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Gesunkener Ölpreis : Norweger zapfen ihren Staatsfonds an

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Eine Ölplattform vor Norwegens Küste. Das Land ist der größte Öl-Produzent Europas. Bild: Picture-Alliance

Die Öl-Nation hat im August unerwartet Geld aus ihrem Staatsfonds abgezogen. Gleichzeitig will sich der Fonds von bisher wichtigen Anlagen trennen. Das könnte eine Signalwirkung für andere Investoren weltweit haben.

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          Norwegen hat im Augst seinen Staatsfonds angezapft. Erstmals seit einem Jahr hat das Land eine Entnahme von seinem 1-Billionen-Dollar-Fonds durchgeführt. Den Angaben zufolge wurden fast 400 Millionen Dollar abgezogen. Die Norges Bank Investment Management, ein Teilbereich der norwegischen Zentralbank, die den Fonds verwaltet, gab keine Auskunft über die Gründe.  

          Am 7. Oktober soll es jedoch planmäßig einen Ausblick auf das Jahr 2020 geben, ebenso Aussagen zum laufenden Jahr. Entnahmen aus dem Staatsfonds der Norweger passieren selten, als Grund für dieses Anzapfen wird der zurückgehende Ölpreis genannt, der im August auf ein Siebenmonatstief gefallen war. Die Regierung hatte 2016 erstmals Geld aus der Reserve abgezogen, nachdem die Rohölpreise damals ebenfalls eingebrochen waren.

          Aus Norwegen wird vermeldet, dass es in den nächsten Monaten durchaus zu weiteren Entnahmen kommen könnte. Dies ist umso erstaunlicher vor dem Hintergrund, dass die norwegische Regierung noch im Mai mitgeteilt hatte, man werde bis zum Jahresende 34 Milliarden norwegische Kronen (ungefähr 3,7 Milliarden Dollar) in den Fonds einzahlen. Bis August war es aber nur zu Einzahlungen von knapp 20 Milliarden Kronen gekommen, somit könnte vielleicht das Jahresziel wohl verfehlt werden. Auf der anderen Seite setzt der Staatsfonds konsequent seine Strategie fort.

          Fonds trennt sich von weiteren Öl-Aktien

          So wurde nun bekannt, dass der Fonds die Erlaubnis bekommen hat, weitere Öl- und Gasaktien im Wert von 5,9 Milliarden Dollar zu verkaufen. Im Jahr 2017 hatte der Fonds bereits bekanntgegeben, dass er künftig sein Anlagen im Bereich der fossilen Rohstoffe verringern möchte. Die geplanten Verkäufe sollen demnach Unternehmen umfassen, die im FTSE-Russell-Index als Öl-und Gas-Produzenten gelistet sind. Aktuell ist der Fonds eigenen Angaben zufolge im September in 95 solcher Unternehmen investiert gewesen, unter anderem in ConocoPhillips und EOG Resources. Der Verkauf soll nach und nach erfolgen.

          Ursprünglich hatte die norwegische Regierung noch im März mitgeteilt, man wolle in diesem Bereich Anlagen im Wert von mehr als 7,5 Milliarden Dollar veräußern. Die strategische Ausrichtung des norwegischen Staatsfonds könnte für viele andere Investoren von Bedeutung sein, denn die Norweger gelten weltweit als einer der Vorbilder im Bereich der nachhaltigen Geldanlage in Aktien. Der weitere Verkauf von Ölaktien dürfte daher als starkes Signal gewertet werden, dass fossile Brennstoffe bei großen Investoren an Gunst verlieren.

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