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Julius Bär verdrängt : Novartis wirbelt den Schweizer Leitindex um

Grünes Licht: Novartis schafft es mit seiner Tochtergesellschaft in den SMI. Bild: dapd

Der Basler Pharmakonzern Novartis gewinnt mit seiner Tochtergesellschaft Alcon einen Platz im Swiss Market Index. Alcon verdrängt damit den Vermögensverwalter Julius Bär.

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          Das nennt man wohl Kollateralschaden: Der Vermögensverwalter Julius Bär verliert seinen Platz im Swiss Market Index (SMI), dem Leitindex der Schweizer Börse. Die „Schuld“ daran trägt Novartis. Der Basler Pharmakonzern spaltet seine Tochtergesellschaft Alcon ab und bringt diese separat an die Börse. Vom 9. April an werden die Aktien der Augenheilspezialisten in Zürich notiert sein.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Alcon ist keine kleine Bude, sondern ein Konzern mit 20.000 Mitarbeitern und mehr als sieben Milliarden Dollar Umsatz. Analysten schätzten den Marktwert des Unternehmens auf 20 bis 22 Milliarden Dollar. Damit ist klar, dass Alcon umgehend in den SMI aufgenommen wird, in dem die 20 bedeutendsten Unternehmen der Schweiz gelistet sind. Wie die Schweizer Börse mitteilt, fällt Julius Bär dafür mit Wirkung zum 10. April aus dem SMI heraus. Die Zürcher Bank wird fortan im Mittelwerte-Index SMIM geführt, der 30 Titel umfasst. Dafür müssen die Aktien des Bäckereikonzerns Aryzta den SMIM verlassen.

          Auf die Entwicklung der Börsenkurse der betroffenen Unternehmen können diese Änderungen durchaus Einfluss haben. Es gibt zahlreiche Investoren und Fonds, die alle Aktien kaufen, die in einem bestimmten Index vertreten sind. Sobald ein Unternehmen diesen Index verlässt, trennen sich die Investoren auch von den entsprechenden Aktien.

          Und sie investieren in ein Unternehmen, das neu in den Index aufrückt. Auch für den Börsenkurs von Novartis wird die ganze Aktion Folgen haben. Der Konzern spaltet Alcon zu 100 Prozent ab, wobei jedem Aktionär für fünf Novartis-Aktien eine Alcon-Aktie zugeteilt wird. Rein rechnerisch müsste sich der Börsenwert von Novartis am Stichtag 9. April genau um den Wert der abgespaltenen Alcon verringern. Wie sich der Börsenkurs von Alcon entwickelt, hängt davon ab, ob die neuen Aktionäre, also die alten Novartis-Eigner, ihre zugeteilten Anteilscheine (vorerst) behalten oder verkaufen.

          Große Finanzinvestoren spielen wichtige Rolle

          Dabei spielt vor allem das Verhalten der größeren Finanzinvestoren eine Rolle, die derzeit Novartis-Aktien besitzen. Wer gemäß dem Auftrag seiner Geldgeber und der Struktur seines Fonds ausschließlich in Pharmaunternehmen investiert sein will, wird die Alcon-Aktien wohl auf den Markt werfen. Denn das Unternehmen ist kein Pharmatitel, sondern ein Medizintechnikspezialist. Alcon stellt medizinische Linsen und chirurgisches Zubehör her, das für Augenoperationen benötigt wird. Außerdem hat es Kontaktlinsen und Reinigungsmittel für jedermann im Angebot.

          Aus Sicht der Novartis-Aktionäre ist der Börsengang von Alcon auch deshalb interessant, weil damit erstmals ein Marktwert für die bisherige Tochtergesellschaft sichtbar wird. Sollte dieser wider Erwarten unterhalb von 17 Milliarden Dollar liegen, wäre Novartis zu einer Abschreibung gezwungen. Denn zu diesem Wert steht Alcon in den Büchern des Konzerns. Das dürfte einem Börsenkurs von 30 Franken je Aktie entsprechen. Analysten schätzten, dass die 490 Millionen Alcon-Aktien am nächsten Dienstag mit Kursen zwischen 43 und 47 Franken starten.

          NOVARTIS NAM. SF 0,50

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          Der Wert ist nicht so leicht zu schätzen, weil man sich nicht an vergleichbaren Wettbewerbern orientieren kann. Alcon ist auf dem Feld der Augenchirurgie die klare Nummer eins in der Welt. Weil es der mit Abstand größte Anbieter ist, traute sich auch keiner der (eben kleineren) Rivalen mit einer Kaufofferte heran, als die Novartis-Führung den Abschied von Alcon verkündete. Das Unternehmen ist eine Altlast aus früheren Zeiten, als Novartis sein Heil in einer Diversifizierungsstrategie sah.

          In Summe blätterten die Schweizer einst 50 Milliarden Dollar für Alcon auf den Tisch. Doch die mit diesem Mondpreis verbundenen Erwartungen erfüllten sich nie. Nach einer Reihe operativer und strategischer Fehler musste das Unternehmen neu strukturiert und saniert werden. Die Früchte dieses Umbaus werden inzwischen sichtbar; Umsatz und operative Erträge steigen. Unter dem Strich stand 2018 aber ein Verlust von 227 Millionen Dollar. Obwohl Alcon eigentlich ein amerikanisches Unternehmen ist, wird es aus steuerlichen Gründen seinen Sitz in der Schweiz haben.

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