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Nachfrage aus Autoindustrie : Rhodium und Palladium halten Rohstoffhändler in Atem

Derzeit heiß begehrt: Palladiumbarren Bild: Reuters

Die Preise für die Edelmetalle Palladium und Rhodium steigen dank hoher Nachfrage aus der Autoindustrie weiter massiv. Das hat Südafrikas darbender Platinbranche wieder auf die Füße geholfen.

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          Zwölf Jahre ist es her, seit Rhodium zum letzten Mal Rohstoffexperten in Atem gehalten hatte. Damals kostete eine Feinunze mehr als 10.000 Dollar, so viel wie nie zuvor und mehr als zehnmal so viel wie Gold. Jetzt steuert der Preis für das seltene Metall – manche nennen es „das edelste der Edelmetalle“ – wieder auf diesen Rekord zu. In dieser Woche wurden mehr als 9000 Dollar je Feinunze geboten, 50 Prozent mehr als zu Jahresbeginn und 260 Prozent mehr als vor einem Jahr.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Auch Palladium, wie Rhodium ein Schwestermetall von Platin, überrascht selbst erfahrene Edelmetallhändler. Anfang der Woche erreichte der Preis einen neuen Rekordwert von mehr als 2500 Dollar je Feinunze. Gegenüber dem Vorjahr ist der Preis um 80 Prozent gestiegen, verglichen mit einem Tief Ende 2008 ergebe sich sogar ein Anstieg um mehr als 1400 Prozent.

          Das Kursfeuerwerk lässt auch Privatanleger aufhorchen. Doch bisher gibt es nur wenige Exchange Traded Funds für die beiden Edelmetalle. Im Fall von Rhodium gibt es gar keinen Handel an regulierten Märkten. Die Hauptabnehmer aus der Industrie verhandeln direkt mit den Minenkonzernen und sind auf Diskretion bedacht. Der Markt ist klein, illiquide und intransparent.

          Ursache Autoindustrie

          Die Ursache des starken Preisanstiegs der Metalle sehen Händler in einer kräftigen Nachfrage aus der Autoindustrie. Platinmetalle kommen in Abgaskatalysatoren zum Einsatz. Zwar fiel jüngst der Autoabsatz sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in China, dem größten Automarkt auf der Welt. Doch gleichzeitig wurden die Abgasvorschriften in China verschärft, Indien wird folgen. Der Absatzrückgang werde durch höhere Beladungen in den Katalysatoren überkompensiert, sagt Hans-Günter Ritter, Chef des Edelmetallhandels von Heraeus, dieser Zeitung.

          Palladium

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          Der Aufschwung für Rhodium und Palladium ist zum Teil auch dem Diesel-Skandal geschuldet. Die beiden Edelmetalle werden vorrangig in Katalysatoren für Benziner verwendet, während sich Platin eher für Dieselfahrzeuge eignet. Während sich nun die Preise für Palladium und Rhodium in vier Jahren vervielfachten, legte der Platinpreis gerade einmal um 25 Prozent zu. Zusätzlich kommen für Platin aus der Schmuckindustrie wenige Impulse, vor allem aus China und Hongkong.

          Hauptgewinner des Rummels ist Südafrikas Bergbau. Das Land ist der mit Abstand wichtigste Lieferant von Platin und Rhodium auf der Welt und der zweitwichtigste Palladiumproduzent.Im Gegensatz zu Rhodium fällt Palladium nicht nur bei der Platin-, sondern auch bei der Nickelförderung als Nebenprodukt an. „Für die Platinbranche ist das nicht nur ein Licht am Ende des Tunnels, es ist ein gigantischer Scheinwerfer“, sagt Peter Major vom Investitionshaus Mergence in Johannesburg. Über Jahre hinweg schrieben viele Bergwerke Verluste, wurden immer wieder von Streiks erschüttert. Der einst drittgrößte Förderer, Lonmin, erlebte einen so rapiden Niedergang, dass er schließlich zum Schnäppchenpreis übernommen wurde.

          Nun beleben ausgerechnet die Nebenprodukte die gebeutelte Branche. „Wir haben noch nie ein solches Preisniveau für Platinmetalle insgesamt gesehen“, sagt Major. „Es ist eine sensationelle Entwicklung.“ Die Reaktionen an der Johannesburger Börse sind entsprechend: Der Aktienkurs von Anglo Platinum, einen Teil von Anglo American, kletterte binnen Jahresfrist um rund 140 Prozent, während die Kurse der Rivalen Sibanye und Impala Platinum um mehr als 300 Prozent stiegen. Die letzten beiden hatten offenkundig den richtigen Riecher: Ende 2016 hatte Sibanye den amerikanischen Palladiumförderer Stillwater Mining für mehr als 2 Milliarden Dollar gekauft. Im vergangenen Jahr zog Impala mit der Übernahme von North American Palladium in Toronto für 800 Millionen Dollar nach.

          Die Platinförderer setzen nun viel daran, die Produktion auszuweiten, doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Denn mit einem höheren Palladium- und Rhodium-Ausstoß steigt auch das Platinangebot am Markt und drückt dessen Preis. Bei Rhodium handelt es sich überdies um eine Rarität in der Erdkruste. Jedes Jahr kommen nur etwas mehr als 20 Tonnen aus den Bergwerken auf den Markt. Um das Metall zu gewinnen, muss es zudem erst mühsam von Platin getrennt werden.

          Kein baldiges Ende

          Die Experten erwarten somit kein baldiges Ende des Preisauftriebs. Aber man müsse sich nach einer so starken Bewegung auf große Schwankungen einstellen, sagt Ritter. Die Nachfrage aus der Autoindustrie werde stark bleiben. Womöglich könnten die Preise aller Platinmetalle einen zusätzlichen Schub erhalten, sollten Südafrikas Minenkonzerne wegen einer Stromkrise abermals die Produktion drosseln müssen.

          Zumindest auf dem kleinen Rhodium-Markt zeigte sich in der Vergangenheit, wie schnell sich das Blatt auch wieder wenden kann. 2008 hielt sich der Preis nur kurz auf dem Rekordniveau und stürzte binnen weniger Monate von 10.000 auf weniger als 1000 Dollar je Feinunze ab.

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