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Keine Panik : Profitabel investieren nach dem Crash

Großer Schreck: Ein Börsenhändler in New York während der Griechenlandkrise. Bild: AFP

Wenn die Kurse zu Boden rauschen, bekommen viele Anleger Panik. Wer einen kühlen Kopf behält, kann offenbar trotzdem Gewinn machen.

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          Finanzkrise, New-Economy-Blase, Asienkrise – wenn die Börse kracht, herrscht bei vielen Anlegern der blanke Schrecken. Gleichzeitig gibt es immer ein paar, die denken: Der Schreck ist vollkommen übertrieben, so schlimm kann doch alles gar nicht sein. Doch wenn sie dann die Kauforder für ein paar Aktien geben wollen, flüstert der Hinterkopf die alte Börsenweisheit: „Greife nie in ein fallendes Messer!“

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ja, was denn nun? Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von Mitarbeitern des amerikanischen Finanzministeriums und der angesehenen Yale University gibt einen Anhaltspunkt.

          Die Forscher stellten fest, dass im Fall eines großen Börsenkrachs offenbar tatsächlich regelmäßig die Panik so weit mit den Anlegern durchgeht, dass sie ihre Aktien oder Anleihen in übertriebenem Maß verkaufen – so, wie es Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller schon lange vorhergesagt hat: Wenn die Preise erst mal in die Knie gehen, hält das immer mehr Anleger vom Kauf ab, so dass die Preise noch weiter in die Knie gehen. Der Preisverfall wird zu stark, und es entsteht eine so genannte „negative Blase“.

          Vorsicht vor den kleinen Crashs

          Dass es solche negativen Blasen tatsächlich gibt, haben die Ökonomen William Goetzmann und Dasol Kim jetzt vorgerechnet. Sie werten Kursdaten von mehr als 100 Aktienmärkten weltweit aus den vergangenen 400 Jahren aus, darunter auch die berühmte „Südsee-Blase“ im 18. Jahrhundert, die auch den Physiker Isaac Newton und den Schriftsteller Jonathan Swift viel Geld kostete.

          Das Ergebnis war deutlich: Wenn die Kurse erst mal innerhalb eines Jahres um die Hälfte gefallen waren, dann kann sich ein Einstieg tatsächlich lohnen. Nach so großen Kursverlusten stand in den folgenden zwölf Monaten durchschnittlich ein übermäßig hoher Kursgewinn an, die Aktien entwickelten sich um 14 Prozentpunkte besser als in Jahren nach einem Kursanstieg.

          Doch die Studie liefert auch gleich eine Warnung mit: Es sind nur die richtig großen Börsenkrachs, die solche Gewinnchancen bieten – nur die, in denen die Kurse innerhalb von zwölf Monaten um mehr als die Hälfte zurückgingen, so wie etwa in der New-Economy-Krise oder in der Finanzkrise. Wenn die Kurse innerhalb von zwölf Monaten dagegen nur um 40 Prozent oder weniger zurückgingen, standen für das Folgejahr im Durchschnitt weitere Verluste an.

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