https://www.faz.net/-gv6-93ua6

Pläne für den Staatsfonds : Norwegen will unabhängiger von Öl und Gas werden

Yngve Slyngstad ist für den norwegischen Staatsfonds und somit für den größten Einzelaktionär der Welt verantwortlich. Bild: Reuters

Der norwegische Staatsfond ist der größte Einzelaktionär der Welt. Damit das auch so bleibt, soll nun nicht mehr in Öl oder Gas investiert werden. Doch noch ist die Entscheidung nicht gefallen.

          4 Min.

          Fast 1000 Milliarden Euro ist der norwegische Staatsfonds schwer, und mehr als 60 Prozent seines Kapitals hält er in Aktien. An rund 9000 börsennotierten Unternehmen in aller Welt, ist er mit durchschnittlich 1,5 Prozent beteiligt. Damit ist der norwegische Staatsfonds der größte Einzelaktionär der Welt und seine Anlageentscheidungen stoßen naturgemäß auf großes Interesse in der Finanzwelt. Nun hat die in der norwegischen Notenbank angesiedelte Verwaltung des Fonds der Regierung den Vorschlag unterbreitet, nicht länger in Aktien von Öl- und Gasunternehmen zu investieren. Über den Vorschlag muss die Regierung entscheiden, da sie die Grundlagen der Anlagepolitik des Staatsfonds festlegt.

          Es sind keine ethischen Überlegungen, die den Fonds zu seinem Vorschlag veranlassen, sondern der Wunsch, das wirtschaftliche Wohlergehen Norwegens unabhängiger von der Entwicklung des Preises von Öl und Gas zu machen. Denn die Förderung von Öl und Gas ist selbst ein wichtiger Wirtschaftszweig in Norwegen. Die Rohstoffe werden überwiegend von privaten Unternehmen aus dem Ausland gefördert, die an den norwegischen Staat Steuern abführen. Zudem hält der Staat einen Anteil an dem norwegischen Förderer Statoil. In einer aktuellen Studie wird der Gegenwartswert künftiger Einnahmen des norwegischen Staates aus der Förderung der beiden Rohstoffe mit rund 410 Milliarden Euro veranschlagt.

          Entscheidung nicht vor Herbst 2018

          Nach den Berechnungen der Regierung würde ein dauerhafter Fall des Ölpreises um 10 Euro je Barrel (159 Liter) den Gegenwartswert der künftigen Einnahmen der Regierung mehr als halbieren. Wenn aber die Haushaltslage des norwegischen Staates ohnehin stark von der künftigen Entwicklung der Öl- und Gaspreise abhängt, wäre es empfehlenswert, im Staatsfonds nicht länger Aktien ausländischer Öl- und Gasunternehmen zu halten, lautet das Argument. Der Börsenwert der von dem Staatsfonds gehaltenen Aktien von ausländischen Öl- und Gasunternehmen beläuft sich auf mehr als 30 Milliarden Euro. „Die Anfälligkeit der Staatsvermögens gegenüber einem dauerhaften Fall des Ölpreises kann daher reduziert werden, wenn der Fonds nicht länger in Öl- und Gasaktien investiert“, heißt es in dem Schreiben an die Regierung. Das Finanzministerium teilte mit, es werde den Vorschlag prüfen, aber eine Entscheidung sei nicht vor dem Herbst 2018 zu erwarten.

          „Das Volumen des Fonds entspricht einem Wert von 350.000 Euro für jeden norwegischen Privathaushalt“, sagte Björn From, Direktor im Finanzministerium, am Donnerstag auf der „Euro Finance Week“-Konferenz in Frankfurt. „Unser Prinzip ist einfach: Wir tauschen unser Öl und Gas gegen internationale Unternehmensbeteiligungen.“

          Fonds entlastet den Staatshaushalt

          Als der Fonds in den neunziger Jahren gegründet wurde, hielt er sein Vermögen zunächst ausschließlich in internationalen Staatsanleihen, so wie heute noch viele Notenbanken ihre Währungsreserven halten. Im Laufe der Zeit wurde zunächst eine Aktienquote von 40 Prozent festgelegt, die dann auf 60 und vor kurzer Zeit auf 70 Prozent erhöht wurde. Für einen Großanleger besitzt der norwegische Fonds eine sehr hohe Aktienquote. Die Rendite kann sich sehen lassen. Seit dem Jahr 1998 hat der Fonds eine durchschnittliche jährliche Bruttorendite von 5,9 Prozent erzielt. Zieht man hiervon die Inflationsrate sowie die Verwaltungsgebühren ab, errechnet sich eine jährliche durchschnittliche reale Rendite von 3,96Prozent. Seit einigen Jahren investiert der Fonds außer in Aktien und in Anleihen auch in Immobilien.

          Weitere Themen

          Eon nimmt Innogy von der Börse

          Noch in dieser Woche : Eon nimmt Innogy von der Börse

          Der Energiekonzern hat bei der Übernahme des ehemaligen Konkurrenten Innogy das letzte Kapitel eingeleitet. Der Energieversorger geht im großen Eon-Konzern auf.

          Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 Dollar

          Höchster Stand seit Februar : Bitcoin-Kurs steigt über 10.000 Dollar

          Viele Anleger hätten nach dem Bitcoin-„Halving“ mit weiter fallenden Kursen gerechnet. Die Anti-Rassismus-Proteste in den Vereinigten Staaten könnten amerikanische Investoren aber auf Kryptowährungen ausweichen lassen, schreibt ein Analyst.

          Topmeldungen

          Militäreinsatz im Inneren : Darf Trump das?

          In Washington wurden schon Black Hawks eingesetzt, um Randalierer im Tiefflug einzuschüchtern. Können anderswo die Gouverneure einen Armeeeinsatz verhindern? Und warum nennt Trump die Antifa eine Terrororganisation? Die wichtigsten Antworten.
          Mehr Normalität als anderswo: Freizeitvergnügen in einem Park in Stockholm

          Schwedens Corona-Kampf : Noch Sonderweg oder schon Holzweg?

          Das tut weh: Überall werden die Corona-Beschränkungen gelockert, aber für Touristen aus Schweden bleiben die Grenzen geschlossen. Die Zweifel wachsen, ob das Land am Ende besser aus der Krise herauskommt als die Nachbarn.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.