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Nach EZB-Entscheidung : Eurokurs rutscht ab

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Das Eurozeichen vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank Bild: dpa

Die Entscheidung der EZB, ihre Geldpolitik nur moderat zu straffen, wird am Aktienmarkt positiv aufgenommen. Der Kurs des Euro steht jedoch stark unter Druck.

          Die Entscheidung der EZB, den Leitzins zunächst nicht anzuheben und das Anleihekaufprogramm nur schrittweise zurückzufahren, belastet am Donnerstag den Kurs des Euro. Die Gemeinschaftswährung wertet für den Devisenmarkt bemerkenswert stark um 1,5 Prozent auf 1,1621 Dollar ab.

          „Die EZB hat es mit der Zinswende offenbar nicht eilig", sagt Ulrich Wortberg von der Helaba. Auch Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners konstatierte: "Bis jetzt sind einige von einer ersten Zinserhöhung im Juni 2019 ausgegangen. Nach der heutigen Kommunikation wird sich dies weiter nach hinten verschieben."

          „Wir haben heute eine Ankündigung der EZB erwartet, die Zinspolitik zu straffen, allerdings keine Verpflichtung, die Zinsen mindestens bis zum Sommer 2019 unverändert zu lassen", schreibt George Saravelos, Währungsexperte der Deutschen Bank laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Während der Markt eine Zinserhöhung erst gegen Ende des nächsten Jahres einpreist, halten wir die Einführung solch kalenderbasierter Ankündigungen für eine wesentliche negative Entwicklung für den Euro."

          EUR/USD

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          Nach der Entscheidung schlug der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einen ausgewogenen Ton an. Er sagte, es seien wesentliche Fortschritte bei der Reinflationierung erreicht worden, aber das Wachstum werde sich in diesem Jahr verlangsamen, während der Protektionismus ein Risiko bleibe.

          Die gemischte Botschaft der EZB folgt divergierenden Signalen aus Amerika und China. Die amerikanische Notenbank sieht hohes Wachstum in den Vereinigten Staaten, hat die Zinsen erhöht und insgesamt vier weitere Zinserhöhungen in diesem Jahr angedeutet. Die chinesische dagegen folgte dem unerwarteter Weise nicht, Grund sind wohl Wachstumssorgen nachdem sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Industrieproduktion im Mai die Schätzungen verfehlten.

          Die Kurse der deutschen Aktien drehten dagegen ins Plus. Lag der mit 100 Werten den deutschen Aktienmarkt breit abbildende F.A.Z.-Index vor der Entscheidung um bis zu 0,6 Prozent im Minus, so gewann er am Ende 1,5 Prozent auf 2548 Punkte.

          F.A.Z.-Index

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          Der Standardwerteindex übersprang nach der Pressekonferenz die Marke von 13.000 Punkten und verzeichnete mit 13.107 Punkten den höchsten Stand seit drei Wochen.

          Mit der geplanten Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe ab Oktober auf 15 Milliarden Euro und dem Ende der Käufe ab Januar steigt die Europäische Zentralbank schrittweise aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik aus. Jedoch wollen die Währungshüter aber auch weiterhin auf die Inflationsperspektiven achten. Zugleich versprach die EZB, ihre Leitzinsen auf dem aktuellen Niveau bis mindestens Sommer 2019 zu belassen.

          Am Markt war zuvor auch über ein abruptes Ende des Kaufprogramms spekuliert worden. Von der Erleichterung darüber, dass es zu keiner jähen Wende kam und vor allem von der größere Sicherheit über den Kurs der kommenden Monate profitiert jetzt der Aktienmarkt.

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