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Anlegen wie die Großen : Versicherer sind in der Geldanlage fremdbestimmt

Solarenergie in Indien: Anlagen in erneuerbare Energien gewinnen für Versicherer an Bedeutung. Bild: AFP

Allianz und Munich Re wollen sich nicht an den Renditen der erfolgreichsten Kapitalanleger messen. Für sie gelten andere Kriterien. Dritter Teil unserer Reihe „Anlegen wie die Großen“.

          Wer den Erfolg von Großanlegern beurteilen will, muss ihre Ziele unterscheiden. Für große Investitionseinrichtungen wie den norwegischen Pensionsfonds oder die arabischen Staatsfonds ist die Aufgabe vergleichsweise einfach: Gemäß den eigenen Wertvorstellungen wollen sie die Rendite maximieren. Stiftungen sind überdies darum bemüht, einen zufriedenstellenden Mittelzufluss herzustellen, um ihre Aufgaben zu finanzieren. Für große Altersvorsorgeeinrichtungen dagegen stehen die Auszahlungen im Vordergrund. Sie müssen sich nicht so sehr daran messen, dass sie die höchstmögliche Rendite erwirtschaften, sondern dass sie die versprochenen Auszahlungen jederzeit leisten können. „Wir sind nicht allein Asset-getrieben und fragen nach dem besten Return, sondern sind in erster Linie Liability-getrieben“, sagt Philipp Waldstein, Mitglied der Geschäftsführung der Meag, der Anlagegesellschaft von Munich Re.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wie ein institutioneller Investor Geld anliegt, hängt also vom Ziel, vom Anlagehorizont und von der Vertragsgestaltung ab. Zum Beispiel muss ein Versicherer mehr Liquidität vorhalten, wenn Kunden ihre regelmäßigen Einzahlungen unterbrechen dürfen. Im Fall einer Kündigung muss der Kunde seinen Rückkaufswert ausgezahlt bekommen können. „Auf die Frage, wie man Geld anlegen soll, lautet meine Gegenfrage: Wann braucht man das Geld“, sagt Andreas Gruber, Chief Investment Officer des Allianz-Konzerns. Die Antwort unterscheide sich je nachdem, ob es in einem Monat, in einem Jahr oder in 30 Jahren zur Verfügung stehen müsse. Als internationaler Versicherer muss er Kapital für die Lebens- und die Sachversicherung anlegen. Für jeden einzelnen Euro, der benötigt wird, lasse sich kurz-, mittel- und langfristig der Mittelzufluss planen. Wenn Schäden anfallen, müssen sie jederzeit in der jeweiligen Währung gedeckt werden können.

          Verpflichtungen und Geldanlagen abstimmen

          Die Portfolios der beiden großen Versicherer bilden deshalb geographisch genau die Struktur ihrer Verpflichtungen ab. Verarbeiten die Werkstätten Autoteile aus Bulgarien, müssen die Geldanleger im bulgarischen Währungsraum investieren und die bulgarische Inflationsrate berücksichtigen. Das kann auch dazu führen, dass überraschend hohe Anteile des Portfolios in Währungen angelegt sind, die einem herkömmlichen Investor nicht als attraktiv genug erscheinen würden. „Wir haben zum Beispiel viel Geschäft in Pfund Sterling. Andere Anleger würden sagen, das ist eine schwache Währung. Aber wir minimieren so das Risiko“, sagt Meag-Geschäftsführer Waldstein. Seine Arbeit unterscheidet sich von der eines Staatsfonds auch darin, dass sich ganze Abteilungen damit befassen, wie das Profil der Verpflichtungen aus den Policen aussieht: Welche juristischen Hintergründe liegen ihnen zugrunde? Welches Kundenverhalten beeinflusst sie?

          Im Kern geht es für die Kapitalanleger der Versicherer also darum, die Verpflichtungen und die Geldanlagen optimal aufeinander abzustimmen. Dabei geht es sowohl um den Cash-flow-Bedarf als auch die Laufzeit von Verpflichtungen und Investments. Eine der anspruchsvollen Funktionen, welche die Assekuranz zu vergeben hat, ist deshalb das sogenannte Asset-Liability-Management. Ginge es ausschließlich darum, die Verpflichtungen durch passende Geldanlagen zu unterlegen, würde es reichen, ein „Replikationsportfolio“ aufzustellen, wie sie es bei der Allianz nennen.

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