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Internetbank : N26 zieht es nicht so schnell an die Börse

  • Aktualisiert am

Valentin Stalf gründete die Onlinebank N26 und ist heute ihr CEO. Bild: dpa

Die Online-Direktbank will nach Aussagen von Mitbegründer Valentin Stalf weiter wachsen. Auch über eine Übernahme durch eine Großbank hat sich der Vorstandschef Gedanken gemacht.

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          Die von den zwei Österreichern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete deutsche Smartphone-Bank N26 will international stark wachsen, bevor ein Börsengang anvisiert wird. „Das ist frühestens ein Thema in drei bis fünf Jahren. Vielleicht dauert es auch acht Jahre“, sagt Stalf im Gespräch mit der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

          Die Übernahme durch eine Großbank visiert der N26-Chef und -Miteigentümer Stalf nicht an. „Ein Verkauf ist kein Thema. Das sieht man an der Investorenstruktur.“ Die mobile Bank mit Sitz in Berlin hat bisher mehr als 670 Millionen Dollar (606 Millionen Euro) bei Investoren eingesammelt. Zu den Investoren der Bank gehören unter anderem der deutsche Versicherungskonzern Allianz und der chinesische Internetkonzern Tencent.

          Stalf und Tayenthal sind mit ihrem Start-up reich geworden. Das Wirtschaftsmagazin „Trend“ führte im Ranking der reichsten Österreicher die beiden auf Rang 87 und 88 an. Rund 12,5 Prozent halten die beiden Gründer jeweils noch an N26.

          Die Online-Direktbank ist derzeit in 26 Ländern aktiv. Im Juli startete N26 in den Vereinigten Staaten, im September in der Schweiz. Die Smartphone-Bank ist mit ihrem kostenlosen Girokonto inklusive Mastercard Debit rasant gewachsen. Die meisten Funktionen der N26-App sind auch auf dem Computer-Desktop verfügbar.

          Auch Übernahmen sind eine Option

          Die Online-Direktbank hat bereits weltweit über 3,5 Millionen Kunden, zu Jahresbeginn waren es noch 1,8 Millionen. „Am Jahresende werden es voraussichtlich 4,5 bis 5 Millionen Kunden sein. Es gibt eine realistische Chance, dass N26 Ende 2020 über 10 Millionen Kunden hat“, erwartet der N26-Chef. Der Anspruch sei „irgendwann mal 40, 50 vielleicht 100 Millionen Kunden zu haben“.

          Die mobile Bank will aber auch durch Übernahmen wachsen. „Wir schauen uns Zukäufe im Bereich von Trading und Depotverwaltung an. Es kann auch sein, dass wir da selbst etwas entwickeln“, sagte Stalf. Kunden würden bei Aktienhandel und Depotverwaltung in Europa „viel zu viel Geld“ bezahlen.

          Die Verlustzone will das Start-up langsam verlassen. „Aus heutiger Sicht könnten wir Ende des Jahres 2020 in die operative Profitabilität kommen. Fokus ist aber die Expansion. In Amerika investieren wir derzeit viel in den Markteintritt“, erklärte Stalf. Bei der Online-Direktbank kommen nach eigenen Angaben rund 30 bis 40 Prozent aus dem Transaktionsgeschäft. Wenn ein N26-Kunde mit der Karte zahlt, bekommt die Bank vom Händler eine kleine Gebühr. Für den Kunden ist es kostenlos. 30 bis 40 Prozent stammt aus dem Geschäft mit Premiumkonten. Der Rest der Einnahmen entfällt auf den Bereich Überziehungsrahmen und Sparprodukte.

          Kundenservice soll weiter verbessert werden

          Das langsame Kundenservice von N26 war in der Vergangenheit mehrfach in die Kritik geraten. „Letztes Jahr im Herbst war der Kundenservice eine Herausforderung, seit Anfang des Jahres 2019 haben wir aber gute Arbeit geleistet. Wir sind jetzt mit dem Online-Chat sehr gut aufgestellt“, zeigte sich Stalf zuversichtlich. N26 hat laut Firmenangaben über 800 Kundenservice-Mitarbeiter, davon 400 eigene Mitarbeiter und 400 Beschäftigte bei externen Firmen. Die Bank bietet einen Rückrufservice und eine 24/7 Hotline zu Kartensperrungen an. Für Premiumkunden gibt es noch zusätzlich eine Hotline für alle Fragen.

          Im Herbst eröffnet N26 einen Standort in Wien. Das Büro soll sich vor allem um Security-Themen kümmern, unter anderem wird eine Künstliche-Intelligenz-Software entwickelt, um betrügerische Transaktionen zu verhindern. Die ersten 15 Mitarbeiter für das Wiener Büro wurden bereits gefunden, bis Jahresende soll es rund 20 bis 30 Beschäftigte sein. Ende 2020 will man rund 100 Mitarbeiter haben. Wien soll damit nach Berlin mit rund 1.000 Mitarbeitern und Barcelona mit 150 bis 200 Mitarbeitern das drittgrößte europäische Büro von N26 im nächsten Jahr werden.

          Stalf und Tayenthal gründeten ihr Start-up im Jahr 2013 in Wien, verlegten den Sitz aber nach wenigen Wochen nach Berlin. Anfang 2015 startete die Smartphone-Bank in Deutschland und Österreich, damals noch unter dem Namen Number26. Mitte 2016 erfolgte die Umbenennung in N26.

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