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Angriff auf Saudi-Arabien : Ölpreise steigen um bis zu 20 Prozent

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Diese Anlage läuft noch: Das Khurais-Ölfeld, das rund 160 Kilometer von Riad entfernt liegt Bild: dpa

Die Drohnenattacken auf das Zentrum der saudischen Ölindustrie haben auch an der Börse spürbare Folgen. Die beiden wichtigsten Ölsorten der Welt kosten nun etwa zehn Prozent mehr als vor dem Angriff – laut einem Analysten wurden 5 Prozent der Weltproduktion vernichtet.

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          Nach dem Drohnenangriff auf die größte Erdölraffinerie in Saudi-Arabien am Wochenende sind die Ölpreise am Montag stark gestiegen. In den ersten Handelsminuten erhöhten sich die Rohölpreise zunächst stark um bis zu 20 Prozent, fielen dann aber wieder etwas. Etwas später kosteten die beiden wichtigsten Ölsorten der Welt dann etwa zehn Prozent mehr als am Freitag. Am Markt war die Rede von erhöhten Risikoaufschlägen.

          Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 66,54 Dollar. Das waren 6,32 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 5,29 Dollar auf 60,14 Dollar.

          Während die Börsen insgesamt verunsichert auf die Attacke reagierten, stiegen die Aktienkurse von Energieunternehmen wie BP oder Royal Dutch Shell. Investoren rechnen wohl damit, dass Erdölgesellschaften von steigenden Ölpreisen profitieren können. Kurse der Aktien von Fluggesellschaften wie der Lufthansa verloren dagegen, weil die Branche mehr für ihren Treibstoff zahlen muss.

          Am frühen Samstagmorgen hatten Drohnen Anlagen des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco angegriffen und in Brand gesteckt. Der Angriff ist damit eine Attacke auf das Zentrum der saudischen Ölindustrie. Nach Angaben von Saudi Aramco ist der Komplex die größte Raffinerie des Landes und die größte Rohölstabilisierungsanlage der Welt. Betroffen von dem Anschlag ist eine Tagesproduktion von etwa 5,7 Millionen Barrel. Das entspricht rund fünf Prozent des weltweiten Angebots an Erdöl. Der Wegfall gilt als einer der größten abrupten Ausfälle aller Zeiten.

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          Die weitere Preisentwicklung dürfte nach Einschätzung der Landesbank LBBW unter anderem davon abhängen, für wie nachhaltig die Märkte den entstandenen Schaden einschätzen. „Letztlich werden Angriffe wie der gesehene auch in Zukunft wohl nur schwer zu verhindern sein“, schreibt das Geldhaus.

          Verheerender Angriff

          Die Attacke reklamieren Huthi-Rebellen aus dem Jemen für sich. Die Plausibilität dieser Aussage erscheint nach Ansicht der LBBW hoch: Es könne sich um einen Versuch handeln, den Krieg aus dem Jemen heraus in diejenigen Länder zu tragen, die bislang einen Stellvertreterkrieg am Horn von Afrika führen. Zu diesen Ländern gehören Iran und eben Saudi-Arabien.

          Laut Marktanalyst Salah Bouhmidi von DailyFX Research seien dem Angriff auf die Ölanlagen 5 Prozent der weltweiten Ölproduktion zum Opfer gefallen. Der saudische Energieminister habe erklärt, dass der Angriff rund 5-5,7 Millionen Barrel der saudischen Rohölproduktion vernichtet habe. Zum Vergleich: Im jüngsten OPEC-Monatsbericht für August lag die saudische Produktion 9,805 Millionen Barrel. Das bedeutet, rund 58 Prozent der saudischen Rohölproduktion wurden vernichtet.    

          Nach Ansicht von Jim Reid von der Deutschen Bank war der Anstieg des Terminkontrakts auf die Ölsorte Brent unmittelbar nach den Agriffen auf die saudische Raffinerie der stärkste seit der Auflage des Futures 1988. Der Angriff selbst sei die größte Störung der Ölproduktion überhaupt und stelle sogar noch die Unterbrechung der Förderung in Kuwait und dem Irak nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait im August 1990 in den Schatten.

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