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MSCI-Schwellenländer : Indexumstellung könnte China Zufluss von 100 Milliarden Dollar bescheren

In den MSCI-Index sollen mehr chinesische Titel aufgenommen werden. Das dürfte die Kurse in China weiter steigen lassen. Bild: AP

MSCI erhöht den Anteil chinesischer Titel in seinem Schwellenländerindex erheblich. Dadurch könnten zusätzlich 100 Milliarden Dollar ins Reich der Mitte fließen – und die bereits stark steigenden Kurse weiter treiben.

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          Wie erwartet wird der amerikanische Indexanbieter MSCI den Anteil chinesischer Festlandsaktien (so genannte „A-Shares“) zum Jahresende stark erhöhen. Weil sich viele institutionelle Anleger – wie zum Beispiel kapitalstarke amerikanische Pensionsfonds – in ihrem Anlageverhalten an MSCI orientieren, könnten die zusätzlichen Milliarden, die nun nach China fließen dürften, dem chinesischen Aktienmarkt einen zusätzlichen Schub verleihen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Chinas Börse hat sich nach einem katastrophalen Jahr mit Wertverlusten von bis zu einem Drittel wieder erholt und seit Jahresbeginn den besten Start von allen Finanzmärkten weltweit hingelegt. Der marktbreite Shanghai Composite Index, der sämtliche an der größten chinesischen Festlandbörse notierten Titel abbildet, stieg seit dem 2. Januar um 18 Prozent.

          Viele Beobachter sind haben Zweifel geäußert, ob der Aufschwung am Aktienmarkt nachhaltig sein wird. Schließlich kämpft die zweitgrößte Wirtschaft der Welt derzeit mit erheblichen Problemen: hohe Verschuldung der Unternehmen, zurückgehende Gewinne, sinkende Kredite der Banken für den Privatsektor.

          Bis zu 100 Milliarden Dollar nach China

          Dass MSCI nun den Faktor, mit dem chinesische Aktien in seinem Schwellenländerindex eingerechnet werden, von 5 auf 20 Prozent erhöhen will, dürfte jedoch Kursphantasie freisetzen. Allein Februar hatten ausländische Fondsmanager für knapp 10 Milliarden Dollar chinesische Festlandaktien gekauft. Durch den Schritt von MSCI dürften laut Schätzung der Bank UBS nun zusätzlich zwischen 70 Milliarden und 100 Milliarden Dollar nach China fließen, weil zum Beispiel viele Pensionsfonds aus den Vereinigten Staaten den Index nachbilden und nun chinesische Aktien aus dem Index kaufen werden.

          MSCI hatte im vergangenen Jahr nach langen Jahren des Zögerns erstmals chinesische Festlandaktien in den Index aufgenommen. Grund dafür war auch erheblicher politischer Druck von der Regierung in Peking auf die internationalen Finanzmärkte gewesen. Dass China stark wachsende und einflussreiche Aktiengesellschaften hat, war zwar nie umstritten gewesen. Grund für die Skepsis von MSCI gegenüber der chinesischen Börse war vielmehr die starke Rolle des Staats. Dieser hat insbesondere nach den heftigen Kursschwankungen aus dem Jahr 2015 immer wieder mit milliardenschweren Käufen, Verkäufen und regulatorischen Eingriffen wie einem Leerverkaufsverbot mit eiserner Hand die Kurse zu manipulieren versucht.

          Im vergangenen Jahr sind die Interventionen des so genannten Dream Teams, das auch staatlichen Finanzakteuren besteht, im Marktgeschehen jedoch erheblich zurückgegangen. MSCI strebt nun an, in drei Schritten die Gewichtung der chinesischen „A-Aktien“ in seinem Schwellenländerindex zu erhöhen, die im November dort dann ihren Endstand von 3,3 Prozent erreichen soll.

          253 chinesische Titel

          Dann wird der MSCI-Index 253 chinesische Titel von Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung von 10 Milliarden Dollar oder mehr enthalten (Blue Chips). 168 Titel kommen von mittelgroßen Firmen. 27 Titel sind Technologiewerte von der Börse ChiNext, zum Teil von Startup-Unternehmen.

          Der Börsenindex Shanghai Composite reagierte am Freitagvormittag eher verhalten auf die gute Nachricht aus New York. Zum einen hatten die Anleger die Entscheidung von MSCI bereits erwartet und in ihr Kaufverhalten „eingepreist“, wie es bei Analysten stets heißt, wenn sie Erklärungen für ein unerwartetes Kursverhalten zu finden versuchen.

          In Wahrheit dürfte ein anderes Ereignis vom Vortag den Börsianern auf den Magen geschlagen haben. Die Rede ist vom geplatzten Gipfel zwischen dem nordkoreanischen Diktator Kim und Amerikas Präsident Trump in Hanoi.

          Manchmal, drohte der genervte amerikanische Staatsführer hinterher, sei es besser, einen Deal abzulehnen. Das gelte im Übrigen auch für die Handelsgespräche mit China, schob Trump nach. Er werde die Verhandlungen mit der Volksrepublik verlassen, sollten diese nicht zum Ziel führen.

          Da war er wieder, der Unsicherheitsfaktor an den chinesischen Börsen, den kein Anleger einzuschätzen vermag und der trotz MSCI und neu aufgenommen Aktien die Kurse doch wieder in die Tiefe schicken könnte: die Stimmungsschwankungen des Mannes aus dem Weißen Haus.

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