rekordtief für diese Laufzeit. Den Zins erhalten die Investoren in jedem Jahr der noch ausstehenden Laufzeit von 98 Jahren.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der ursprünglich mit einem Zinskupon von 2,1 Prozent ausgestattete Titel wurde um 1,25 Milliarden Euro aufgestockt und mit mehr als 4 Milliarden Euro nachgefragt. Nun befinden sich von der 100-jährigen Anleihe 5,8 Milliarden Euro im Umlauf.

          Österreich ist das erste Euroland, das eine derart lang laufende Anleihe begeben hat. Vor Jahren hatte das Land schon eine 75-jährige Anleihe begeben. Solche langen Laufzeiten sind im Euroraum die Ausnahme. Frankreich, Spanien und Italien beschränken sich auf Anleihen mit 50-jähriger Laufzeit, Deutschland sogar nur auf 30 Jahre. Auch die Vereinigten Staaten als wichtigster Anleiheemittent der Welt sind noch nicht über diese Grenze hinausgegangen.

          Auch NRW setzt auf 100 Jahre

          Emittenten wie der Bund oder der amerikanische Staat haben Referenzstatus am Anleihemarkt. Sie scheuen sehr lange Laufzeiten, weil sie fürchten, damit nicht ausreichende Liquidität schaffen zu können. Dagegen hat das Bundesland Nordrhein-Westfalen im April eine Anleihe mit 100-jähriger Laufzeit im Volumen von 2,75 Milliarden Euro begeben. Der Kupon beträgt 2,15 Prozent. Im Zuge des Renditeverfalls liegt der Marktzins derzeit nur noch bei 1,6 Prozent. Neben Österreich haben Mexiko und Argentinien schon 100-jährige Staatsanleihen emittiert.

          AUSTRIA 17/2117 MTN

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          Das Vertrauen der Investoren in den österreichischen Staat ist selbst durch den Skandal rund um das Ibiza-Video, den anschließenden Rücktritt des Vizekanzlers Heinz-Christian Strache, die Amtsenthebung des Kanzlers Sebastian Kurz und die Einsetzung einer Übergangsregierung aus Spitzenbeamten nicht erschüttert worden. Das zeigt auch die Emission einer am 15. Juli 2024 fällig werdenden Anleihe. Das Angebot von 3,25 Milliarden Euro wurde mit mehr als 22 Milliarden Euro nachgefragt.

          Investoren erwarten niedrigere Zinsen

          Die Emissionsrendite belief sich auf minus 0,435 Prozent. Damit bepreiste Österreich die Anleihe unter dem Einlagensatz der Europäischen Zentralbank (EZB) von minus 0,4 Prozent. Die hohe Nachfrage zeigt, dass viele Investoren eine weitere Senkung des Einlagensatzes auf möglicherweise minus 0,5 Prozent erwarten. Darüber hinaus besteht am Anleihemarkt gegenwärtig eine hoher Anlagebedarf, da viele Titel zuletzt fällig geworden sind.

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