https://www.faz.net/-gv6-9ldy1

Aktienkurs wieder unter Druck : Neue Vorwürfe gegen Wirecard

  • Aktualisiert am

Die Wirecard-Aktie steht seit Wochen im Anlegerfokus. Bild: Reuters

Der Streit mit der „Financial Times“ geht in die nächste Runde: Der Aktienkurs von Wirecard ist nach einem neuen kritischen Zeitungsbericht über Geschäftspraktiken des Zahlungsabwicklers ein weiteres Mal auf Talfahrt gegangen.

          2 Min.

          Die Auseinandersetzung zwischen dem Zahlungsabwickler Wirecard und der kritisch über das Unternehmen berichtenden Londoner „Financial Times (FT)“ nimmt weiter an Schärfe zu. In Reaktion auf einen weiteren Bericht der Zeitung warf der Dax-Konzern dem Blatt am Freitag vor, Informationen „absichtlich falsch zitiert“ zu haben, „um Tatsache und Fiktion weiter zu verzerren“. Das Unternehmen hatte am Donnerstag am Landgericht München Klage gegen das Blatt und den maßgeblichen Autor der kritischen Berichte aus den Vorwochen eingereicht. Der Vorwurf lautet auf wiederholt falsche Darstellung von „vertraulichen Informationen und Betriebsgeheimnissen“.

          Der Zahlungsabwickler macht laut einem neuen Bericht der „FT“ unerwartet viel Geschäft über externe Bezahldienste. So habe das Dax-Unternehmen Anfang des vergangenen Jahres Umsätze von Geschäften mit Lizenzpartnern in Höhe von 931 Millionen Euro eingeplant, wie die „FT“ am Freitag berichtete. Das sei rund die Hälfte des für 2018 anvisierten Erlöses gewesen. Letztlich machte der Konzern im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Euro Umsatz.

          Das Unternehmen bestreitet nicht, dass Geschäfte über externe Partner zum Geschäftsmodell gehören. Mehr als 50 Prozent des Transaktionsvolumens von Wirecard stamme aus Regionen „wie den Vereinigten Staaten, Lateinamerika und Asien, in denen das Unternehmen derzeit keine eigenen Acquiring- oder Issuing-Lizenzen besitzt, sondern mit Partnern wie lokalen Finanzinstituten und Dienstleistern zusammenarbeitet“, hieß es vom Unternehmen. Acquiring und Issuing bezeichnet im Geschäft von Zahlungsabwicklungen die Ausgabe und Akzeptanz von elektronischen Zahlungslösungen wie etwa Online-Kreditkarten und mobilem Bezahlen.

          Unter den Partnerfirmen seien auch „merkwürdige“ Unternehmen, die ihr Geschäft unter anderem mit Zahlungsabwicklung von Online-Pornoseiten und Glücksspiel machten, zitiert die Zeitung aus von ihr eingesehen Dokumenten. Die Schriftstücke legten dem Blatt zufolge nahe, dass Wirecard einige dieser Geschäfte als zu sensibel eingeschätzt habe, um sie direkt selbst abzuwickeln.

          WIRECARD

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Die Titel fielen am Freitag um bis zu 8,8 Prozent auf 111,60 Euro und waren damit Schlusslicht im Dax. In den vergangenen Wochen hatten kritische Berichte der „FT“ mehrfach zu heftigen Kursabstürzen der Aktie geführt, aktuell notiert sie mit 116,50 Euro deutlich unter dem Niveau von vor dem Bekanntwerden von Problemen in Singapur - da notierte die Aktie noch bei rund 170 Euro.

          In den Berichten ging es um Vorwürfe angeblich krimineller Manipulationen von Wirecard-Manager in Singapur. Die Singapurer Kanzlei Rajah & Tann hatte im Auftrag von Wirecard Hinweise eines Whistleblowers in Singapur untersucht. Die „Financial Times“ hatte einen frühzeitigen Zwischenbericht öffentlich gemacht. Die Münchner Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht Bafin prüfen in diesem Zusammenhang, ob es illegale Kursmanipulationen durch Spekulanten gab.

          Dem nun Anfang der Woche von Wirecard veröffentlichten Bericht der Anwälte zufolge gab es zwar Verstöße von Wirecard-Mitarbeitern in Singapur gegen Buchungsvorschriften, nicht aber Scheinumsätze mit verschobenen Geldern oder Bestechung. Wie Wirecard weiter mitteilte, ergaben sich laut Zusammenfassung des Untersuchungsberichts keine Hinweise auf Gesetzesverstöße in der deutschen Konzernzentrale.

          Einige Wirecard-Mitarbeiter in dem südostasiatischen Stadtstaat könnten laut Rajah & Tann aber gegen das Singapurer Recht verstoßen haben. Das Unternehmen überlegt nun mögliche Konsequenzen für die Betreffenden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.