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Börsentreiber : Alles Hightech, oder was?

  • -Aktualisiert am

Das chinesische Unternehmen Tencent kooperiert über seinen Dienst Wechat mit Wirecard. Bild: dpa

Hinter den Kursgewinnen an Amerikas Börsen stecken momentan vor allem Technologieunternehmen. Ein deutscher Anleger braucht indes nicht unbedingt über den Atlantik zu blicken.

          Schon vor dem Start der neuen Bilanzsaison gehörten Amerikas Technologieaktien zu den Favoriten der Börsianer an der Wall Street. Im Vorfeld der „Earning Season“ hatte der Informationsdienst Factset berichtet, Analysten rechnen für nur die im Aktienindex S&P 500 abgebildeten Technologieaktien für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum von fast 25 Prozent – nach 21 Prozent am Anfang des Quartals.

          Nun hat mit Netflix zwar einer der Überflieger der vergangenen Monate eine für viele Marktteilnehmer enttäuschende Bilanz vorgelegt. Und sie reagierten sofort – der Aktienkurs des Videodienstes fiel um 15 Prozent im nachbörslichen Handel. „Investoren sind bereit, für Technologieaktien Aufschläge bei den Bewertungen zu zahlen, um ein Maximum an Wachstum zu erhalten. Bleibt dieses Wachstum aber aus, reagieren Anleger verschnupft.“, kommentierte das Jochen Stanzl, Analyst des Finanzunternehmens CMC Markets.

          Und die Old Economy?

          Anleger fragen sich nun gelegentlich, ob die Erwartungen an die großen Technologiewerte nicht übertrieben sind. Es wird darum spannend, zu sehen, wie sich Apple, Amazon, die Google-Muttergesellschaft Alphabet und das soziale Netzwerk Facebook schlagen, denn: Für die Börse sind sie der Hoffnungsträger. Ohne die starke Entwicklung der Aktienkurse der großen Tech-Aktien läge der S&P 500 Index seit Jahresbeginn im Minus.

          Sollten Apple & Co enttäuschen, dürfte sich eine gewisse Verkaufswelle nach diesen Quartalszahlen an der Wall Street etablieren. Und das übrigens auch vor dem Hintergrund, dass Netflix unabhängig von den zuvor gehegten Erwartungen unter dem Strich 384 Millionen Dollar (328 Millionen Euro) und damit fast sechs Mal so viel wie im Vorjahr. Doch die Hoffnungsträger haben auch eine Last zu tragen:

          NETFLIX INC. DL-,001

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          „Investoren sind bereit, für Technologieaktien Aufschläge bei den Bewertungen zu zahlen, um ein Maximum an Wachstum zu erhalten. Bleibt dieses Wachstum aber aus, reagieren Anleger verschnupft.“, so Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst von CMC Markets.

          Während die Technologiewerte im Rampenlicht stehen, geht manche andere Nachricht beinahe unter: Zum Beispiel die Deutsche Bank, die zum Wochenauftakt positiv überraschte. Deutschlands größte private Bank erwischte ein besseres zweites Quartal als von den Analysten erwartet. Die Bank meldete einen Gewinn vor Steuern in Höhe von rund 700 Millionen Euro und nach Steuern von rund 400 Millionen Euro. Im Durchschnitt lagen die Schätzungen der Analysten derweil für den Gewinn vor Steuern zuletzt bei 321 Millionen Euro und für den Gewinn nach Steuern bei 159 Millionen Euro. Das honorierten Anleger, der Aktienkurs der Deutschen Bank stieg zeitweise knapp 10 Prozent an.

          DT. BANK

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          Aber auch solche Zahlen werden am Ende dieser Bilanz-Saison eines zeigen: Auf die sogenannte Old Economy richtet sich derzeit nicht das Hauptaugenmerk an den Börsen. Wie viel Geld Mischkonzerne, Pharmaunternehmen und Banken verdienen, bleibt natürlich wichtig – richtig „sexy“ sind indes die Hightech-Aktien.

          APPLE

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          Sie sind für das Gros der Anleger die spannendere Geschichte, auch wenn deren Nachhaltigkeit über einen längere Zeit an der Börse – bis auf wenige Unternehmen wie Apple – keineswegs untermauert ist. Auf der anderen Seite kann sich jedoch auch die Börse nicht dem Trend der Zeit entziehen: Die Technologisierung der Aktienindizes schreitet weiter voran. Und es geht dabei um mehr als nur um Abozahlen und Klickraten.

          Ein deutscher Anleger muss dafür eigentlich gar nicht über den Atlantik schauen. Auch deutsche Technologieaktien decken zukunftsträchtige Wachstumsbereiche ab. Die Bereiche Software, Zahlungsdienstleistungen und Halbleiter werden besetzt. Ein Beispiel dafür ist Wirecard. Das Unternehmen aus Aschheim nahe München ist ein erfolgreicher Dienstleister für Zahlungsabwicklungen mit einem starken Standbein in Asien und renommierten Partnern wie den chinesischen IT-Konzernen Alibaba (Alipay) und Tencent (Wechat). Trotz des starken Kursverlaufs der vergangenen drei Jahren mit einem Plus von mehr als 280 Prozent trauen Analysten dem Unternehmen weitere Erfolge zu. Und nicht zuletzt auch den Aufstieg in Deutschlands erste Börsenliga, in den Dax.

          WIRECARD

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          „Der immer größeren Bedeutung deutscher Technologie-Titel trägt nicht zuletzt die Generalüberholung der großen deutschen Aktienindices Rechnung. Ab Herbst sind Tec-DAX-Aktien auch im M-DAX oder S-DAX zu finden“, unterstreicht Robert Halver von der Baader Bank die Bedeutung deutscher Technologie-Werte. „Durch diese Zweitmitgliedschaft kommt ihnen eine deutlich breitere Investorenbasis zugute. So profitieren dann auch Anleger in bislang weniger technologielastigen Indizes von einer „technisch“ aufgewerteten Index-Zusammensetzung.“

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