https://www.faz.net/-gv6-99ywe

Ausstieg aus Iran-Abkommen : Löst Trump den nächsten Ölpreis-Schock aus?

Eine Besucherin auf der internationalen Öl-Ausstellung in Teheran. Bild: EPA

Donald Trump nimmt sein Land aus dem Atomabkommen mit Iran. Der Ölpreis steigt. Doch Experten nennen mehrere Gründe, warum daraus keine Krise wird.

          3 Min.

          Der amerikanische Präsident Donald Trump macht mit seinem Land beim Atomabkommen nicht mehr mit. Das Erschrecken über diese zuletzt nicht mehr überraschende Entscheidung ist groß. Warnung vor einem neuen Krieg im Nahen Osten machen schon die Runde. Aufgrund der verschachtelten Konstellation zwischen Saudi-Arabien, dem Irak, Iran, Israel oder der Türkei ist schwer vorherzusehen, wie sich der Ausstieg der Amerikaner geopolitisch auswirken wird.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Auch die wirtschaftlichen Folgen sind nicht genau absehbar. Nicht zuletzt, weil Trump Fristen gesetzt hat für Unternehmen, die mit Iran derzeit Geschäfte machen. Solche Fristen legte Washington in der jüngeren Vergangenheit schon mehrfach fest, etwa in der Neuverhandlung des nordamerikanischen Handelsabkommens Nafta oder im Handelsstreit mit Europa. Da hatte die amerikanische Regierung das zunächst bis Ende Mai gesetzte Ultimatum kurzerhand um einen Monat verlängert.

          Trumps Reaktion war schon eingepreist

          Auf Trumps Entscheidung reagierte prompt der Ölpreis. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise um 3 Prozent auf 77 Dollar je Fass (159 Liter). Und das vor dem Hintergrund, dass sich dieser für die Weltwirtschaft nach wie vor wichtige Rohstoff ohnehin merklich mehr kostete als noch vor ungefähr einem Jahr. Zur Erinnerung: Im Sommer 2017 war dieselbe Ölmenge für ungefähr 45 Dollar zu haben.

          Bilderstrecke

          Kommt nun der nächste Preisschub? Bewegt sich der Ölpreis in Richtung von 80, 90 oder gar 100 Dollar pro Fass? Soweit eher nicht, sagen die meisten Fachleute voraus. „Der Markt hat bereits eingepreist, dass Trump aus dem Abkommen aussteigt“, kommentierte Rohstoffstratege Daniel Hynes von der Australia & New Zealand Banking Group gegenüber der Finanznahrichtenagentur Bloomberg. Einen Preis von 80 Dollar für ein Fass hält er gleichwohl für möglich. Das werden seiner Ansicht nach zumindest weder Saudi-Arabien noch andere Mitglieder der Ölländer-Gruppe Opec verhindern. „Ich schätze, dass sie 80 Dollar je Fass sehen wollen.“

          Viel stärker dürfte der Preis in absehbarer Zeit tatsächlich nicht steigen. Dafür will der größte Ölförderer des Planeten sorgen. „Saudi-Arabien fühlt sich der Unterstützung stabiler Öl-Märkte zum Wohle von Produzenten und Verbrauchern sowie der Nachhaltigkeit des weltweiten Wachstums nach der Entscheidung verpflichtet“, erklärte ein Vertreter des saudischen Energieministeriums am Mittwoch nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur SPA. Auch der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin deutete an, dass „verschiedene  Gespräche“ stattfinden mit anderen Parteien, die einspringen könnten, wenn die Ölausfuhr Irans deutlich sinkt.

          Iran produziert derzeit 12 Prozent des Ölangebots des Opec und ist ihr drittgrößter Exporteur – nach Saudi-Arabien und dem Irak. Die tägliche Fördermenge des Landes in Höhe von rund 3,8 Millionen Barrel (159 Liter) entspricht knapp vier Prozent der Ölförderung auf der ganzen Welt. In Finanzkreisen wird allerdings darauf verwiesen, dass die iranische Ölausfuhr zwar nach dem Ende der meisten Sanktionen deutlich gestiegen ist von 1,5 Millionen Fass je Tag auf zwischen 2,5 und 2,7 Millionen Fass je Tag, die wichtigsten Abnehmerländer allerdings China, Indien und die Türkei seien. Diese Länder würden sich von den amerikanischen Sanktionen mutmaßlich nicht übermäßig beeindrucken lassen oder versuchen, sie zu umgehen.

          Die Rolle Amerikas am Ölmarkt

          Interessanter sei schon, was aus den 500.000 Fass je Tag werden, die Iran der EU liefert, sowie aus den 250.000 Fass für Südkorea und den 100.000 Fass für Japan. Insgesamt, so die Schlussfolgerung der Marktbeobachter, sei eher nicht damit zu rechnen, dass das Weltölangebot wirklich dramatisch zurückgeht. Der Effekt, den ein geringeres Angebot aus Iran habe, sei auch geringer als der Ausfall etwa des in einer Wirtschaftskrise steckenden südamerikanischen Ölförderlandes Venezuela.

          Und darüber hinaus haben, auch darauf weisen Beobachter hin, die Vereinigten Staaten selbst kein großes Interesse an stark steigenden Ölpreisen. In diesem Jahr stehen Zwischenwahlen an, für die Amerikaner hat sich das Tanken dieses Jahr bereits verteuert, und es ist, so das Argument, sicher nicht im Interesse des Präsidenten, wenn sich dieser Preistrend gerade in der bevorstehenden Sommerferienzeit („Driving Season“) fortsetzt.

          BRENT

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Saudi-Arabien, das zuletzt politischer wieder enger an die Vereinigten Staaten gerückt ist als es unter Trumps Vorgänger Barack Obama der Fall war, dürfte sich im Zweifel mit Washington kurzschließen. Die Öl-Monarchie hatte bereits infolge der beiden Irak-Kriege zu Beginn der neunziger Jahre und nach der Jahrtausendwende beigetragen, um emporschnellende Ölpreise zu verhindern. Für Stabilität auf dem Ölmarkt sorgen wiederum auch die Amerikaner selbst, deren Produktion auf mehr als 10 Millionen Fass pro Tag gestiegen ist und damit auf den höchsten Stand seit den 1970er Jahren.

          Dafür, dass der Ölpreis nicht deutlich zurückgeht, spricht wiederum die nach wie vor robuste wirtschaftliche Entwicklung auf der Welt. Sie gilt übrigens auch als der wesentliche Grund dafür, dass der Preis in den vergangenen 12 Monaten gestiegen ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.