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Nach Wirecard-Skandal : „Wir brauchen eine deutsche SEC“

Andreas Dombret war Bundesbank-Vorstand für den Arbeitsbereich Bankenaufsicht Bild: dpa

Der frühere Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret fordert einen Umbau der Finanzaufsicht in Anlehnung an die schlagkräftige amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC. Doch das System lässt sich nicht einfach kopieren.

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          Never waste a good crisis – verschwende nie eine gute Krise. Für Andreas Dombret, den ehemaligen Vorstand der Bundesbank, der dort zuletzt die Bankenaufsicht verantwortete, ist die Wirecard genau so eine Krise, die in vielen Bereichen des Finanzsektors nicht folgenlos bleiben darf. Angesprochen auf den konkreten Fall und die Rolle der Bafin, sagt Dombret im Gespräch mit der F.A.Z.: „Wenn man monatelang seine Bilanz nicht zubekommt, dann ist die Bankenaufsicht sicher nicht das Erste, was mir einfällt. Die Wirtschaftsprüfer dagegen schon“. Dombret ist seit zwei Jahren nicht mehr im Amt, arbeitet inzwischen als Berater. Seit kurzem auch für die Geschäftsleitung von Houlihan Lokey, einer Investmentbank, die vor zwei Wochen von Wirecard mandatiert wurde. Er ist an dem Mandat nach eigener Aussage aber nicht beteiligt.

          Inken Schönauer

          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Dombret will den Blick nach vorne richten. Was lässt sich aus dieser noch längst nicht ausgestandenen Krise lernen? Welche Defizite offenbart dieser Fall? Sein Thema ist dabei vor allem das System der Aufsicht, hierbei auch die Bafin, die derzeit so stark in der Kritik steht. „Die Grundvoraussetzungen für eine effiziente Finanzaufsicht sind vor allem Geschwindigkeit, Durchsetzungsvermögen und Anerkennung einer Aufsicht“, sagt Dombret. Das sei der Rahmen, in dem eine gute Aufsicht funktionieren könne. „Das ist aber auch der Rahmen, der notwendig ist.“ Dabei schwingt schon mit, dass die Aufsicht dabei nicht gut genug ausgestattet scheint. Dabei gibt es andere Vorbilder. „Wir brauchen so etwas eine deutsche SEC“, sagt Dombret und bringt damit die amerikanische Wertpapier-Aufsichtsbehörde ins Spiel.

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