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Kommentar zum Devisenmarkt : Dollar contra Yuan

China wird einen schwachen Yuan-Kurs gegenüber dem Dollar nicht lange akzeptieren und im Notfall intervenieren. Bild: AFP

Der Dollar ist seit Monaten am Devisenmarkt stark. Ein Erfolg von Trumps „America First“-Politik? Oder bereiten die Chinesen den Einsatz einer neuen Waffe im Handelskonflikt vor?

          In den vergangenen drei Monaten hat ein starker Dollar den Devisenmarkt geprägt. Gegenüber dem Euro, dem Yen, dem Schweizer Franken, oder dem Pfund wertete die amerikanische Währung um rund 5 Prozent auf. Diese Kursbewegungen sind ökonomisch nachvollziehbar, denn nach einer alten Erfahrung werden Wechselkurse nicht zuletzt durch die erwarteten Veränderungen kurzfristiger Zinsen geprägt.

          In den vergangenen Monaten hat sich die amerikanische Wirtschaft weitgehend immun gegen die sich ausbreitenden geopolitischen Unsicherheiten gezeigt, während das Wachstum in Europa und in Asien etwas nachzulassen scheint. Daher gelten an den Finanzmärkten weitere Leitzinserhöhungen der Federal Reserve als wahrscheinlich, während die geldpolitische Normalisierung in anderen Weltgegenden zögerlicher verlaufen dürfte. So sprachen die erwarteten kurzfristigen Zinsdifferenzen in den vergangenen Monaten für den Dollar, der zudem vom Status der Vereinigten Staaten als sicherer Hafen für Kapitalanleger in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Unruhe profitierte.

          Mit besonderer Aufmerksamkeit wird die Entwicklung des Yuans (Renminbi) gegenüber dem Dollar verfolgt, die nicht ganz dem allgemeinen Muster entspricht. Denn während sich der Dollar im Frühjahr gegenüber vielen anderen Währungen stark zeigte, wertete die chinesische Währung zunächst kaum ab. Doch seit Mitte Juni verlor der Yuan plötzlich rund 4 Prozent seines Wertes. Viele Händler und Anleger fragen sich, ob diese Bewegung im Zusammenhang mit dem Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik steht.

          Nutzt China eine neue Waffe im Handelsstreit?

          Zwei Interpretationen bieten sich an. Erstens könnte die jüngste Abwertung des Yuans das Ergebnis der Überlegung von Marktteilnehmern sein, die sich wegen des Handelsstreits um die Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums sorgen und daher die chinesische Währung verkaufen. Nach dieser Sichtweise würde der Versuch Präsident Trumps, durch Zollpolitik Handelsvorteile für die Vereinigten Staaten zu erzielen, durch eine Aufwertung des Dollars konterkariert – ein schönes Beispiel dafür, dass, entgegen Trumps Ansicht, im Außenhandel auch durch politische Eingriffe kein „Free Lunch“ erhältlich ist.

          Die andere Interpretation lautet: Die Chinesen setzen den Wechselkurs als Waffe im Handelskonflikt gegen die Amerikaner ein. Diesem Verdacht ist zwar gerade der Vorsitzende der chinesischen Notenbank öffentlich entgegengetreten, worauf sich der Kurs des Yuans leicht erholt hat. Aber Ungewissheit über die chinesischen Absichten ist weit verbreitet.

          Hierzu trägt die etwas komplizierte Datenlage bei, da die Machthaber in Peking Interventionen am Devisenmarkt nicht auf offiziellem Wege durch ihre Notenbank vornehmen müssten, sondern genügend andere Institutionen wie Staats- und Schattenbanken kontrollieren, die zumindest eine Zeitlang verdeckt agieren könnten. Ein Blick auf die zugänglichen Daten aus diesem wenig transparenten Schattenreich zeigt aktuell ein Phänomen, das sich in der Militärsprache als „Aufmarsch für alle Fälle“ bezeichnen ließe: Offenbar haben unter Kontrolle Pekings stehende Institutionen jenseits der Notenbank in den vergangenen Monaten zusätzliche Dollarbestände aufgebaut, die in einer eskalierenden Auseinandersetzung mit Washington mobilisiert werden könnten.

          Niemand will einen starken Dollar

          Und doch spricht wenig für einen wuchtigen Einsatz finanzieller Waffen in einem Handelskonflikt durch Peking. Die immer noch verbreitete Neigung, die Folgen von Wechselkursänderungen vor allem für den Außenhandel mit Gütern und Dienstleistungen zu analysieren, passt angesichts umfangreicher globaler Finanzströme schon lange nicht mehr in die Zeit. Änderungen von Leistungsbilanzen gehen mit Änderungen von Kapitalverkehrsbilanzen einher.

          Eine kräftige Abwertung des Yuans verspräche China einerseits zumindest vorübergehend Vorteile im Außenhandel. Aber gleichzeitig unterminierte eine solche Abwertung das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Yuans als Anlagewährung. Peking weiß um die Folgen, denn als der Yuan vor wenigen Jahren schon einmal spürbar abwertete, setzten umfangreiche Kapitalabflüsse durch chinesische Unternehmen und Privatpersonen ein, die ihr Geld lieber ins Ausland, und hier vornehmlich in die Vereinigten Staaten, verlagerten. Damals musste Peking Währungsreserven über rund 1000 Milliarden Dollar mobilisieren, um den Wechselkurs wieder zu stabilisieren.

          Nichts spricht für ein Interesse Pekings, diese Episode zu wiederholen. Stattdessen dürften die Machthaber bestrebt sein, den Yuan für Inländer wie für Ausländer als Anlagewährung attraktiv zu halten. Sollte Trump weiterhin einen harten Kurs gegen China fahren, lässt sich zwar nicht ausschließen, dass Peking an den Finanzmärkten einmal kurz die Muskeln spielen lässt. Aber für einen regelrechten Währungskrieg würde nichts anderes als für einen Handelskrieg gelten: Es gäbe keine Gewinner. Weder Chinesen noch Amerikaner wollen einen zu starken Dollar.

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