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Nach Opec-Konflikt : Ölpreise auf Berg- und Talfahrt

Ölpipelines in den USA Bild: AFP

Die Ölpreise fahren derzeit Achterbahn: Erst steil nach oben, dann steil nach unten. Die Unsicherheit durch den Konflikt in der Opec wirkt sich aus.

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          Kurzlebig war er, der jüngste Anstieg des Ölpreises. Kaum schalteten sich die Amerikaner nach dem Feiertag am Montag wieder ein, ging es mit dem Preis nach unten. Der Preis für amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI, der am Dienstagmittag mit 76,98 Dollar auf ein Sechseinhalb-Jahres-Hoch geklettert war, rutschte binnen Stunden unter 73 Dollar ab. Der Preis für Nordseeöl der Marke Brent fiel bis auf 74,13 Dollar und damit mehr als drei Dollar unter den Höchstpreis vom Dienstagvormittag.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine ziemliche Kehrtwende also, die der Ölmarkt da vollzogen hat. War zunächst nach dem Platzen der Opec+-Gespräche über neue Fördermengen befürchtet worden, dass der Streit im Kartell verhindern werde, dass mehr Rohöl auf den Markt gebracht wird, ging die Interpretation dann in eine andere Richtung.

          Natürlich gab es dafür einen Anlass. Interessiert hatten die Märkte darauf gewartet, welche Preise nun Saudi-Arabiens staatlicher Ölkonzern Saudi-Aramco aufrufen werde. Dieser erhöhte die Preise für das von ihm vertriebene Öl der Marke Arab Light zwar um 80 Cents je Barrel (159 Liter). Das war die größte Anhebung in diesem Jahr, was gleichzeitig vermuten lässt, dass das Land die Produktion im August nicht ausweiten wird.

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          Aber mittlerweile gehen Beobachter davon aus, dass die Öl-Staaten eine Einigung erreichen werden. Saudi-Arabien und Russland schienen sich ziemlich wohl zu fühlen, die Dinge so zu belassen, wie sie waren, sagte Wayne Gordon, Stratege der UBS Wealth Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. Und so heißt das Szenario, dass die Produktion von August oder September an am Ende doch noch um monatlich 400.000 Barrel je Tag steigen wird.

          Gleichzeitig blickt man auf die Risse im Kartell und hält einen Preiskampf für möglich, auch wenn alle Beteiligten diesen eigentlich vermeiden wollten, so die ING. Interessant ist auch die Reaktion der amerikanischen Schieferölindustrie, die offenbar nicht ihre Produktion reflexhaft ausweiten, sondern die Preise stabil halten will. Umstritten ist allerdings, ob dies eine Strategieänderung ist oder die Branche nur erst einmal abwartet, was die Opec+ am Ende tun wird. Bislang, so berichtet Bloomberg, sicherten sie zunächst einmal erst die Preise ab.

          WTI Light Sweet Crude Öl

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          Tatsächlich aber zeigt sich der Markt etwas verunsichert. Denn am Mittwochmorgen geht es wieder spürbar nach oben. Der Brent-Preis legt um 1 Prozent auf zuletzt 75,27 Dollar zu und der für WTI noch deutlicher auf 74,22 Dollar. Offenbar gibt es eine gewisse Diskrepanz in der Sichtweise zwischen Europa und Amerika, nicht zuletzt weil amerikanisches Schieferöl nun einmal vor allem dem amerikanischen Markt zugutekommt.

          Eine größere Rolle dürften aber Nachrichten spielen, wonach große asiatische Raffinerien trotz der Preiserhöhung von Saudi-Aramco ihre Ölnachfrage nicht verringern wollen. Zudem dürften die amerikanischen Lagerbestände auf den niedrigsten Stand seit März 2020 gefallen sein. Daten dazu werden am Mittwoch und Donnerstag veröffentlicht werden.

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