https://www.faz.net/-gv6-9cvn3

Erwartungen übertroffen : Apple nähert sich der Billion

Apple-Logo in Frankfurt Bild: EPA

Der Elektronikkonzern Apple legt bessere Geschäftsergebnisse vor als erwartet – und ist nicht mehr allzu weit von einem Meilenstein an der Börse entfernt.

          Der amerikanische Elektronikkonzern Apple hat mit seinen am Dienstag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen. Der Aktienkurs des Unternehmens legte im nachbörslichen Handel zeitweise um fast vier Prozent auf ein neues Rekordhoch von mehr als 197 Dollar zu.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sollte der Konzern diese Kursgewinne auch im regulären Börsenbetrieb am Mittwoch realisieren, würde sich sein Börsenwert einer Billion Dollar weiter nähern. Am Dienstag zum Handelsschluss betrug dieser rund 935 Milliarden Dollar. Um die Billionenmarke zu knacken, müsste der Kurs von Apple auf einen Wert von etwas mehr als 203 Dollar steigen.

          Ausblick besser als erwartet

          Die Finanzmedien bewegt seit einiger Zeit die Frage, welches amerikanische Unternehmen zuerst eine dreizehnstellige Bewertung erreichen könnte: Apple oder der Online-Händler Amazon.com, der in diesem Jahr aufgeholt hat.

          Insgesamt meldete Apple für das abgelaufene Quartal einen Umsatzsprung von 17 Prozent auf 53,3 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt mit 52,4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Nettogewinn stieg um 32 Prozent auf 11,5 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie um 18 Cent auf 2,34 Dollar. Dies war höher als erwartet.

          Auch der Ausblick auf das kommende Quartal fiel besser aus als gedacht. Apple sagt einen Umsatz von 60 Milliarden bis 62 Milliarden Dollar voraus, was einem Wachstum von 14 bis 18 Prozent entsprechen würde.

          Apple

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Apple hat im abgelaufenen Quartal 41,3 Millionen iPhones verkauft und damit ein Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz mit den Geräten stieg aber um 20 Prozent auf 29,9 Milliarden Dollar, was vor allem am im vergangenen Herbst eingeführten teureren Flaggschiff-Handy iPhone X liegen dürfte.

          Dieses Gerät hat einen Startpreis von 1149 Euro (999 Dollar in Amerika). Nach seiner Einführung deuteten einige Indizien zunächst darauf hin, dass es sich schlechter verkauft als erhofft. Diese Sorgen haben sich aber nicht bewahrheitet, und wie der Vorstandsvorsitzende Tim Cook in einer Telefonkonferenz sagte, war es im abgelaufenen Quartal einmal mehr das meistverkaufte iPhone.

          Insgesamt standen iPhones für mehr als 55 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. Dieses Geschäftsquartal ist für iPhones üblicherweise das schwächste. Viele Menschen warten auf neue Varianten von Apples Vorzeigegerät, die im Herbst erwartet werden. Spekulationen zufolge will der Konzern diesmal drei neue iPhone-Modelle herausbringen.

          Weniger Macs

          Ein besonders starkes Wachstum gelang Apple einmal mehr mit seiner Dienstleistungssparte, zu der etwa die Musikplattform Apple Music, der Bezahldienst Apple Pay und der App Store gehören, in dem Programme für Geräte wie das iPhone verkauft werden. Hier stieg der Umsatz um 31 Prozent auf 9,5 Milliarden Dollar. Wie Cook sagte, hat der Konzern jetzt mehr als 300 Millionen Abonnenten für seine gebührenpflichtigen Dienste. Cook verriet außerdem, dass Apple Pay in diesem Jahr endlich nach Deutschland kommen soll. In Amerika wurde der Bezahldienst schon 2014 eingeführt.

          Deutlich zulegen konnte Apple im abgelaufenen Quartal auch in der Sparte, zu der die Computeruhr Apple Watch und die kabellosen Airpod-Kopfhörer gehören. Hier gab es ein Plus von 37 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar. Die Umsätze mit dem Tabletcomputer iPad und den Macintosh-Computern schrumpften dagegen um jeweils fünf Prozent.

          „Zölle sind der falsche Weg“

          Cook sprach in der Telefonkonferenz auch über die Handelspolitik der amerikanischen Regierung. Er sagte, Apple sei von den bislang verhängten Zöllen auf Stahl- und Aluminiumimporte sowie auf Einfuhren aus China nicht betroffen. Das Unternehmen prüfe aber noch die erst vor wenigen Wochen verkündeten Zölle auf weitere Waren aus China mit einem Importwert von 200 Milliarden Dollar.

          Cook sagte, es werde seine Perspektive mit der amerikanischen Regierung teilen. Die „New York Times“ hatte vor einiger Zeit berichtet, die Regierung um den Präsidenten Donald Trump habe Apple zugesagt, keine Strafzölle auf iPhone-Handys zu erheben. Bestätigt wurde dies nie. Der Elektronikkonzern lässt einen Großteil seiner iPhones in China produzieren.

          Cook sagte weiter, er halte zwar eine Modernisierung von Handelsvereinbarungen in einigen Fällen für notwendig, aber Zölle seien der falsche Weg. „Wir sind der Ansicht, dass Zölle eine Steuer für Verbraucher sind und am Ende in niedrigerem Wirtschaftswachstum resultieren.“ Der Manager zeigte sich aber auch optimistisch, dass die Vereinigten Staaten und China den gegenwärtigen Handelskonflikt beilegen werden. Zwischen den beiden Ländern gebe es eine „unvermeidbare Gegenseitigkeit“, und jedes von ihnen floriere nur, wenn dies auch für das andere gelte. „Wir hoffen, dass sich am Ende ruhige Köpfe durchsetzen.“

          Die Quartalszahlen von Apple hellen eine bislang sehr gemischte Bilanz der Technologiebranche in der laufenden Quartalssaison auf. Das soziale Netzwerk Facebook, der Kurznachrichtendienst Twitter und die Online-Videothek Netflix enttäuschten mit ihren Ergebnissen und Ausblicken. Der Online-Händler Amazon schaffte zwar einen Rekordgewinn, konnte aber ebenfalls nicht auf ganzer Linie überzeugen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eurofighter-Absturz : Nur ein paar Meter vom Kindergarten entfernt

          Ein Schock für die Menschen in Nossentiner Hütte, ein Schock für die Luftwaffe: Was über den Absturz der Eurofighter bislang bekannt ist – und wie die Bevölkerung reagiert. Ein Besuch vor Ort.

          Mitgliederentscheid : Das gefährliche Spiel der SPD

          Mit einem „Fest der innerparteilichen Demokratie“ will die SPD ihre neue Parteiführung bestimmen. Doch das birgt diverse Risiken – und könnte die neue Spitze schnell wieder in die Bredouille bringen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.