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Teure Energie : Diesel kostet in Deutschland so viel wie nie zuvor

  • Aktualisiert am

Ölförderung in der Nordsee Bild: dpa

Die Notierungen für Rohöl haben zu Beginn der Woche ihren Höhenflug fortgesetzt und mehrjährige Hochs erreicht. Die Sorge vor einem Angebotsdefizit verstärkt sich.

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          Die Ölpreise haben ihren Höhenflug zu Beginn der Handelswoche fortgesetzt. Zeitweise erreichten die Notierungen für Rohöl aus der Nordsee und aus den USA jeweils mehrjährige Höchststände. Seit acht Wochen legen die Ölpreise in der Tendenz zu, angetrieben unter anderem durch die Sorge der Investoren vor einem zu geringen Angebot vor den Wintermonaten.

          Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 85,80 Dollar. Das waren 94 Cent mehr als am Freitag. Zeitweise stieg der Preis bis auf 86,04 Dollar und damit auf das höchste Niveau seit drei Jahren. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI stieg um 1,24 Dollar auf 83,52 Dollar. Zuvor kletterte die Notierung am frühen Morgen bis auf 83,73 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit 2014.

          Unterdessen ist der Dieselpreis in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags lag er bei 1,555 Euro je Liter und übertraf damit den alten Höchststand von 1,554 Euro aus dem August 2012. Dies teilte der ADAC am Montag mit. Der Preis für Super der Sorte E10 erreichte demnach am Sonntag 1,667 Euro je Liter. Damit fehlen nur noch 4,2 Cent zum Rekord von 1,709 Euro am 13. September 2012.

          Die Spritpreise steigen seit Monaten. Treiber ist vor allem der nach dem Corona-Einbruch des vergangenen Jahres gestiegene Ölpreis. Beim Diesel wird der Anstieg zudem durch die herbsttypische hohe Nachfrage nach Heizöl verstärkt. Seit Jahresbeginn sorgt der Kohlendioxid-Preis von 25 Euro pro Tonne für einen zusätzlichen Aufschlag von rund 6 bis 8 Cent je Liter.

          Preisanstieg im Vorjahresvergleich deutlich

          Besonders drastisch ist die Entwicklung, wenn man sie mit dem Vorjahr vergleicht. Damals hatten Öl- und Spritpreise durch die Corona-Krise Tiefstände erreicht, bevor Anfang November 2020 die Trendwende kam.

          Der Preisspirale ruft auch die Politik auf den Plan. Zuletzt forderte der scheidende Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) für den Fall weiter stark steigender Energie- und Kraftstoffpreise kurzfristig wirksame Gegenmaßnahmen vorzubereiten. Ein großer Teil des
          Kraftstoffpreises an der Zapfsäule sind Steuern und Abgaben. Bei Diesel sind das auf dem aktuellen Preisniveau etwa 25 Cent Mehrwertsteuer, gut 47 Cent Mineralölsteuer und die 6 bis 8 Cent aus dem Kohlendioxid-Preis.

          Der ADAC warnt im Zusammenhang mit den immer weiter steigenden Spritpreisen davor, die Bevölkerung zu überfordern. „Ich hoffe - und gehe angesichts der aktuellen Spritpreissteigerung davon aus, dass ein noch schneller ansteigender CO2-Preis vom Tisch ist“, sagte ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand in Richtung der Koalitionsgespräche von SPD, Grünen und FDP. „Die Verhandlungsparteien müssen auch an jene Menschen denken, die bisher keine Alternative zum fossil angetriebenen Pkw haben.“ Besonders Menschen auf dem Land, die lange Wege zur Arbeit zurücklegten, müssten mit der Entfernungspauschale entlastet
          werden.

          Während sich führende Industriestaaten vom Konjunktureinbruch in der Corona-Krise erholen, verstärkt sich auf dem Ölmarkt die Sorge vor einem Angebotsdefizit. Vor allem haben die Anleger einen Mangel an Erdgas im Blick, der zu Folge hat, dass sich die Nachfrage nach Erdöl zum Betrieb von Kraftwerken erhöht hat. Vor diesem Hintergrund schließen Experten einen weiteren Anstieg der Ölpreise nicht aus.

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