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Moody’s : Noch immer zu viel faule Kredite bei europäischen Großbanken

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Intesa Sanpaolo ist die größte Privatkundenbank Italiens. Bei keiner europäischen Großbank ist der Anteil der faulen Kredite so hoch wie hier. Bild: AFP

Die 28 größten europäischen Banken haben zum Teil deutliche Fortschritte beim Abbau von Problemkrediten gemacht, sagt die Rating-Agentur Moody’s. Doch viel bleibt noch zu tun - auch für die deutschen Banken.

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          Das Trauerspiel um die Deutsche Bank zeigt für deutsche Beobachter am deutlichsten: Die europäischen Banken haben zehn Jahre nach er Finanzkrise immer noch Probleme, auf die Füße zu kommen. Schuld daran ist auch, dass die Finanzkrise fast nahtlos in eine Staatsschuldenkrise überging, die erst vor vier Jahren ihr Ende fand und doch immer wieder aufflammt.

          Was die Banken nicht zuletzt weiter stark belastet, so die Rating-Agentur Moody’s, sind ihre hohen Bestände an Problemkrediten. Zwar sei das Volumen der faulen Kredite in Europa rückläufig, allerdings hätten das schwache Wirtschaftswachstum in einigen Ländern sowie individuelle Schwächen einiger Banken in den vergangenen Jahren zu uneinheitlichen Fortschritten geführt. Vor allem steht der Euroraum als Ganzes offenbar recht schwach dar. Moody’s beziffert die faulen Kredite auf mehr als das Doppelte dessen, was andere regionaler Blöcke aufwiesen.

          Zwar habe der Aktionsplan der Europäischen Union für notleidende Kredite und Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) als Aufsichtsbehörde zu greifbaren Ergebnissen geführt. So ist der Anteil der faulen Kredite von 6 Prozent der Gesamtkredite im Jahr 2013 bis 2017 auf rund 4 Prozent gesunken. Dennoch seien die Herausforderungen für viele der 28 Spitzen-Banken nach wie vor groß.

          So sind etwa bei den italienischen Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo deutlich um mehr als drei Prozentpunkte gesunken. Dennoch liegen sie mit einem Bestandsanteil von 10 bzw. 11 Prozent weiter an der Spitze. Erfolgreich war dagegen demnach die Commerzbank. Lag diese 2013 mit einem Anteil von mehr als 6 Prozent noch über dem Durchschnitt, stand sie 2017 mit 2,6 Prozent deutlich darunter.

          2013 habe die gesamte Kreditrisikovorsorge der betroffenen Banken deutlich mehr als die Hälfte des Gewinns vor Risikovorsorge aufgezehrt. Das seien zwar, nicht zuletzt dank der wirtschaftlichen Erholung in Europa, durchschnittlich nur noch 20 Prozent, in einer Kerngruppe von Banken seien die Rückstellungen aber weiter sehr hoch. Immerhin übersteigen sie den Gewinn vor Risikovorsorge nicht mehr deutlich., wie dies bei immerhin vier Banken 2013 noch der Fall war.

          Auch seien die Kapitalpuffer bei fast allen Banken gestiegen, so dass sie im Mittel, die Kosten des Kreditrisikos besser tragen könnten. Die Kernkapitalquote habe Ende 2017 17,2 Prozent betragen und war damit drei Prozentpunkte höher als noch vor vier Jahren. Dennoch müsse der in diesem Jahr bevorstehende Stresstest unter Federführung der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der EZB ermitteln, inwieweit die größten Banken in der Lage seien, externe Schocks zu verkraften.

          Hier sind die großen deutschen Banken mangels großer Fortschritte sogar eher zurückgefallen. Lag die Commerzbank mit 14 Prozent 2013 noch knapp unter dem Durchschnitt, ist der Abstand 2017 bei 15 Prozent größer geworden. Die Deutsche Bank, die 2013 mit 17 Prozent noch deutlich über dem Durchschnitt lag, ist mit einem unveränderten Wert unter das Mittel der Großbanken gerutscht.

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