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Die 100-Millardenstel-Sekunde : Neue Rechnergeschwindigkeiten für die Wall Street

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Au0en Glasfassade, innen Super-Computer: die Nasdaq. Bild: AFP

Zeit ist Geld. Das gilt an der Börse mehr als anderswo. Jetzt stößt sie in den Bereich der Hundert-Milliardstel-Sekunde vor. Neue Zeiten für den Hochfrequenzhandel.

          Computerwissenschaftler der Stanford University und Google haben eine Technik entwickelt, mit der sich die Zeit auf eine Hundert-Milliardstel-Sekunde genau bestimmen lässt. Treiber der Forschungen war nicht zuletzt die Börse Nasdaq, die von jeher als Technologiebörse gilt. Deren Systemingenieure haben kürzlich begonnen, einen entsprechenden Algorithmus zu testen, der ein Computernetzwerk mit einer Präzision im Nanosekundenbereich synchronisieren soll. Das berichtet die New York Times. Ein Prototyp habe funktioniert und nun sei man dabei, eine größere Version zu implementieren.

          Diese exakte Art der Zeitmessung ist essentiell, um die Millionen von Wertpapiergeschäften, die in den Systemen der Nasdaq plaziert werden, genau zu ordnen. Denn vor allem im Computerhandel ist Zeit Geld. Orders werden an der Börse nach der Reihenfolge des Eingangs abgearbeitet.

          Für oder gegen den Hochfrequenzhandel?

          So genannte Hochfrequenzhandelsfirmen plazieren Transaktionen in Sekundenbruchteilen. Dabei geht es nicht zuletzt darum, aufgegebene Wertpapierorders zu überholen, um durch einen Vorkauf Gewinne machen zu können. Wenn etwa der aktuelle Angebotskurs einer Aktie bei 20,00 Dollar steht und eine große Order mit einem Kauflimit von 20,05 Dollar hereinkommt, kann der Hochfrequenzhändler, wenn er schnell genug ist, die Aktien zu 20 Dollar kaufen und zu 20,05 Dollar weiter verkaufen. Davon bekommt der Kunde, der die große Order aufgegeben hat, nicht unbedingt etwas mit.

          Es gehe auch darum, angesichts der stärkeren Schwankungen an den Aktienmärkten, die die Erfolgsaussichten dieser Art von Handel vergrößern, zu verhindern, dass die Hochfrequenzhändler die langsameren Marktteilnehmer austricksen. Das neue System ermöglicht es jedem Computer, einen Auftrag mit einem Zeitstempel zu versehen. In einem vernetzten Markt sei diese Präzision nicht nur notwendig, um das zuvor beschrieben, sogenannte "Front-Running" zu verhindern. Jüngere europäische Vorschriften, die im Januar in Kraft traten, verpflichten Finanzinstitute, eben jene Zeitstempel mit Mikrosekundengenauigkeit zu gewährleisten.

          An der Nasdaq kann man sich zudem vorstellen, weltweit damit nicht nur Aktien zu handeln, sondern auch Eintrittskarten, Hotelzimmer oder Taxifahrten. Das Ganze könne man sich fast wie einen riesigen Flohmarktvorstellen, sagte Balaji Prabhakar, Elektroingenieur an der Stanford University der „New York Times“. Dabei geht es eben nicht nur um Geschwindigkeit, sondern auch um Synchronizität. Diese war bisher auch ein Faktor, der die Geschwindigkeit von Rechnern begrenzte.

          Der Hochfrequenzhandel macht in den Vereinigte Staaten in der Regel mehr als die Hälfte des täglichen Aktienhandelsvolumens aus und ist daher für die Börsen eine höchst wichtige Einnahmequelle. Umstritten ist, inwieweit sie daran mitwirken, dass Hochfrequenzhändlern, Möglichkeiten zu geben, unfaire Handeslpraktiken einzusetzen.

          Jedenfalls sind die Börsen gezwungen, den Hochfrequenzhandel einzudämmen, um ihre sonstige Kundschaft nicht verprellen. Sofern der Vorwurf zutrifft, dass im existierenden Handelssystem Investoren benachteiligt werden, sind deren Alternativen allerdings gering. Die Investors' Exchange (IEX) ist vor zwei Jahren mit dem Anspruch angetreten, faire Handelsmöglichkeiten für Investoren zur Verfügung zu stellen. Das Handelsvolumen der Nasdaq überstiegt das Volumen an der IEX immer noch um mehr als das Zwölffache.

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