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Neue Studiendaten : Morphosys haussieren

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Anleger feiern gute Studiendaten zum Morphosys-Prüfmedikament Tafasitamab. Bild: Morphosys

Morphosys kann mit neuen Studiendaten zu einem wichtigen Medikament punkten. Die Börse feiert, der Aktienkurs schnellt hoch. Wie riskant ist jetzt der Einstieg in die Biotech-Aktie aus dem M-Dax?

          Positive Studienergebnisse haben den Aktienkurs von Morphosys zum Wochenauftakt kräftig anziehen lassen. Im Nebenwerteindex M-Dax führten die Papiere die Gewinnerliste souverän an. Anleger feiern die ergänzenden Studiendaten zum Prüfmedikament Tafasitamab (MOR 208). Nach der Veröffentlichung erster Details Mitte Mai hatte Morphosys am vergangenen Wochenende auf einer Fachkonferenz in Lugano weitere Ergebnisse präsentiert.

          Der Antikörper wird demnach als Kombinationstherapie mit dem Mittel Lenalidomid an 80 schwerstkranken Blutkrebspatienten getestet, für die andere Behandlungen wie eine Chemotherapie oder eine Stammzellentransplantation nicht in Betracht kommen - zumeist aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters. Die jetzige Veröffentlichung wurde durch Daten wie das Gesamtüberleben ergänzt.

          Mehrere Experten zeigten sich hiervon beeindruckt, ebenso Analysten. Die Investmentbank JP Morgan hat beispielsweise die Einstufung für die Morphosys-Aktie auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 120 Euro belassen. Analyst James Gordon zeigte sich in einer am Montag vorliegenden Studie beeindruckt von ersten Daten zur Gesamtüberlebenszeit. Die Anleger dürften eine Zulassung im kommenden Jahr nun optimistischer einschätzen, wie auch die Marktchancen des Mittels.

          Vielversprechende Daten

          Morphosys steht bereits seit längerem für den Marktstart in den Vereinigten Staaten in den Startlöchern und hat dort mit dem Aufbau einer Vertriebsorganisation begonnen. In Amerika will das Unternehmen bis Ende des Jahres auf Basis der L-Mind Studie den Zulassungsantrag für das Mittel bei der zuständigen Medikamentenaufsicht FDA einreichen. Diese hatte dem Antikörper bereits im Jahr 2017 eine beschleunigte Zulassungsprüfung mit dem Sonderstatus „Therapiedurchbruch“ zugesagt. Seitdem schauen die Anleger besonders genau, welche Fortschritte Morphosys mit dem Mittel macht.

          Tatsächlich wurden bislang alle von Morphosys mit gewissen zeitlichem Abstand veröffentlichten Daten zu dem Mittel von Analysten weitgehend als vielversprechend eingestuft, allerdings hatten einige Experten zuletzt noch Risiken gesehen. Zu den Vorsichtigen hatte auch Analyst Graig Suvannavej von Goldman Sachs gehört. Nach den aktuellen Studiendaten äußerte sich der Experte am Montag jedoch positiv: Er sei nun weitaus zuversichtlicher, dass Morphosys allein auf Basis der L-Mind-Studie eine Zulassung erhalten könnte, schrieb er.

          Zudem sieht Suvannavej nun die mögliche Positionierung des Mittels in dem aktuell sehr wettbewerbsintenvisen Therapiefeld Blutkrebs positiver. Ob nun die FDA das Mittel als Zweit- oder Drittlinientherapie zulasse, liege am Ende zwar in der Hand der Behörde, so der Experte. Laut Unternehmen hätten Ärzte aber sogar Interesse an dem Mittel als Erstlinientherapie angemeldet - also als Medikament der ersten Wahl.

          Riskante Aktien-Anlage (?)

          Trotz der aktuellen Kursgewinne ist die Morphosys-Notierung noch mehr als ein Drittel vom im vergangenen Juli erreichten Zwischenhoch von knapp 125 Euro entfernt. Unter anderem hatte Ende Januar ein verlorener Patentstreit den Kurs unter Druck gebracht. Im März erreichte dieser bei 79,70 Euro ein Tief, von dem sich die Notierung noch immer nicht ganz erholt hat.

          MORPHOSYS

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          Am Montagmittag steigt der Aktienkurs von Morphosys aber um mehr als 7 Prozent auf 93,35 Euro. Dies könnte das Interesse von Investoren wieder beleben, nachdem die Notierung zuvor unter die 200-Tage-Linie gefallen war. Mit den Kursaufschlägen vom Montag kommt diese der für Langfristanleger wichtigen Trendlinie wieder näher. Anleger, die bereits seit vielen Jahren bei Morphosys engagiert sind, konnten gute Rendite mit der Biotech-Aktie einfahren:

          Wer vor drei Jahren 10.000 Euro in die Aktien investiert hat, kann heute im Depot auf eine Summe von mehr als 23.000 Euro blicken. Auf Sicht eines Jahrzehnts wurden aus der gleichen Anlagesumme mehr als 53.000 Euro. Bei allen Eurozeichen in den Augen vieler Anleger: Biotech-Aktien sind trotz allen Potentials grundsätzlich riskant. Das trifft auch auf die Morphosys-Aktie zu.

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