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Nach Jamaika-Bruch : Die Börsen zucken nur kurz

Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse. Bild: dpa

Was können Anleger aus den Erfahrungen in anderen Ländern mit einer langen Phase der Regierungsbildung lernen – etwa den Niederlanden, Spanien oder Belgien?

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          Der Euro hat anfangs etwas nachgegeben und der Dax ein klein wenig schwächer eröffnet: Aber schon bald gingen die Finanzmärkte nach dem Abbruch der Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition am Montag zur Tagesordnung über. Der Euro stand am Nachmittag auf 1,1736 Dollar und damit unbedeutend tiefer wie vor dem Abbruch der Verhandlungen. Und der Dax drehte und schloss 0,5 Prozent fester mit 13.059 Punkten.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Müssen Anleger jetzt gleichwohl für einige Zeit mit stärkeren Kursschwankungen rechnen? Oder drohen gar Verwerfungen an den Märkten, weil Deutschland seine Rolle als Hort der Stabilität in der Eurozone auf absehbare Zeit nicht mehr einnehmen kann? Analysten und Fondsmanager beruhigten am Montag eher. „Die Märkte sollten relativ entspannt sein“, meinte David Zahn von der Fondsgesellschaft Templeton. Viele verwiesen auf die Erfahrungen in anderen Ländern wie den Niederlanden, Belgien oder Spanien. Dort hatte es lange gebraucht, bis eine stabile Regierung gebildet werden konnte; doch die Finanzmärkte hatten sich auch ohne die Politik ganz munter entwickelt.

          In Spanien hatte die Regierungsbildung zehn Monate, von Dezember 2015 bis Oktober 2016 gedauert. Der spanische Index Ibex hatte zwar erhebliche Schwankungen gezeigt, aber keinen Einbruch. In Belgien hatte es einst 541 Tage gedauert, bis es wieder eine Regierung gab, von Juni 2010 bis Dezember 2011. Dort war der Index Bel-20 gesunken, das galt in dieser Phase aber auch für Indizes anderer Länder.

          Gerade in Belgien ging die Arbeitslosigkeit in der Zeit ohne Regierung stark zurück, wie Ökonomen gern hervorheben. Und in den Niederlanden hatte es immerhin sieben Monate bis zur Regierungsbildung gedauert, von März bis Oktober 2017. In dieser Zeit konnte der niederländische Aktienindex sogar überdurchschnittlich zulegen: Während der europäische Leitindex Euro Stoxx um rund 6,7 Prozent stieg, gewann der niederländische Index AEX rund 7,4 Prozent, wie Markus Allenspach vom Bankhaus Julius Bär vorrechnet.

          „Politische Börsen haben kurze Beine“, meinte auch Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Die Erfahrung zeige, dass sich die Märkte nach politischen Ereignissen für gewöhnlich zügig wieder auf die Fundamentaldaten konzentrierten. „Insgesamt halte ich das Thema Regierungsbildung für ökonomisch wenig relevant“ sagte Stephan. „Das war in Spanien, Belgien und den Niederlanden so – das wird auch bei uns so sein.“

          Die durch den überraschenden Abbruch der Jamaika-Sondierungsgespräche entstandenen Unsicherheiten dürften sich zwar in den Stimmungsindikatoren niederschlagen, aber die deutsche Konjunktur insgesamt nur begrenzt belasten. Dank einer guten globalen Konjunktur stiegen die Unternehmensgewinne, die die Aktienmärkte rund um den Globus auch 2018 stützen dürften: „Kurzum: Für die Kapitalmärkte ist das alles nicht so dramatisch.“

          Die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud, erwartet nach der gescheiterten Regierungsbildung in Berlin allerdings eine längere Phase wirtschaftspolitischer Unsicherheit, in der Unternehmen mit Investitionen zurückhaltend sein könnten. „Frau Merkel wird in Europa an Durchschlagskraft verlieren“, fügt die Chefvolkswirtin der Helaba hinzu.

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