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Zehn Jahre nach der Krise : Neue Spekulationswelle auf Amerikas Häusermarkt

  • -Aktualisiert am

Begehrte Handelsobjekte: Amerikanische Einfamilienhäuser wie hier in Walpole in Massachusetts Bild: AP

Das erinnert an die Zeit vor der Finanzkrise: Viele Amerikaner hoffen wieder auf den schnellen Reichtum mit Immobilien. Und die Banken der Wall Street helfen kräftig mit.

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          Als die amerikanische Häuserkrise noch keine Krise war, sondern noch schnellen Reichtum mit dem Kauf von Eigenheimen versprach, liefen im Fernsehen zwei populäre Reality-Serien. Der Kabelsender A&E brachte von 2004 an die Sendung „Flip This House“. Nur ein Jahr später zog der Sender TLC mit „Flip That House“ nach. Beiden Sendungen war gemein, dass es um Leute ging, die Häuser kauften, sie rasch renovierten und dann umgehend zu einem höheren Preis weiterverkauften – also „flippten“ oder drehten, wie das in der Umgangssprache heißt.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die zweite Gemeinsamkeit war, dass die Serien im Zuge der Krise wieder eingestellt wurden. Als die Häuserpreise purzelten und Immobilien massenweise zwangsversteigert wurden, wollte niemand mehr solche Geschichten sehen, noch nicht einmal als Wiederholung.

          Heute, zehn Jahre nach der Krise, setzen die einschlägigen Fernsehsender wieder auf ähnliche Formate. Im Haus- und Gartensender HGTV gibt es mehr als zehn Sendungen, die sich mit Häuser-Flipping beschäftigen: Angefangen mit „Five Day Flip“, in dem Cherie Barber, eine blonde Australierin in Arbeitshandschuhen und Schutzbrille, „vernachlässigte oder zwangsversteigerte“ Objekte sucht und sie in gefragte Immobilien mit „tonnenweise Potential zum Wiederverkauf“ transformiert.

          Es gibt Flip-Serien über die Südstaaten-Metropole Atlanta, die Musikstadt Nashville und das Spielerparadies Las Vegas. „Florida Flippers“ folgt John und Whitney Spinks bei ihren Abenteuern im Immobilienmarkt von Jacksonville. Zuschauer könnten miterleben, wie das auf kreative Weise „schöne und funktionale Eigenheime schafft“, die dann für Spitzenpreise (Top Dollar) weiterverkauft werden.

          Das Geschäft mit dem „Flippen“

          Die Fernsehproduzenten scheinen eine gute Nase für Trends zu haben. Denn in der Tat ist Häuser-Flippen in Amerika so populär wie vor der Krise. Im vergangenen Jahr wurden in den Vereinigten Staaten nach Angaben des Informationsdienstes Attom Data Solutions insgesamt 207.088 Einfamilienhäuser oder Wohnungen innerhalb von zwölf Monaten weiterverkauft. Das ist das höchste Niveau seit elf Jahren und bereits das zweite Jahr in Folge mit mehr als 200.000 Transaktionen.

          Fast 6 Prozent aller im vergangenen Jahr verkauften Einfamilienhäuser und Wohnungen waren Flips. Auch das Volumen der für diese Transaktionen aufgenommenen Kredite befindet sich mit 16,1 Milliarden Dollar auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Das Kreditvolumen ist gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent angeschwollen.

          Die Wall Street hat dieses lukrative und wachsende Nischengeschäft entdeckt. Im Oktober des vergangenen Jahres kaufte die Investmentbank Goldman Sachs den kalifornischen Finanzierer Genesis Capital, der auf Kredite für Flip-Transaktionen spezialisiert ist. Genesis hat im Jahr 2016 Kredite im Volumen von 1 Milliarde Dollar vergeben, schon zwanzigmal so viel wie nur drei Jahre zuvor.

          Mitte Mai hat die große Beteiligungsgesellschaft KKR ihr Investment am Finanzierer Toorak Capital von zunächst 75 Millionen Dollar im Jahr 2016 auf 250 Millionen Dollar aufgestockt. Die in New Jersey beheimatete Gesellschaft kauft an Eigenheim-Flipper vergebene Kredite in Amerika und Großbritannien auf. Damit wird die weitere Vergabe dieser Darlehen finanziert, die oft von Online-Gesellschaften wie Peer Street oder Lending Home vergeben werden.

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