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Begehrtes Edelmetall : Alle setzen auf Gold

Die Investorennachfrage nach Gold ist zweigeteilt. Während die Zuflüsse in mit dem Edelmetall unterlegte börsengehandelten Fonds (ETF) deutlich zugenommen haben, ist die physische Nachfrage gefallen. Die Bestände der Goldfonds auf der Welt sind allein im zweiten Quartal um 67,2 Tonnen auf insgesamt 2548 Tonnen gewachsen, so hoch waren sie zuletzt vor sechs Jahren. Das hohe Interesse gründe unter anderem auf fortgesetzter geopolitischer Instabilität und dem deutlichen Goldpreisanstieg, sagt der Verband. Die größten Zuflüsse gab es in Europa.

Doch Anleger fragten weniger physisches Gold nach als im Vorjahr – im zweiten Quartal um minus 12 Prozent. Mit der gedämpften Nachfrage nach Münzen und Barren im ersten Quartal ergibt dies einen Rückgang um insgesamt 6 Prozent auf ein Zehn-Jahres-Tief von 477 Tonnen. Die zuletzt um ein Drittel geringere Nachfrage in China sei der Hauptgrund, hieß es. Zudem gab es Gewinnmitnahmen.

Ein wichtiger Faktor bleibt die Schmuckindustrie

Wichtig für die Goldnachfrage ist auch die Schmuckindustrie. Der indische Markt hat sich laut Daten des World Gold Council stark erholt. Im zweiten Quartal ist die Nachfrage dort im Vorjahresvergleich um 12 Prozent gestiegen und auf der Welt um 2 Prozent. Als Gründe gelten eine lebhafte indische Hochzeitssaison und gute Festival-Verkäufe. Der Goldpreisanstieg im Juni brachte diese Nachfrage dann aber fast zum Erliegen.

Und wie sind die Aussichten für Gold? Auch im zweiten Halbjahr dürfte sich der Goldpreis positiv entwickeln, sagt Zumpfe. Die Fed habe die Leitzinsen gesenkt, von den anderen großen Zentralbank seien ähnliche Maßnahmen zu erwarten. Hinzu kämen der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China oder der EU, der Brexit sowie der Konflikt zwischen Amerika und Iran. „Das Umfeld für Gold dürfte erst mal gut bleiben“, sagt Zumpfe. Ein Goldpreisanstieg bis auf 1500 Dollar sei nicht auszuschließen.

Zentralbanken blieben es, welche die Nachfrage nach Gold maßgeblich antrieben, sagt Polleit. Dabei würden vor allem fallende Zinsen und steigende Risiken im Finanzsystem auch private Anleger dazu bewegen, mehr Gold nachzufragen. Dies spreche für einen weiteren Anstieg des Preises in den kommenden Quartalen.

Die Zentralbanken halten es dabei inzwischen nicht mehr für notwendig, den Goldmarkt zu stabilisieren. Sie wollen das im Jahr 1999 zunächst unter 15 Instituten abgeschlossene „Goldabkommen“ nicht mehr verlängern, welches am 26. September ausläuft (F.A.Z. vom 29. Juli). Derzeit gehören ihm 22 europäische Notenbanken an, darunter die Europäische Zentralbank (EZB), die Deutsche Bundesbank und die Schweizerische Nationalbank. Der Markt für Gold habe sich mit Blick auf Reife, Liquidität und den Kreis der Anleger weiterentwickelt, hieß es vor wenigen Tagen von der EZB. Das Abkommen wurde auch überflüssig, da in den vergangenen zehn Jahren keine der beteiligten Zentralbanken nennenswerte Mengen des Edelmetalls verkauft hatte. Gold bleibt laut EZB wichtiger Bestandteil der Weltwährungsreserven, weil es eine Streuung der Kapitalanlagen erlaubt. Mit 3370 Tonnen gehört die Deutsche Bundesbank zu den größten Goldbesitzern der Welt.

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