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Nach Wahl in Österreich : Der Wahlsieg von Sebastian Kurz lässt die Anleger kalt

Auf der Bühne wird er am Sonntag. 29. September 2019, gefeiert, doch die Börse zeigt sich bisher unbeeindruckt von den Ergebnissen der Wahl in Österreich: Sebastian Kurz (ÖVP) Bild: AFP

Trotz des überlegenen Erfolgs der Konservativen und Haushaltsüberschuss beflügeln mögliche Koalitionsvarianten die österreichische Börse kaum. Die anstehenden Verhandlungen könnten den Markt weiter gefährden.

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          In Österreich zeigen sich Börsianer von der Parlamentswahl vom Sonntag mit starken Zugewinnen der konservativen Volkspartei (ÖVP) und Grünen wenig beeindruckt. Weder auf Festverzinsliche noch auf Aktien haben sich die Ereignisse merklich ausgewirkt. Der österreichische Leitindex ATX verlor leicht zum Nachmittag. Ebenso verhalten war das Umfeld bei vielen anderen Börsenbarometern.

          Michaela Seiser

          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Politische Börsen haben meist kurze Beine. Österreich ist als Markt für Unternehmen ohnehin klein. Der Großteil der österreichischen Unternehmen ist nach wie vor stark von Zentral- und Osteuropa abhängig und erwirtschaftet in den postkommunistischen Nachbarländern wesentliche Umsätze und Erträge.

          „Koalitionsvarianten für Wiener Börse schauen nicht rosig aus“

          Zwar hat die bisherige Kanzlerpartei ÖVP mit ihrem Frontmann Sebastian Kurz mit 38 Prozent eine starke Ausgangsposition. Doch dürfte es länger dauern, bis eine Regierung angelobt wird, da es in den nächsten Wochen Landtagswahlen gibt. Zudem werden mögliche Koalitionspartner den Preis hochtreiben. Die Ratingagentur Moody’s warnte am Montag, dass lange Regierungsverhandlungen und damit einhergehende politische Unsicherheit ein Risiko darstellen, sobald das auf Investitionen und Geschäftsklima durchschlage.

          Zudem dürften mögliche Bündnisse mit Grünen oder Sozialdemokraten den Kapitalmarkt kaum beflügeln, da es in beiden Fällen vermutlich Belastungen gibt. „Die Koalitionsvarianten für die Wiener Börse schauen nicht so rosig aus“, gibt Peter Brenzinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI) zu bedenken. Seiner Ansicht nach wäre das nur bei einer Koalitionsvariante mit den liberalen Neos der Fall, die jedoch über keine Mehrheit im Parlament verfügt. Dabei wäre es wichtig, den Kapitalmarkt zu stärken. Schließlich ist das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt und Marktkapitalisierung in Österreich vom europäischen Durchschnitt weit entfernt. Im EU-Durchschnitt liegt das Verhältnis bei 69,4 Prozent, in Österreich bei 36,4 Prozent. Brezinschek hofft jedenfalls, dass der beabsichtigten Finanztransaktionssteuer – aus seiner Sicht ein Nackenschlag für Österreichs Finanzmarkt – schon im freien Spiel der Kräfte vor der Neubildung der Regierung die Unterstützung entzogen wird.

          ATX AUSTRIAN TRADED EUR

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          Fritz Mostböck, Chefanalyst der Erste Group, sieht keinerlei große Auswirkungen auf den Kapitalmarkt: „Wenn, dann nur kurzfristig positiv und auf der Staatsrentenseite stabilisierend. Zugleich lobt er die Kapitalmarktausrichtung und -unterstützung des bisherigen ÖVP-Finanzministers Hartwig Löger als positiv. Vor allem sei eine Förderung für Analysten, die über die im internationalen Vergleich kleinen österreichischen börsennotierten Unternehmen berichten, fix und fertig in der Schublade gelegen. So ein „Research Coverage-Incentive Modell“ gebe es auch in Deutschland, der Schweiz oder Polen. Es sei nötig, um österreichische Firmen unterhalb der Top-10 im ATX mit einer Berichterstattung auch international für Investoren sichtbar und interessant zu machen.

          Vom Allzeithoch weit entfernt

          Unangenehm fällt Fachleuten indes die Kapitalertragsteuer (Kest) auf Wertpapiere auf. Sie beträgt derzeit 27,5 Prozent, bei Spareinlagen sind es 25 Prozent. Aus Sicht Mostböcks wäre es wichtig, diese KeSt zu senken, um auch wieder private Aktionäre an die Börse zu bringen. Profitiert hat die Regierung vom starken Wirtschaftsaufschwung in den zurückliegenden beiden Jahren sowie von der Steuerreform der Vorgängerregierung im Jahr 2016. Von der neuen Regierung erwarten Beobachter eine Fortsetzung der Budgetkonsolidierung. Immerhin erzielte die bisherige ÖVP-FPÖ-Regierung – die nach Bekanntwerden eines heimlich gedrehten Videos zur Korruptionsbereitschaft der FPÖ und deren Vorsitzenden Strache im Frühjahr platzte – im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 1974 einen Haushaltsüberschuss.

          Im Einklang mit den europäischen Vorgaben steht Österreich im kommenden Jahr vor einer weiteren Wachstumsabschwächung, im Jahr 2021 dürfte das Bruttoinlandsprodukt dann wieder stärker zulegen als im Jahr 2020. Dennoch wird Österreich stärker als der Euroraum und sein wichtigster Handelspartner Deutschland wachsen. Das BIP wird nach Einschätzung der RBI in diesem Jahr um 1,3 Prozent wachsen und 2020 um 0,8 Prozent. Für die Eurozone wird für 2020 nur ein Wachstum von 0,5 Prozent erwartet. Die Wachstumsverlangsamung sei vor allem auf die globale Konjunkturabkühlung zurückzuführen, von der auch Österreichs wichtigste Handelspartner betroffen seien.

          Wien ist ein Randmarkt, der in Hochphasen der Konjunktur profitiert. Deswegen hat sich der Leitindex ATX von 2015 an im Vergleich gut geschlagen. Dennoch ist er von seinem Allzeithoch von 5000 Punkten im Sommer 2007 weit entfernt. Seit Jahresbeginn schneidet der ATX mit einem Plus von fast zehn Prozent schwächer als die anderen Indizes in Europa ab. Vor allem seine Finanzlastigkeit und eine Dominanz von kleinen und mittleren Werten bestimmen neben der starken Ausrichtung der Unternehmen auf Osteuropa die Entwicklung.

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