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Finanzmärkte : Der nahende EZB-Entscheid macht die Anleger nervös

Wie umfangreich fällt das Maßnahmen-Paket aus, dass EZB-Präsident Draghi an diesem Donnerstag präsentiert? Bild: dpa

Sind die Markterwartungen mittlerweile so hoch, dass die Notenbank sie zwangsläufig enttäuschen wird?

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          Der bevorstehende Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Anleger am Dienstag von größeren Engagements an den Aktienmärkten abgehalten. „Viele haben Angst, jetzt neue Positionen einzugehen und dann auf dem falschen Fuß erwischt zu werden“, sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Während als vergleichsweise sicher gilt, dass die EZB den Zinssatz für Einlagen der Banken bei der Notenbank weiter ins Minus senken wird, vermutlich von minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent, ist nach wie vor unklar, ob sie von neuem Anleihekäufe tätigen wird.

          Finanzfachleute meinen, an den Renditen der Bundesanleihen ablesen zu können, dass der Markt jetzt sowohl eine weitere Zinssenkung als auch neue Anleihekäufe eingepreist hat. Am Dienstag lag die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit bei minus 0,57 Prozent und damit jedenfalls unterhalb des aktuellen negativen Einlagenzinssatzes der EZB von minus 0,4 Prozent.

          Das könnte zu einer Enttäuschung führen, meint etwa Franck Dixmier von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors: „Die Finanzmärkte, die ein größeres Stimulierungspaket erwarten, könnten enttäuscht werden – einer Zinssenkung um 20 Basispunkte wird am Markt eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent beigemessen, außerdem wird von einem Neustart des Anleihekaufprogramms ausgegangen.“ Die Erwartungen seien hoch und damit auch die Gefahr von Enttäuschungen, kommentierte auch Neil Wilson, Chefanalyst des Online-Brokers Markets.com.

          Infografik Draghis großes Lockerungspaket – das könnte die EZB am Donnerstag beschließen
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          Auch über die Frage, welche Wertpapiere am Donnerstag profitieren könnten, gibt es schon Spekulationen. „Wenn die Europäische Zentralbank wieder Unternehmensanleihen kauft, würde das zu einer Straffung der Risikoaufschläge für Papiere guter Bonität führen“, sagte Jim Leaviss von der Fondsgesellschaft M&G. Französische Emittenten und die Versorgerbranche hätten von früheren Anleihekäufen der EZB am meisten profitiert. „Wir gehen davon aus, dass Vergleichbares auch bei einem neuen Ankaufpaket der Fall wäre“, sagt Leaviss. Hingegen sei es unwahrscheinlich, dass die EZB jetzt auch Bankanleihen kaufen werde, das sei ein politisch zu heikler Schritt.

          Auf der anderen Seite spekulieren die Fondsmanager der Gesellschaft Natixis Investment Managers, dass Bankaktien in Europa einen regelrechten „Schub“ bekommen könnten, wenn am Donnerstag Erleichterungen für die Banken bei den Negativzinsen in Form einer Staffelung der Zinssätze oder in Form von Freibeträgen beschlossen werden sollten. Dieser Schritt gilt als im EZB-Rat umstritten, aber dennoch als möglich.

          Die Ratsmitglieder selbst äußern sich traditionsgemäß in der Woche vor einer Zinssitzung nicht mehr öffentlich. In den vorangegangenen Wochen hatte es aus dem Rat indes vor allem kritische Äußerungen zu möglichen neuen Anleihekäufen gegeben. Der Kreis der Kritiker war dabei größer als bei vielen früheren Entscheidungen. Unter anderem wurde in Frage gestellt, ob die Situation im Euroraum ausreichend ernst für einen weiteren, derart harten Eingriff der Notenbank sei.

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