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Nach Atomtest Nordkoreas : Herr Kim lässt den Goldpreis steigen

Der Goldpreis profitiert derzeit von den politischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Bild: AP

Nach dem Test einer Atombombe in Nordkorea und Abschüssen von Raketen in Südkorea kaufen vorsichtige Anleger Edelmetalle. Der Dollar wertet ab.

          Das Gold bestätigt in diesen Tagen seinen Ruf als sicherer Hafen für Kapitalanleger in politisch unruhigen Zeiten. Nachdem am Sonntag der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un den Test einer Atombombe befohlen und Südkorea darauf mit eigenen Raketenabschüssen eine Gefechtsübung anberaumt hatte, griffen vorsichtige Anleger am Montag zu Gold. Der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) erreichte mit 1345,50 Dollar seinen höchsten Stand seit nahezu einem Jahr.

          Der Dollar wertete nicht nur gegenüber Gold und anderen Edelmetallen ab, sondern auch gegenüber anderen Währungen wie dem Euro. Schon seit einiger Zeit reagiert der Dollar auf außenpolitische Spannungen mit leichten Schwächeanfällen, während er in solchen Episoden gegenüber anderen Währungen früher als Fluchtwährung nachgefragt wurde.

          Gold hingegen macht im bisherigen Jahresverlauf seinem alten Ruf als Zufluchtsort alle Ehre. Seit Januar ist der Preis um rund 15 Prozent gestiegen. Hierfür dürften auch politische Gründe eine Rolle gespielt haben – in der ersten Jahreshälfte gab es zunächst Sorgen wegen der Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich und seitdem sorgt das nordkoreanische Säbelrasseln immer wieder für Unruhe. Daten vom Terminmarkt zeigen, dass viele Marktteilnehmer mit Käufen auf einen weiter steigenden Goldpreis setzen.

          Auch Niedrigzins hilft Goldpreis weiter

          Die Politik ist ein Grund für die Hausse, aber wohl nicht der einzige. Zudem ist auch das wirtschaftliche Umfeld der vergangenen Monate nicht ungünstig für das Edelmetall gewesen. Zwar bleiben die Inflationsraten in den Industrienationen trotz eines mittlerweile neun Jahre währenden Konjunkturaufschwungs in den Vereinigten Staaten sehr niedrig. Die fehlende Inflationsfurcht hemmt zweifellos den Preisauftrieb bei Gold ein wenig. Andererseits wurden an den Finanzmärkten in den vergangenen Monaten die Prognosen für höhere Zinsen in den Vereinigten Staaten nach unten revidiert. Und das hilft dem Goldpreis, denn nach aller Erfahrung wirkt die Aussicht auf einen steigenden Realzins wie Gift auf die Preisentwicklung der Edelmetalle.

          Gold

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          Erwartungen auf steigende Realzinsen hatte es nach der Wahl Donald Trumps gegeben. Damals hatte sich an den Finanzmärkten die Vorstellung ausgebreitet, der neue Präsident werde mit Steuersenkungen und staatlichen Infrastrukturprogrammen die ohnehin schon gut laufende amerikanische Wirtschaft weiter anheizen. Wegen des damit verbundenen Inflationspotentials sähe sich die amerikanische Notenbank zu mehreren Leitzinserhöhungen gezwungen und auch am langen Laufzeitende würden die Renditen amerikanischer Staatsanleihen steigen.

          Diese Erwartungen sind an den Finanzmärkten in der Zwischenzeit verflogen. Dort ist man mittlerweile nicht mehr davon überzeugt, dass die Notenbank, wie bisher erwartet, ihren Leitzins bis zum Jahresende noch einmal erhöhen wird. Und für das kommende Jahr erwarten die Märkte derzeit nur noch eine Leitzinserhöhung, während die Projektionen der Fed auf drei Zinserhöhungen schließen lassen. Auch liegt die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen mit knapp 2,20 Prozent deutlich unter vielen Erwartungen des Marktes. Und da aus der Sicht vieler Analysten und Anleger amerikanische Aktien überdurchschnittlich hoch bewertet sind, rücken die Edelmetalle wieder stärker in den Fokus des Marktes. Ablesbar ist dies auch am steigenden Volumen des SPDR Gold Trust, des größten Goldfonds der Welt. In ihm liegen derzeit 831 Tonnen Gold gegenüber 786 Tonnen Anfang August.

          Anders als das Gold profitierten die Anleihen von Staaten mit guter Bonität zu Wochenbeginn nicht nennenswert von einer Nachfrage nach sicheren Anlagen. Ebenso wenig schlug sich die Verunsicherung in Europa in kräftig fallenden Aktienkursen nieder. In Japan war der Nikkei-Index zuvor um knapp ein Prozent zurückgegangen.

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