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Ost-West-Gefälle : Wo die Aktionäre wohnen

Der Kreis Landshut hat eine der höchsten Dichte von Aktionären in Deutschland. Bild: dpa

In Ostdeutschland besitzt kaum jemand Wertpapiere – in München hält dafür fast jeder zweite Anteile an einem Fonds. Den Deutschen Sparern gehen derweil gut sieben Milliarden Euro verloren.

          Auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung zeigt eine Karte von Deutschland noch eine sehr klare Trennung zwischen Ost und West: Wenn man die Landkreise nach der Höhe ihrer Aktienquoten einfärbt, bleibt der Osten fast komplett weiß, wie nun eine Untersuchung der Direktbank Comdirect zeigt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besitzen in keinem Kreis mehr als 5 Prozent der Bevölkerung Aktien oder Fonds. Für Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern trifft das ebenfalls auf die Mehrzahl der Kreise zu. Einen so geringen Wertpapierbesitz findet man in den westlichen Bundesländern nur im Saarland.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn die Deutschen insgesamt keine Freunde der Börse sind, gilt das für Ostdeutschland noch einmal deutlich stärker als für den Westen. So sind insgesamt nach der Erhebung nur 1,6 Prozent der Ostdeutschen in Fonds investiert – ein Großteil davon lebt im noch vergleichsweise börsenfreundlichen Berlin. In den westlichen Bundesländern halten dagegen 15,3 Prozent Fondsanteile.

          Insgesamt lässt sich in der Untersuchung klar ablesen, was eigentlich nur ein Klischee sein sollte: Nämlich dass vor allem reiche Leute in Aktien und Fonds investieren. So führen München und dessen weiterer Speckgürtel die verschiedenen Statistiken an. In München hält fast jeder zweite Einwohner Fondsanteile und mit 16,7 Prozent so viele Bewohner Aktien wie in keiner anderen deutschen Stadt. Spitzenreiter unter den Landkreisen und kreisfreien Städten sind Starnberg, Landshut und Miesbach. In Baden-Baden, dem Bodenseekreis sowie dem Hochtaunuskreis sind jeweils fast ein Drittel der Bewohner in Aktien investiert.

          Aktien lohnen sich auch für Geringverdiener

          Die Comdirect sieht in ihren Zahlen vor allem eine Diskrepanz zwischen den Sparern auf dem Land und den Sparern in den Städten. Ein Grund könne sein, dass Menschen aus ländlicheren Gebieten im Schnitt über ein höheres Haushaltsnettoeinkommen als Großstädter verfügen. „Es gibt nach wie vor einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Aktienbesitz“, konstatiert Matthias Hach, Vorstandsmitglied der Comdirect und wirbt standesgemäß gleich für ein Umdenken: „Dabei ist die Geldanlage mit Wertpapieren schon ab 25 Euro im Monat möglich. Gerade für diejenigen, die weniger Geld zur Verfügung haben, bieten Wertpapiere die Chance, sich langfristig ein finanzielles Polster aufzubauen.“

          Dass die Deutschen auch in Zeiten der Niedrigzinsen weiter Tagesgeld und Sparbücher bevorzugten, wirke sich negativ auf ihren Sparerfolg aus. „Allein im ersten Quartal 2018 haben deutsche Sparer 7,1 Milliarden Euro verloren, weil sie auf Tagesgeld, Festgeld und Spareinlagen setzen“, rechnet Hach vor. „Deren Verzinsung liegt zum Teil deutlich unter der Inflationsrate.“

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