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Ölpreis : Die Talfahrt könnte zu Ende sein

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Die Ölfelder in Kirkuk bergen wichtige Vorkommen - die viele wollen. Bild: Reuters

Nachdem Saudi-Arabien Förderkürzungen angekündigt hat, steigt der Ölpreis wieder. Analysten sehen die Talfahrt gestoppt.

          Bis zu diesem Wochenende haben die Sorgen der Anleger um eine möglicherweise schwächere Konjunktur und einem Überangebot an Rohöl den Ölpreis fallen lassen. 

          Noch am Freitag ging es mit dem Preis der Nordseesorte Brent um bis zu 2,2 Prozent auf ein Sieben-Monats-Tief von 69,13 Dollar je Fass bergab. Amerikanisches Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 59,28 Dollar je Barrel 2,3 Prozent weniger.

          „Es gibt nichts, was den Bärentrend aufhalten kann“, sagte Analyst Stephen Brennock vom Londoner Brokerhaus PVM Oil noch.

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          Am Montag sieht es nun schon wieder anders aus: Der Preis für Brent liegt mit 71,047 Dollar wieder deutlich höher und auch WTI kostet mit 60,54 Dollar wieder mehr.

          Der Grund liegt auf der Hand: Saudi-Arabien hat sich für eine Drosselung der Erdölproduktion ausgesprochen. Energieminister Chaled al-Faleh sagte am Montag auf einer Konferenz in Abu Dhabi, es sei eine Million Barrel pro Tag weniger nötig, um den Markt zu stabilisieren. Saudi-Arabien werde seine Förderung ab Dezember um eine halbe Million Barrel am Tag zurückfahren.

          Al-Faleh sagte auch, die Lagerbestände seien hoch, und die 25 Förderländer würden nicht zulassen, dass sich das fortsetze. In Abu Dhabi waren am Sonntag die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und weitere Produzenten wie Russland zusammengetroffen. Sie hatten erklärt, das Angebot übersteige derzeit die Nachfrage und kündigten neue Strategien zur Anpassung der Produktion an.

          Guter Zeitpunkt

          Mohammed Al-Rumhy, Ölminister des Oman, hatte schon am Sonntag in Abu Dhabi mitgeteilt, die Opec und andere Ölstaaten würden bei ihrem Dezember-Treffen über eine Reaktion auf das Überangebot entscheiden. Am Rande des Treffen des Erdölkomitees des Opec-Plus-Verbunds in Abu Dhabi hatte es von Delegierten geheißen, eine Senkung der täglichen Fördermenge um 1 Million Barrel sei eine gute Zahl – also just dieselbe Menge, die Saudi-Arabien nun vorgab. Offenbar scheint man sich im Kreis der „Opec-Plus“ recht einig.

          Der Zeitpunkt könnte nicht besser gewählt sein. Denn damit, dass beide Preise am Freitag unter markante Marken (70 und 60 Dollar) rutschten, kommt auch eine gewisse „Magie der Zahlen“ ins Spiel. Entgegen allen Glaubens an Rationalität und technischer Analyse, sind auch bei Akteuren am Markt runde Zahlen verankert und schlagen sich in der Setzung von Limit- und Stopp-Kursen nieder. Eine Wende an einer runden Marke wirkt weit glaubwürdiger.

          Ein bisschen Feinsteuerung

          Dies ist einer der Punkte, der eine nachhaltige Wende der Preisentwicklung möglich erscheinen lässt. Indes scheint die Marke auch mit einer Ankündigung einer Förderkürzung fundamental untermauert und einige Marktteilnehmer werden sich auf eine dementsprechende Nachricht auch vorbereitet haben, auch wenn in den vergangenen Wochen viel darüber spekuliert wurde, bei welcher Marke die Förderländer aktiv werden würden.

          Zwar weisen die Analysten des JBC Energy Research Centre daruf hin, dass der saudische Ölminister betont habe, die Förderkürzung sei reaktiv, weil die Nachfrage niedriger sei. Das heißt, dass Saudi-Arabien dies nicht als Preisstützungsmaßnahme auffasst. Indes habe der Markt es so verstanden, heißt es von JBC.

          Saudi-Arabien werde den Worten auch Taten folgen lassen, so wie das Land auch schon in den vergangenen Monaten immer wieder die Produktion angepasst habe. Die Entschlossenheit, kurzfristig zu reagieren, spreche dafür, dass der Ölpreis im Bereich von 70 bis 75 Dollar gut verankert sei.

          Entgegen wirke der Faktor, dass die kurdische Regionalregierung im Nordirak wohl kurz davor stehe, die Exporte von den Ölfeldern bei Kirkuk wieder aufzunehmen. Das seine zwar nicht mehr als 200.000 Barrel pro Tag, jedoch würde das die irakischen Nettoexporte im Jahr 2019 verdoppeln.

          Für deutsche Autofahrer ist das nun keine allzu gute Nachricht. An den Tankstellen machen sich nicht nur Lieferengpässe aufgrund ausgetrockneter Schifffahrtswege und eines Raffineriebrandes im Preis bemerkbar. Auch der Euro hat gegenüber dem Dollar seit Ende September um 5 Cent abgewertet. Und nun könnte auch noch der Ölpreis stiegen.

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