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Negativzinsen : Kurzlaufende Anleihen statt Tagesgeld

Verteidigt die EZB eine Zinspolitik mit unerwünschten Folgen? Bild: Rojas, Diana Cabrera

Waren die Negativzinsen geplant? Fondsmangerin Tatjana Greil-Castro hat Zweifel und empfiehlt kurzlaufende Anleihen als Alternative zum Tagesgeld.

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          „Die Welt wurde ein bisschen auf den Kopf gestellt“, sagt Tatjana Greil-Castro mit Blick auf die Geldpolitik der vergangenen sieben Jahre. Die Rentenfondsmanagerin der Gesellschaft Muzinich äußert sich insgesamt sehr skeptisch. „Ich bin nicht sicher, dass das 2012 so gedacht war, wie es gekommen ist. Die Notenbanken haben sich aber in die Ecke manövriert, und jetzt verteidigen sie ihre Politik.“

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dass die Negativzinsen den Banken Probleme bereiten, habe man mittlerweile eingeräumt. „Aber was ist mit den Kleinsparern oder den Pensionisten?“, fragt die Österreicherin und sagt: „Es war der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze der EZB. Lagarde ist eine gute Wahl und besser als so manch anderer Kandidat, der da gehandelt wurde.“

          Risiken nicht mehr adäquat bezahlt

          Doch es ist nicht allein der geldpolitische Kurs unter Mario Draghi, an dem sich Greil-Castro stößt. „Die EZB richtet ihr Inflationsziel immer noch klassisch am Verbraucherpreisindex aus. Dabei bildet dieser die wahre Inflation gar nicht mehr ab, weil er den dynamischen Wandel der vergangenen Jahre nicht mitvollzogen hat. Aber die EZB will nicht wechseln, weil sie Angst um ihre Glaubwürdigkeit hat.“

          Aber nun stehe man vor der Situation, dass das Risiko vieler Anleihen nicht mehr adäquat bezahlt werde. Gleichzeitig seien auch Aktien hoch bewertet und Liquidität schon gar keine Option mehr, weil immer mehr Banken für Spar- und Sichteinlagen Zinsen verlangten. „Aus Sicht der Banken ist das durchaus verständlich. Sie müssen Spareinlagen mit Eigenkapital unterlegen und zahlen für ihre eigenen Einlagen bei der EZB selbst Zinsen“, sagt Greil-Castro. Doch Anleger bringe das nun einmal in ein ernstes Dilemma.

          Fondsmanagerin Tatjana Greil-Castro zweifelt daran, dass die Negativzinsen so von den Notenbanken gewollt waren.

          Greil-Castro managt indes einen Fonds, der sich zumindest als Teilalternative anbieten könnte. Die Österreicherin investiert in Anleihen mit kurzer Restlaufzeit. Diese seien vergleichsweise schwankungsarm und sind somit am Ende dem Geldmarkt deutlich näher. „Je näher das Laufzeitende rückt, desto geringer wird das Zinsänderungsrisiko“, erklärt sie. „Damit tendiert der Nominalwert immer mehr zu 100 Prozent, was die Anleihen vergleichsweise wertstabil macht.“

          Früher hätten Investoren sich dies zunutze gemacht, indem sie häufig einfach einzelne Anleihen von Emittenten mit großen Markennamen kauften, zu denen sie eine emotionale Verbindung gehabt hätten. Doch diese brächten heute eben auch in der Regel negative Renditen, nicht zuletzt weil sie häufiger auf den Kauflisten von Indexfonds zu finden seien. Daher sei auch diese Anlage heute schwieriger geworden. „Wir konzentrieren uns daher auf weniger bekannte Namen, und dafür betreiben wir auch eine aufwendigere Analyse. Wir sind bei Roadshows und Emissionen schon dabei und kaufen nicht nur am Markt.“ Gelegenheiten gebe es genug, um ein Fondsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich unterzubringen.

          Ein bisschen Schwanken muss es dürfen

          In Jahr 2019 hat Greil-Castros „Enhancedyield Short-Term Fund“ einen Wertzuwachs von mehr als 4 Prozent erzielt. Bei jährlichen Gesamtkosten von 0,5 Prozent und einem Ausgabeaufschlag von maximal 1 Prozent für Privatanleger bietet sich dies vielleicht nicht für Geld an, das stets liquide sein muss, für eine Zusatzreserve schon.

          Euro-Kurzläuferfonds für Privatanleger, die im Euroraum anlegen, boten 2019 in der Regel bei einer Schwankungsbreite (Volatilität) zwischen 0,4 und 2 Prozent Renditen zwischen minus 0,3 und 4 Prozent. Dabei gilt, dass vergleichsweise schwankungsarme Fonds auch die geringsten Renditen erzielten. Eine große Zahl weist eine Volatilität von nur 0,4 und 0,6 Prozent aus, aber auch nur einen Wertzuwachs im Jahr 2019 von nicht mehr als 0,7 Prozent. Nur einige wenige Fonds brachten es bei einer nur wenig höheren Schwankungsbreite um 1,5 Prozent – was immer noch ein eher niedriger Wert ist – auf einen Wertzuwachs zwischen 2 und 4 Prozent.

          Einige brachten es zwar sogar auf 6 Prozent und mehr, doch lag deren Volatilität bei deutlich mehr als 4 Prozent. Die verhältnismäßig niedrige Schwankungsbreite des Fonds sieht Greil-Castro nicht zuletzt als Ergebnis einer Strategie, die nicht vorrangig auf Renditeoptimierung zielt. „Man muss wissen, was man nicht wissen kann und welche Erfolgskomponenten man beeinflussen kann, um ein Portfolio stabil zu halten und seine Zeit nicht zu vergeuden.“

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