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Neue Quartalszahlen : Uber zwischen Verlust und Hoffnung

Uber-Chef Khosrowshahi präsentiert die neuen E-Bikes vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Bild: Thomas Koehler/photothek.net

Aller Skandale zum Trotz wächst der Fahrdienst Uber weiter rasant. Doch von Gewinnen ist er noch weit entfernt.

          Vor fast genau einem Jahr wurde Dara Khosrowshahi zum Vorstandsvorsitzenden von Uber berufen. Er folgte auf den Mitgründer Travis Kalanick, der den Posten nach einer Serie von Enthüllungen und Affären auf Druck von Investoren abgeben musste.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Uber ist zum Beispiel vorgeworfen worden, Diskriminierung und sexuelle Belästigung in der Belegschaft zu dulden. Zudem wurde das Unternehmen Gegenstand eines spektakulären Rechtsstreits mit der Alphabet Holding um den Internetkonzern Google, in dem es um Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen ging.

          Khosrowshahi versucht seit seinem Antritt, Ruhe in das Unternehmen zu bringen und den ramponierten Ruf wieder aufzupolieren. Er trat sogar selbst in Werbespots auf und sprach dabei von einer „neuen Kultur“ und „neuen Richtung“ bei Uber.

          41 Prozent mehr Buchungen

          Ob es mit seiner Charme-Offensive zusammenhängt oder nicht: Uber bleibt trotz aller Negativschlagzeilen auf Wachstumskurs. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Der Fahrdienst ist damit auf gutem Weg, in diesem Jahr die Umsatzmarke von 10 Milliarden Dollar zu überspringen.

          Der Umsatz ergibt sich aus den Einnahmen aus Uber-Fahrten, den sogenannten „Buchungen“, abzüglich des Geldes, das bei den Fahrern verbleibt. Im vergangenen Quartal gab es Buchungen im Volumen von  12 Milliarden Dollar und damit 41 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Aber auch wenn das Unternehmen weiter rasant wächst: Es weist noch immer hohe Verluste aus. Im zweiten Quartal lag der Reinverlust bei 891 Millionen Dollar. Das war zwar weniger als vor einem Jahr, als es einen Fehlbetrag von 1,1 Milliarden Dollar gab.

          Es war aber auch eine Verschlechterung im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres, als sich der Verlust – ohne Berücksichtigung von Sonderposten – auf 550 Millionen Dollar beschränkte. Unter dem Strich wies Uber damals sogar einen Reingewinn von 2,5 Milliarden Dollar aus, der aber auf Erträge im Zusammenhang mit dem Rückzug des Unternehmens aus Südostasien und Russland zurückging.

          Investitionen in „Große Wetten“

          Uber-Chef Khosrowshahi wertete die Ergebnisse dennoch positiv und sprach von einem „weiteren großartigen Quartal“ mit Wachstumsraten, die angesichts der Größe, die das Unternehmen mittlerweile schon erreicht habe, „beeindruckend“ seien.

          Womöglich um die fortdauernden Verluste zu erklären, fügte er hinzu, dass Uber weiter bewusst in „große Wetten“ investiere. Er nannte als Beispiele Uber Eats, den Lieferdienst für Essen, Angebote rund um elektrische Fahrräder und Tretroller sowie die Expansion in aussichtsreiche Märkte wie den Nahen Osten oder Indien, in denen das Unternehmen im Gegensatz zu manchen anderen Auslandsregionen offenbar bleiben will.

          Uber versucht in jüngster Zeit, jenseits seines angestammten Fahrdienstes neue Segmente zu erschließen. In diesem Jahr kaufte das Unternehmen Jump, einen Verleihdienst für elektrische Fahrräder, und beteiligte sich an Lime, einem Anbieter  elektrischer Tretroller, die in jüngster in einigen amerikanischen Städten sehr populär geworden sind. Dafür kündigte Uber kürzlich an, die Entwicklung selbstfahrender Lastwagen aufzugeben.

          Investoren wollen selbstfahrende Autos stoppen

          Wie die Branchenpublikation „The Information“ am Mittwoch meldete, drängen Investoren das Unternehmen auch dazu, seine Aktivitäten rund um selbstfahrende Autos einzustellen. Hier geriet Uber in diesem Jahr ins Zwielicht, als eines seiner Roboterfahrzeuge in einen tödlichen Unfall in Arizona verwickelt war.

          In seinem Kerngeschäft kämpft Uber derweil mit einigen neuen Herausforderungen. Die Stadt New York beschloss erst in der vergangenen Woche, ein Jahr lang keine neuen Lizenzen mehr an Fahrer von Chauffeurdiensten wie Uber auszugeben. Das unterstreicht, dass Uber sich noch immer der Gefahr neuer Regulierungsversuche ausgesetzt sieht.

          Als bislang nicht börsennotiertes Unternehmen wäre Uber eigentlich nicht dazu verpflichtet, Geschäftsergebnisse zu veröffentlichen. Trotzdem gibt der Fahrdienst seit einiger Zeit freiwillig Einblicke in sein Zahlenwerk, er scheint also der Auffassung zu sein, sich in die richtige Richtung zu bewegen.

          Khosrowshahi peilt an, im nächsten Jahr an die Börse zu gehen. Es dürfte einer der größten Börsengänge aus der Technologiebranche seit langer Zeit werden. Investoren haben Uber zuletzt mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertet.

          Das liegt über der derzeitigen Marktkapitalisierung des Elektroautoherstellers Tesla – einem Unternehmen, das im Moment verglichen mit Uber entgegengesetzte Pläne verfolgt und über einen Rückzug von der Börse nachdenkt.

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