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Konkurrenz lauert : Herbe Enttäuschung von Netflix

Netflix hat die Anleger im vergangenen Quartal enttäuscht. Bild: AP

Der Videodienst gewinnt weniger Kunden als erwartet. Auf seinem Heimatmarkt schrumpfen die Abonnentenzahlen sogar. Die Aktie verliert deutlich an Wert, denn die Sorgen werden auch in Zukunft nicht weniger.

          Netflix hat mit seinen am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen für eine herbe Enttäuschung gesorgt. Der Videodienst hat in den vergangenen drei Monaten deutlich weniger Kunden gewonnen als erwartet. In seinem amerikanischen Heimatmarkt sind die Abonnentenzahlen sogar zum ersten Mal seit vielen Jahren geschrumpft. Die Börse zeigte sich schockiert, der Aktienkurs fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 12 Prozent. Zuvor hatte die Netflix-Aktie seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert gewonnen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Insgesamt meldete Netflix für die vergangenen drei Monate einen Zuwachs bei seinen Abonnentenzahlen um 2,7 Millionen auf 151,6 Millionen – und lag damit weit unter seiner eigenen Prognose von 5,0 Millionen neuen Kunden. Netflix führte mehrere Gründe an: Nach Einschätzung des Unternehmens haben sich Preiserhöhungen negativ ausgewirkt, die es in verschiedenen Regionen der Welt gegeben hat, darunter in Amerika und auch in Deutschland. Zudem sei die Palette von Filmen und Fernsehshows im vergangenen Quartal nicht so zugkräftig gewesen wie erhofft.

          Weiter verwies Netflix auf das gute Abschneiden im ersten Quartal, als so viele Neukunden gewonnen wurden wie noch nie. Möglicherweise habe das die Entwicklung im Folgequartal beeinträchtigt. In den Vereinigten Staaten fiel die Zahl der Kunden um 130.000 auf 60,1 Millionen. Außerhalb der amerikanischen Heimat gab es einen Zuwachs um 2,8 Millionen auf 91,5 Millionen.

          Netflix wies ausdrücklich darauf hin, die Konkurrenz sei für die Abschwächung im vergangenen Quartal nicht verantwortlich gewesen. In der Wettbewerbslandschaft habe sich in diesem Zeitraum nicht viel getan. Das wird sich aber schon bald ändern, denn Netflix muss sich auf einige prominente neue Rivalen einstellen. Im Herbst will der Unterhaltungsgigant Walt Disney seine neue Videoplattform „Disney+“ starten, und das ist in mehrerlei Hinsicht eine Bedrohung für Netflix.

          NETFLIX INC. DL-,001

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          Nicht nur verfügt Disney über eine große und attraktive Bibliothek von Filmen und Fernsehshows. Viele dieser Inhalte waren bislang zudem auf Netflix zu sehen, werden aber bald von Disney auf seinen eigenen Videodienst abgezogen. Disney unterbietet Netflix zudem im Preis. Neben Disney will auch der Elektronikkonzern Apple im Herbst ein kostenpflichtiges Videoangebot starten.

          „Friends“ und „The Office“ verlassen Netflix

          Die neue Konkurrenz wird Netflix nicht nur Disney-Inhalte kosten. Auch die Fernsehshows „Friends“ und „The Office“, die zu den populärsten Titeln auf Netflix gehören, werden in den kommenden Jahren verschwinden. In seinem Quartalsbericht versuchte das Unternehmen, dies in ein positives Licht zu rücken. Da Lizenzgebühren für diese Shows entfielen, bliebe mehr Geld für eigene Produktionen. Zudem hätten selbst die populärsten Titel am Netflix-Konsum nur einen Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

          Mit Blick auf das dritte Quartal zeigte sich das Unternehmen optimistisch und stellt eine schnelle Wende in Aussicht. Es sagte einen Anstieg der Kundenzahlen um insgesamt sieben Millionen voraus, was über den Erwartungen von Analysten lag. Auch in Amerika soll es wieder einen Zuwachs geben. Netflix sagte, das neue Quartal sei unter anderem dank einer neuen Staffel der Serie „Stranger Things“ gut angelaufen.

          Trotzdem bleiben Sorgen, dass das Unternehmen vor großen Herausforderungen steht. Analyst Eric Haggstrom vom Marktforschungsinstitut Emarketer äußerte nach der Vorlage der Zahlen zwar Hoffnung, dass das kommende Quartal besser werde, sagte aber auch: „Netflix hat wegen der sich abzeichnenden Konkurrenz und des Wegfalls beliebter Inhalte einen schwierigen Weg vor sich.“ Und die Beratungsgruppe PwC schrieb kürzlich in einer Studie, dass Netflix auf dem amerikanischen Heimatmarkt Stagnation drohe. Der Pioniervorteil, der dem Unternehmen bislang geholfen habe, werde im Zuge der verstärkten Konkurrenz immer kleiner.

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