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Bankenfusion : Neue Spekulationen treiben Commerzbank-Aktienkurs

  • Aktualisiert am

Zusammen oder getrennt? Deutsche Bank und Commerzbank werden aufmerksam beobachtet. Bild: dpa

Und ewig lockt die Schimäre der „Deutschen Commerzbank“. Jetzt soll angeblich der Großaktionär Cerberus nichts mehr gegen eine Fusion haben. Das sorgt für Aufschläge am Aktienmarkt.

          Deutschland sucht die Super-Bank, heißt es derzeit rund um die Börse. Immer wieder flackert die Debatte auf, ob ein Zusammenschluss der Deutschen Bank und der Commerzbank eine gute Idee ist oder nicht. Am Mittwoch gibt das dem Aktienkurs der Commerzbank abermals Auftrieb. Dieser legt um knapp 5 Prozent zu und erreicht den höchsten Stand des laufenden Jahres.

          Anlass ist, dass der Finanzinvestor Cerberus, mit einem Anteil von rund 5 Prozent immerhin zweitgrößter Anteilseigner einem Zusammenschluss nicht länger im Wege stehen würde. Das wird zumindest so verbreitet unter Berufung auf „eine mit den Überlegungen des Finanzinvestors vertraute Person“. Cerberus glaube weiterhin, dass Deutschland groß genug für zwei Banken sei. Die Frage sei, ob die Deutsche Bank und die Commerzbank es aus eigener Kraft zurück in die Erfolgsspur schafften. Der Investor habe noch nicht entschieden, ob aus seiner Sicht eine Fusion notwendig sei. Eine Steelungnahme zu diesem Thema gibt es aber weder von der Deutschen Bank, noch von der Commerzbank und schon gar nicht von Cerberus. Das Unternehmen ist auch bei der Deutschen Bank im Boot. Diese lässt sich beim Konzernumbau von Cerberus  beraten.

          Die Deutsche Bank hatte zwar 2018 nach drei Verlustjahren in Folge erstmals wieder einen Gewinn gemacht, doch die Kosten bleiben hoch und die Renditen niedrig. Die Eintrübung der Konjunktur treibt vielen Beobachtern die Sorgenfalten auf die Stirn. Eine Rezession würde sowohl die Deutsche Bank als auch die Commerzbank hart treffen, viel Polster für magere Zeiten haben sie beide nicht.

          COMMERZBANK

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          Die Entwicklung im Bankensektor zu diskutieren sei Aufgabe der Regierung, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD) Anfang Februar. Man spreche auch über die Situation bei einzelnen Häusern, „für den Fall, dass etwas getan werden muss“. Scholz hat immer wieder die Bedeutung einer starken deutschen Großbank betont und kritisiert, dass es in den vergangenen Jahren in Deutschland keine Industriepolitik in der Finanzbranche gegeben habe.

          Was allerdings ein Irrtum ist, denn auch an früheren Fusionen wie etwa der Bayerischen Vereinsbank mit der Bayerischen Hypobank war die Politik zumindest involviert. Ganz zu schweigen ist von den Sparkassen und auch den Landesbanken, an deren Debakel die Politik maßgeblich beteiligt war. Auch ist der Bund schon seit einem Jahrzehnt an der Commerzbank beteiligt und hält auch heute noch gut 15 Prozent. Die zur Deutschen Bank gehörende Postbank war früher auch einmal eine mittelbare Staatsbank, die 1999 dann von der Deutschen Post erworben wurde, an der die staatseigene KfW auch heute noch 20 Prozent hält. Diese war auch 2009 noch Großaktionär, als die Postbank an die Deutsche Bank ging.

          Durch den Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde das mit Abstand größte deutsche Geldhaus. Dieser Riese hätte eine Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro, 38 Millionen Privat- und mehrere zehntausend Firmenkunden. Doch der neue nationale Champion wäre mit einem Börsenwert von rund 25 Milliarden Euro immer noch deutlich kleiner als viele europäische Konkurrenten - ganz zu schweigen von den Wall-Street-Banken, die den Deutschen längst enteilt sind.

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          Viele Investoren bezweifeln, dass ein Zusammenschluss die Institute wirklich voranbringen würde. „Die beiden Banken haben viel zu viele überlappende Geschäfte, als dass sie sich sinnvoll ergänzen würden“, sagte Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW. Nach einer Fusion wären sie jahrelang mit sich selbst beschäftigt. „Die Konkurrenz hätte leichtes Spiel und würde weiter davoneilen.“ Die Commerzbank ist international zudem vergleichsweise wenig präsent.

          Christian Scarafia, Bankenanalyst bei der Ratingagentur Fitch, warnte vor den Herausforderungen eines Zusammenschlusses. „Jede Fusion dieser Größe würde erhebliche Umsetzungsrisiken bei der Integration mit sich bringen.“

          Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing will von einer Fusion bislang nichts wissen. „Wir haben unseren Plan und den arbeiten wir ab“, sagte Sewing Anfang Februar bei der Jahrespressekonferenz. „Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.“ Auch Commerzbank-Chef Martin Zielke betont, das Geldhaus komme bei seinem Konzernumbau voran und sei auf Kurs. Angesichts des Absturzes der Deutschen-Bank-Aktie hätten die Commerzbank-Aktionäre an einem fusionierten Institut einen Anteil von gut einem Drittel - deutlich mehr als das in der Vergangenheit möglich gewesen wäre.

          Für Cerberus war das Engagement bei den beiden Frankfurter Instituten bislang nicht von Erfolg gekrönt. Die Amerikaner waren im Herbst 2017 mit 3 Prozent bei der Deutschen Bank eingestiegen. Seit dem der Cerberus-Einstieg bekannt wurde hat die Deutsche-Bank-Aktie gut die Hälfte ihres Werts verloren, bei der Commerzbank ging es fast 40 Prozent in die Tiefe.

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